Wolfgang König (Ethnologe)

Wolfgang Walter König (* 23. Juni 1925 in Hintergersdorf; † 3. Dezember 1979) war ein deutscher Ethnologe und Museumsdirektor. Er leitete von 1970 bis zu seinem Tod das Museum für Völkerkunde Leipzig. Seine Forschungsschwerpunkte lagen vor allem auf den Gesellschaften Mittel- und Zentralasiens, insbesondere bei den Turkmenen.[1][2]

Wolfgang König zählt zu den bedeutenden Ethnologen der DDR, die Forschung, Museumspraxis und internationale Perspektiven miteinander verbanden. Seine Arbeiten zur zentralasiatischen Ethnologie gelten als wichtige Beiträge zur deutschsprachigen Forschung dieser Region.

Leben und Wirken

Wolfgang König studierte in Leipzig Ethnologie und verwandte Fächer in der frühen Nachkriegszeit. Während des Studiums lernte er den sowjetischen Ethnologen Sergej Tokarew kennen, der in Leipzig Gastprofessor war. Als Assistent Tokarews übersetzte er u. a. dessen Vorlesungen über die Ethnographie der Völker der Sowjetunion ins Deutsche.[3] Tokarew ermöglichte ihm nach Beendigung des Studiums einen dreijährigen Forschungsaufenthalt am Lehrstuhl für Ethnographie der Moskauer Lomonossov-Universität. Hier konnte er erste praktische Erfahrungen in der ethnographischen Feldforschung sammeln. Unter der Leitung von Gennadi Markow erforschte er auf mehreren Expeditionen in Turkmenien die Wirtschaftsverhältnisse und Sozialstruktur der Achal-Teke. Dieses Feldmaterial bildete später eine der Grundlagen seiner Dissertation „Die Achal-Teke. Zur Wirtschaft und Gesellschaft einer Turkmenen-Gruppe im 19. Jahrhundert.“[3]

Nach seiner Rückkehr war er am Museum für Völkerkunde Leipzig tätig, wo er die Abteilung Mittel- und Zentralasien leitete.[1] In dieser Funktion baute er die Sammlungen sowie die wissenschaftliche Erforschung dieser Regionen systematisch aus. Im Jahr 1970 wurde König zum Direktor des Museums für Völkerkunde Leipzig berufen, das heute Teil des GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig ist. Während seiner Amtszeit prägte er die thematische und wissenschaftliche Ausrichtung des Hauses maßgeblich und stärkte dessen Rolle als zentrale ethnologische Forschungseinrichtung der DDR. Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit war er intensiv an der Konzeption ethnologischer Ausstellungen beteiligt, mit denen außereuropäische Kulturen einer breiteren Öffentlichkeit vermittelt werden sollten.

Wolfgang König starb 1979 unerwartet während seiner Tätigkeit als Museumsdirektor.[1]

Forschung

Königs wissenschaftliche Arbeit konzentrierte sich vor allem auf wirtschaftliche, soziale und kulturelle Strukturen zentralasiatischer Gesellschaften. Einen besonderen Schwerpunkt bildeten die Turkmenen, insbesondere die Gruppe der Achal-Teke, deren Wirtschafts- und Sozialordnung des 19. Jahrhunderts er eingehend untersuchte.[4] Diese Arbeit verband historische Quellenstudien mit ethnologischer Analyse und leistete einen wichtigen Beitrag zur Erforschung nomadischer und halbnomadischer Gesellschaften.

Darüber hinaus befasste sich König mit ethnologischen Fragestellungen zur Mongolei sowie zu verschiedenen Völkern der Sowjetunion. Seine Forschungsergebnisse flossen nicht nur in wissenschaftliche Publikationen ein, sondern auch in museale Präsentationen, wodurch sie einem breiteren Publikum zugänglich gemacht wurden.

Schriften (Auswahl)

  • Die Achal-Teke. Zur Wirtschaft und Gesellschaft einer Turkmenen-Gruppe im XIX. Jahrhundert. Dissertation Leipzig. Akademie-Verlag, Berlin 1962.
  • Zu einigen Fragen der Wirtschaft und Gesellschaft der Teke-Turkmenen Achals im 19. Jahrhundert. Leipzig.
  • Mongolei. Erläuterungen zu einer Ausstellung im Museum für Völkerkunde Leipzig. Museum für Völkerkunde, Leipzig 1967.
  • Völker der Sowjetunion. Kultur und Lebensweise. Ausstellungskatalog. Museum für Völkerkunde, Leipzig 1976.

Einzelnachweise

  1. a b c König, Wolfgang 1925-1979 in RelBib, Religionswissenschaftliche Bibliografie.
  2. Lothar Stein: Mein Weg zur Ethnologie Uni Frankfurt, 2004.
  3. a b „In memoriam Wolfgang König“. Die Nomaden in Geschichte und Gegenwart: Beiträge zu einem internationalen Nomadismus-Symposium am 11. und 12. Dezember 1975 im Museum für Völkerkunde Leipzig, edited by Rolf Krusche. De Gruyter, Berlin 1981. S. 5. doi:10.1515/9783112620502-001
  4. Wolfgang König, Ethnologe, Schriftenverzeichnis Deutsche Digitale Bibliothek.