Wohnanlage Fischerstraße

Wohnanlage Fischerstraße

Hauptgebäude der Wohnanlage mit dem überhöhten Mittelteil.

Daten
Ort Kaiserslautern
Architekt Hermann Hussong
Baustil Barock, Expressionismus
Baujahr 1922–1927
Koordinaten 49° 26′ 39,5″ N, 7° 46′ 35,8″ O

Die Wohnanlage Fischerstraße ist eine Wohnsiedlung in Kaiserslautern, die von 1922 bis 1927 entstand.[1] Sie steht unter Denkmalschutz.

Lage

Die schlossähnliche Wohnanlage umfasst zwei beiderseits der Fischerstraße gelegene Straßenquartiere und erstreckt sich bis in die Bismarckstraße, Friedrichstraße, Wilhelmstraße und Kanalstraße.

Zum denkmalgeschützten Ensemble gehören die Bauten Fischerstraße 15–37 (ungerade Nummern), 16–28 (gerade Nummern), Bismarckstraße 27, 29, 31, 37 c, Friedrichstraße 13, 15, 17, 19, Kanalstraße 34–46 (gerade Nummern) und Wilhelmstraße 2, 4, 6.

Geschichte

Die Anlage wurde 1919 von dem damaligen städtischen Oberbaudirektor Hermann Hussong nach einem einheitlichen Plan entworfen, bestehende Bebauung ließ jedoch den Ausbau zu einer geschlossenen Anlage nicht zu. Der Komplex wurde durch das Deutsche Reich als Reparationsleistung an Frankreich finanziert und war ursprünglich für die Offiziere und Unteroffiziere der französischen Besatzungsarmee vorgesehen; daher rührt der großbürgerliche Zuschnitt der Wohnungen mit bis zu sieben Zimmern. Als bald nach Baubeginn 1922 jedoch die pfälzischen Separatistenaufstände begannen, verzichteten die Franzosen auf die Anlage. Nach längeren Verhandlungen kamen die halbfertigen Bauten unter der Auflage, sie zu Ende zu bauen, in den Besitz der städtischen Wohnungsbaugesellschaft, eines Vorläufers der Gemeinnützigen Bau AG. Die Bauarbeiten erstreckten sich bis 1927.[2]

Bei der Verbreiterung der Fischerstraße zur Aufmarschstraße wurden 1938 die Erdgeschosswohnungen in den Eckpavillons entfernt und durch Arkaden ersetzt.[3] Nach Beschädigungen während des Zweiten Weltkriegs wurde die Anlage 1950 wieder instand gesetzt; bei der umfassenden Renovierung Mitte der 1990er Jahre wurde der Eingangsbereich im Haupttrakt neu gestaltet. Seither ist in diesem Gebäudeteil die Verwaltung der Bau AG untergebracht, der Rest der Anlage bietet begehrte Großwohnungen.

Charakteristika

Die Anlage besteht aus zwei- bis viergeschossigen Putzbauten, die sich nördlich und südlich der Fischerstraße um zwei große Innenhöfe gruppieren. Der Hauptbau, ein viergeschossiger Trakt mit Mittelrisalit und Dreiecksgiebel, schließt mit zwei weit geöffneten, dreigeschossigen Flügeln einen trapezförmigen Hof zur Fischerstraße ein, der südlich der Straße durch einen korrespondierenden zweistöckigen Querbau mit Eckpavillons begrenzt wird. Die Fassadengestaltung zitiert barocke Herrschaftsarchitektur – erkennbar ist der Einfluss des Zweibrücker Schlosses – mit expressionistisch angehauchter, geschossweise variierter Dekoration.[4] Die von Hussong vorgesehene Farbgebung – Dunkelblau mit mintgrün abgesetzten Fenstergewänden – wurde zwischenzeitlich durch eine dezentere Farbe ersetzt. Die schiefergedeckten Dächer sind teils als Walmdach, teils in Mansardform ausgeführt. Der Haupttrakt war durch einen hölzernen Dachreiter – im Volksmund „Maggiflasche“ genannt – geschmückt, der 1939 als „entartet“ entfernt wurde.[5]

Trotz einiger Veränderungen gehört die Anlage mit ihrem baukünstlerischen Anspruch – beispielsweise expressionistisch anmutende Stuckdecken und Türschmuck – und ihrer städtebaulichen Qualität zu den überregional bedeutenden Beispielen der Architektur der 1920er-Jahre.

Literatur

Commons: Wohnanlage Fischerstraße – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. UMV1177 : Kaiserslautern, Wohnanlage Fischerstraße. In: geo-en.hlipp.de. 29. November 2025, abgerufen am 29. November 2025.
  2. Kaiserslautern: Wohnbauten Fischerstraße. In: pirmasens-land.de. 29. November 2025, abgerufen am 29. November 2025.
  3. Die Arkaden in der Fischerstraße: Zuschauerplätze für Nazi-Paraden. In: rheinpfalz.de. 15. August 2024, abgerufen am 29. November 2025.
  4. Hussonggebäude in Kaiserslautern. In: westpfalz.wiki. 6. August 2024, abgerufen am 29. November 2025.
  5. 100 Jahre Bau AG: Die Wohnanlage in der Fischerstraße. In: rheinpfalz.de. 8. August 2021, abgerufen am 29. November 2025.