Woldemar Winkler

Woldemar Winkler (* 17. Juni 1902 in Mügeln; † 30. September 2004 in Gütersloh) war ein deutscher Maler, Zeichner und Bildhauer. Er gilt als Fortführer und Mitgestalter einer romantischen Tradition, wie sie in Deutschland von Max Ernst und Richard Oelze vertreten wurde.[1]

Leben und Werk

Woldemar Winkler arbeitete ab 1919 zunächst in Architekturbüros in Dresden und Pforzheim, weil sein Vater, ein strenger Wirtschaftsberater, gegen einen künstlerischen Beruf war. Nach zwei Jahren fing er an der Staatlichen Akademie für Kunstgewerbe in Dresden an zu studieren. Er belegte Architektur bei Karl Simmang (* 1874) aber auch Malerei bei Carl Rade (1878–1954), bei dem er 1925 Meisterschüler und ein Jahr später Assistent wurde. In Dresden traf er auf Künstler wie Otto Dix und Oskar Kokoschka.

1927 erhielt Winkler einen Ruf von Ernst Oskar Simonson-Castelli[2] an dessen private „Akademie für Zeichnen, Malen und Modellieren“, wo er unter anderem Kate Diehn-Bitt unterrichtete. Ein Jahr später übernahm er die Leitung der Akademie. Noch das Adressbuch 1943/1944 weist ihn als Inhaber und Leiter der inzwischen in Schule für Zeichnen und Malen umbenannten Schule aus. Die Schule befand sich in der Scheffelstraße 27 und diente der Berufsausbildung im Reklame- und Modezeichnen. Eine der Schülerinnen der Schule war Inge Thiess-Böttner.

Winklers Arbeiten, die er ab 1927 für städtische Gebäude in Dresden geschaffen hatte, wurden von den Nationalsozialisten teilweise als „entartet“ zerstört. Außerdem wurde ihm unterstellt, Juden und Kommunisten zu unterstützen und versteckt zu halten.

Winkler nahm 1934 an der Sächsischen Kunstausstellung und 1936 an der Kunstausstellung Dresden teil. 1941 wurde er zum Kriegsdienst einberufen, wo er als „Lehrangestellter für soldatische Werkarbeit“ tätig war.

Winkler geriet 1943 in Kriegsgefangenschaft (bis 1947). Bei der Bombardierung Dresdens wurden ein Großteil seines künstlerischen Schaffens wie auch sein Atelier zerstört. Winkler lernte seine Frau Margret Horstkotte kennen und zog ins ostwestfälische Gütersloh. Er arbeitete als Maler, Illustrator und Gestalter für Bücher, Glasfenster und Wandgemälde. Ab 1960 unternahm er jedes Jahr Arbeits- und Studienreisen nach Vence in Südfrankreich, wo er 1970 Max Ernst kennenlernte.

Seit Mitte der 1960er Jahre wurden Winklers Grafiken, Skulpturen, Collagen und Assemblagen regelmäßig in Galerien, Kunsthallen und Museen ausgestellt, so beispielsweise im Musée Ingres in Montauban oder im Leonhardi-Museum Dresden. Ein Angebot der DDR, nach Dresden zurückzukehren, lehnte er ab. In Westdeutschland wurde er ordentliches Mitglied des Deutschen Künstlerbundes, an dessen jährlichen Ausstellungen er sich zwischen 1975 (Museum am Ostwall in Dortmund) und 1993 (Militärhistorisches Museum der Bundeswehr in Dresden) insgesamt vierzehnmal beteiligte.[3] 1976 und 1980 nahm Winkler an den Biennalen in Spanien teil.

1982 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse[4] und 1987 der Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen verliehen. 1992 ernannte man ihn zum Honorarprofessor im Fachbereich Kunst an der Universität-Gesamthochschule Paderborn. Am 30. September 2004 starb Winkler im Alter von 102 Jahren in seinem Haus in Gütersloh-Niehorst.

Woldemar-Winkler-Stiftung

1994 brachte Winkler über 200 seiner Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen in die Gütersloher Woldemar-Winkler-Stiftung ein. Die Stiftung verfolgt das Ziel, das künstlerische Lebenswerk Winklers darzustellen und zu pflegen. Darüber hinaus organisiert sie internationale Künstlerbegegnungen und fördert Nachwuchskünstler und die Aus- und Fortbildung auf dem Gebiet der Kunst im Sinne des Schaffens von Woldemar Winkler.

Woldemar-Winkler-Kunstpreis

Seit 1997 verleiht die Woldemar-Winkler-Stiftung im Rhythmus von zwei Jahren, seit 2017 alle drei Jahren den mit (inzwischen) 5.000 Euro dotierten Woldemar-Winkler-Kunstpreis. Der Preisträger ist automatisch Jurymitglied für die folgende Preisverleihung. Zusätzlich gibt es einen mit 1.500 Euro dotierten „Förderpreis“. Woldemar Winkler wollte mit den Preisen „jenen Künstlern helfen, die konsequent den Weg des Imaginativen gehen und dabei, wie auch ich, nicht von Anfang an auf Anerkennung stoßen“.

Bisherige Preisträger waren der Tscheche Milan Nápravník, der Karlsruher Voré, die Kanadierin Mimi Parent, der Franzose Louis Pons und die Malerin Rosa Loy, Mitgründerin der so genannten Leipziger Malschule und Ehefrau des Malers und Grafikers Neo Rauch. Preisträger 2007 war der in Nürnberg geborene und in Berlin lebende Maler Sid Gastl; der Förderpreis ging an den ebenfalls in Berlin wirkenden Maler Ruprecht von Kaufmann. Preisträger 2009 war der in Palermo geborene und in München lebende Maler Luigi Troja. 2011 ging der Preis an die aus Würzburg stammende und in Mainz lebende Zeichnerin und Malerin Nikola Jaensch. 2013 wurde mit Helen Jilavu erstmals eine Fotokünstlerin ausgezeichnet. Die 1977 in Kaiserslautern als Kind rumänischer Eltern geborene Dozentin der FH Mainz setzte sich gegen acht weitere Kandidaten durch. Preisträgerin 2015 war Ina Schulte, Malerin aus Halle (Westfalen) mit Wohnsitz in Köln. Im Jahr 2017 ging der Preis an Marlene J. Riesener. Der nun aller drei Jahre vergebene Preis konnte 2020 aufgrund der Corona-Pandemie nicht vergeben werden. 2023 erhielt ihn Johanna Flammer.[5]

Literatur

  • Woldemar Winkler. Aquarelle, Zeichnungen, Bilder, Collagen | Galerie Brusberg, Hannover 1966
  • Rétrospective Woldemar Winkler | Galerie Chave, Vence/FR 1976
  • Woldemar Winkler | Galerie Hachmeister und Schnake, Münster 1980
  • Woldemar Winkler: Bilder, Collagen, Zeichnungen, 1920–1980 | Galerie Christoph Dürr, München 1980, ISBN 3923644175
  • Woldemar Winkler: 1902–1982 | (zum 8o. Geburtstag) Kunstmuseum Bochum, Haus Kemnade, Bochum 1982, ISBN 3809300748
  • Woldemar Winkler: Florenz – Dresden und andere Folgen | Karl Ernst Osthaus Museum Hagen 1986
  • Woldemar Winkler, Zeichnungen, Gemälde und Graphik | Staatliche Kunstsammlungen Dresden 1987, ISBN 3923644175
  • Woldemar Winkler: Plastiken | Museum Abtei Liesborn, Warendorf 1987 * Woldemar Winkler: Zeichnungen, Gemälde, Bildwerke | Städtische Galerie, Albstadt 1987, 1995, ISBN 3923644604
  • Schellhase, Frieder/Becker, Heribert: Woldemar Winkler | Edition Nautilus, Hamburg 1990, ISBN 3894011807
  • Lebensspuren (zum 90. Geburtstag) | Galerie Rähnitzgasse, Dresden 1992
  • Becker, H. (Hg.): Woldemar Winkler, die Gütersloher Zeit | Flöttmann Verlag, Gütersloh 1992,  ISBN 3872310577
  • Woldemar Winkler. Das graphische Werk | Wienand Verlag, Köln 1997, ISBN 3879095604
  • Barck, Maximilian (Hg.): Die Leidenschaft ist die Vernunft | (Künstlerbuch mit Original-Illustrationen von Winkler, limit. Auflage) Edition Maldoror, Berlin 1998
  • Woldemar Winkler. Ein Lebenswerk | Wienand Verlag, Köln 1999, ISBN 3-87909-658-9
  • Woldemar Winkler. Das plastische Werk | Wienand Verlag, Köln 2002, ISBN 978-3-87909-778-4
  • Woldemar Winkler | Die Galerie, Frankfurt/M. 2002, ISBN 3925782400
  • Woldemar Winkler. Das malerische Werk | Edition Braus, Heidelberg 2004, ISBN 3899041348
  • Woldemar Winkler. Das zeichnerische Werk | Edition Braus, Heidelberg 2007, ISBN 3899042794
  • Woldemar Winkler – Fundstücke des Lebens (1902–2004) | Kunsthalle Jesuitenkirche, Aschaffenburg 2007
  • Woldemar Winkler. Kostenlose Wunder | Städtische Galerie Am Abdinghof, Paderborn 2008
  • Woldemar Winkler. Aus der Vorratskammer der Phantasie | Stadtmuseum Gütersloh 2015
  • Woldemar Winkler: Florentiner Sequenzen | Galerie in der Stadtbücherei St. Lucia Harsewinkel (b. Gütersloh) 2017
  • Woldemar Winkler – Schattenströme | Panorama Museum, Bad Frankenhausen 2017, ISBN 3938049324
  • Woldemar Winkler: Weltenbummler der Fantasie | Rathaus Steinhagen, Steinhagen 2019
  • Woldemar Winkler: Imaginativer Kosmos | Kunsthaus Rietberg / Museum Wilfried Koch, Rietberg b. Gütersloh 2020
  • Woldemar Winkler: Man muss sehen lernen – Retrospektive | Galerie im Forum der Stadthalle Gütersloh 2021
  • Winkler, Woldemar. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 36: Wilhelmy–Zyzywi. E. A. Seemann, Leipzig 1947, S. 68 (biblos.pk.edu.pl).
  • Winkler, Woldemar. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Band 5: V–Z. Nachträge: A–G. E. A. Seemann, Leipzig 1961, S. 147 (Textarchiv – Internet Archive – Leseprobe).
  • Woldemar Winkler. In: Birgit Dalbajewa (Hrsg.): Neue Sachlichkeit in Dresden. Sandstein Verlag, Dresden 2011, ISBN 978-3-942422-57-4, S. 314–315.

Einzelnachweise

  1. Sepp Hiekisch-Picard: Woldemar Winkler und der Surrealismus. In: Woldemar Winkler – Ein Lebenswerk. Wienand, Köln 1999, S. 126.
  2. Landeshauptstadt Dresden erhält über 2000 Gemälde, Grafiken, Fotografien und Dokumente. In: dresden.de. Landeshauptstadt Dresden, 6. Mai 2003, abgerufen am 27. Dezember 2016.
  3. kuenstlerbund.de: Ausstellungsbeteiligungen Winkler, Woldemar (abgerufen am 18. Januar 2016)
  4. Biographie. Woldemar-Winkler-Stiftung, abgerufen am 27. Dezember 2016.
  5. Woldemar-Winkler-Stiftung der Sparkasse verleiht Kunstpreise, abgerufen am 30. April 2025.