Wolfgang Katzheimer
Wolfgang Katzheimer der Ältere (* um 1445; † 1508) war ein deutscher Maler und Graphiker.
Leben
Man nimmt an, dass Katzheimer in der Oberpfalz geboren wurde, spätestens 1445, vermutlich etwas früher, da er ab 1465 in Bamberg als Meister nachweisbar ist. Schnell erhielt er zahlreiche Aufträge von der Stadtgemeinde, von geistlichen Institutionen und nicht zuletzt von den Fürstbischöfen von Bamberg. Auch wenn es zu seiner Zeit ein entsprechendes Amt noch nicht gab, kann man ihn de facto als Hofkünstler bezeichnen. An seiner Werkstatt beschäftigte er mindestens zwei Malergesellen und weitere Schnitzer. Er war der führende Bamberger Maler in seiner Zeit.[1]
Von seiner Familie sind nur Umrisse überliefert. Als gesichert gelten zwei Söhne: Wolfgang Katzheimer der Jüngere, 1478 noch unmündig, ab 1493 als Malergeselle erwähnt, bereits 1495 wird er letztmals in Quellen genannt; und ein offenbar jüngerer Sohn Bernhard, der nur ein einziges Mal 1507 als Mitarbeiter des Vaters auftaucht. Das Familienverhältnis zu Lorenz Katzheimer, der als Maler zwischen 1505 und 1510 erscheint, ist unklar.
Werke (Auswahl)
Zu seiner Zeit vor Dürer war das Signieren von Werken noch unüblich. Entsprechend ist von Katzheimer kein signiertes Werk bekannt. Aus Quellen geht hervor, dass er Vorlagen für bildhauerische Werke schuf, Fahnen und Wappen malte, sich als Faßmaler betätigte, Glasfenster ebenso entwarf, wie Hofkleidung. Als urkundlich gesichert gilt, dass er ab 1505 die Vorlagen für die Holzschnitte in der 1507 erschienenen Bambergischen Halsgerichtsordnung des Johann von Schwarzenberg schuf. Von den dort erkennbaren künstlerischen Eigenheiten ausgehend, konnten ihm verschiedene Tafelgemälde zugeschrieben werden.
Gemälde
- Retabel des Bamberger Domdekans und kurbrandenburgische Rats Hertnid von Stein, um 1475, St. Lorenz, Hof
- Muttergottes zwischen den Heiligen Helena und Barbara, um 1475, Sammlung Junghanns, Freiburg im Breisgau
- Altartafel Jakobus der Ältere zwischen Heinrich II. und Kunigunde, um 1478, Fränkische Galerie, Kronach
- Schlüsselfelder Hochaltar-Retabel, um 1480, verteilt über Museum für Franken Würzburg, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, Stiftssammlungen St. Florian bei Linz
- Hersbrucker Hochaltar-Retabel, um 1485, Stadtkirche Hersbruck
- Feuerprobe der heiligen Kunigunde, um 1490, Staatsgalerie Bamberg
- Zwei Engel mit dem Schweißtuch der hl. Veronika, um 1490, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg
- Heilige Dorothea und Verkündigungsmadonna (Rückseite), Fragment, um 1490, Fränkische Galerie Kronach
- Heiliger Petrus, um 1490, Museum für Franken, Würzburg
- Zwei Bilder zur Bartholomäus-Legende: Der heilige Bartholomäus befreit die Königstöchter vom Dämon und Marthyrium des heiligen Bartholomäus, beide um 1507, Staatsgalerie Bamberg
Zeichnungen
- Dornenkrönung Christi, um 1480, Staatsgalerie Stuttgart (Zeichnung zum Schlüsselfelder Hochaltar-Retabel)
- Die Heilige Familie, 1491, British Museum, London
- Thronende Muttergottes, 1492, Frick Collection, New York
Vorlagen für Reliefs
- Tumba des Heiligen Kaiserpaars Heinrich und Kunigunde, 1499 bis 1513 durch Tilman Riemenschneider in eigener Handschrift umgesetzt
- Reliefs zur Legende des Heiligen Sigismund, St. Sigismund, Seußling
- Reliefs zur Legende des Heiligen Pankratius, um 1502, Gügelkapelle bei Scheßlitz
- Grabmal des Bischofs Georg II. Marschall von Ebnet, 1505, in eigener Handschrift umgesetzt durch Peter Vischer der Ältere
Vorlagen für Glasfenster
- Bamberger Fenster oder Bischofsfenster, 1493–95, St. Sebald, Nürnberg
Holzschnitte
- Vorlagen für 23 Illustrationen für die Bambergische Halsgerichtsordnung, 1505 bis 1507[2]
Katzheimer wird häufig das erste Bamberger Stadtporträt zugeschrieben. Die Verabschiedung der Apostel ist wohl 1483 für den Apostelaltar von Alt St. Martin in Bamberg entstanden; seine Autorenschaft ist aber umstritten. Prof. Robert Suckale bezeichnete das Gemälde 2009 als „mittelmäßig“ und scheidet das „bisher Katzheimer zugeschriebene Werk“ in seiner Betrachtung von dessen Werk aus. Heute im Historischen Museum Bamberg, zeigt es die Abschied nehmenden Apostel vor der Kulisse der Stadt Bamberg. Im Hintergrund ist die Altenburg, die Obere Pfarre, der Bamberger Dom und das Kloster Michelsberg inmitten der ummauerten Stadt zu sehen, was es zu einem oft kopierten Zeitzeugnis der Stadtgeschichte macht.
Ehrungen
Im Malerviertel von Bamberg ist die Katzheimerstraße nach ihm benannt. Am Rand des Viertels wurde in den 1980er Jahren eine Stele des Künstlers Robert Bauer-Haderlein errichtet, auf der ihm eine der vier Seiten gewidmet ist.[3]
Literatur
- Nils Bonsels: Wolfgang Katzheimer von Bamberg. Ein Beitrag zur Geschichte der spätgotischen Malerei in Franken (= Studien zur deutschen Kunstgeschichte. Band 306). Heitz, Straßburg / Leipzig 1936.
- Renate Baumgärtel-Fleischmann: Katzheimer, Wolfgang. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 11. Duncker & Humblot, Berlin 1977, ISBN 3-428-00192-3, S. 337–338 (deutsche-biographie.de).
- Robert Suckale: Die Erneuerung der Malkunst vor Dürer. 2 Bände. Imhof Verlag, Petersberg 2009, Bd. 1, S. 291–359.
Weblinks
- Werke von Wolfgang Katzheimer bei Zeno.org
Einzelnachweise
- ↑ Robert Suckale: Die Erneuerung der Malkunst vor Dürer. 2 Bände. Imhof Verlag, Petersberg 2009, Bd. 1, S. 291.
- ↑ Robert Suckale: Die Erneuerung der Malkunst vor Dürer. 2 Bände. Imhof Verlag, Petersberg 2009, Bd. 1, S. 292 bis 295.
- ↑ Stadtarchiv Bamberg: Fotografie des Modells aus dem Jahr 1981, Signatur D 2088 + 81717 - 8