Woeste Hoeve
Woeste Hoeve (; deutsch „wüstes“ oder „ödes Gehöft“; also: „Einödhof“) ist ein Gehöft bei Apeldoorn. Im März 1945, kurz vor Ende der deutschen Besetzung der Niederlande (1940–1945), wurden nach einer missglückten Operation niederländische Widerstandskämpfer hier 117 Menschen durch die deutschen Besatzer erschossen.
Ereignisse im März 1945
In der Zeit des Hongerwinter („Hungerwinter“) 1944/45 in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges herrschte große Not und viele Menschen verhungerten. Niederländische Widerstandskämpfer versuchten, der Bevölkerung zu helfen und Nahrungsmittel zu beschaffen. Sie hatten herausgefunden, dass die Wehrmacht am 7. März 1945 drei Tonnen Fleisch in einem Schlachthof in Epe, etwa 15 km nördlich von Apeldoorn, zusammenstellen würde. Einige Kämpfer wurden beauftragt, hiervon Nahrung zu beschaffen. Sie tarnten sich mit deutschen Uniformen und beschlossen, den für den Transport nötigen Lastwagen von der Wehrmacht zu erbeuten. Dazu versteckten sie sich in der Nähe des am Rijksweg 50 zwischen Apeldoorn und Arnheim einsam gelegenen Gehöfts.
Als sich ein Kraftfahrzeug mit schwerem Motor näherte, hielten sie es an. Überraschenderweise war es nicht der ersehnte Wehrmachts-Lkw, sondern ein schwerer Pkw mit drei Insassen. Es entbrannte ein Feuergefecht, in dem ein deutscher Offizier und der Fahrer des Wagens getötet wurde. Ein weiterer Offizier lag leblos und blutüberströmt auf dem Boden. Im Dunkeln übersahen die Widerstandskämpfer, dass dieser noch lebte und sich tot stellte. Es handelte sich um den SS‑Obergruppenführer Hanns Albin Rauter (1895–1949), General der Polizei und Waffen‑SS sowie Höherer SS- und Polizeiführer (HSSPF) der besetzten Niederlande.
Rauter wurde später gefunden und in ein Krankenhaus gebracht. Irrtümlich vermutete man einen Attentatsversuch auf ihn. Sein Stellvertreter SS‑Brigadeführer Karl Eberhard Schöngarth verfügte als „Vergeltungsmaßnahme“ die sofortige Exekution von 300 „Todeskandidaten“. Es wurden Gefangene aus unterschiedlichen Gefängnissen zusammengetrieben und an mehreren Orten zur Erschießung geführt. Bei Woeste Hoeve waren es 117 Personen, unter ihnen der niederländische Widerstandskämpfer Jan Thijssen. Sie wurden in Gruppen von jeweils zwanzig Personen durch ein fünfzig Mann starkes Erschießungskommando im Abstand von fünf Minuten erschossen.[1][2]
Nachkriegszeit
Am Ort der Erschießung, gut hundert Meter südlich des Gehöfts, wurde später eine Gedenkstätte errichtet. Im Gehöft befindet sich heute ein Restaurant.
Weblinks
- Stiftung Monument Woeste Hoeve (niederländisch)
- Drenthe in de oorlog „Die Provinz Drenthe im Krieg.“ Hintergrundberichte (niederländisch) und Fotos.
- Bekanntmachung der Erschießung
- Foto des Autos
Einzelnachweise
- ↑ Stiftung Monument Woeste Hoeve (niederländisch), abgerufen am 22. März 2019.
- ↑ Woeste Hoeve bei spannendegeschichte.com, abgerufen am 22. März 2019.
Koordinaten: 52° 6′ 18″ N, 5° 57′ 5″ O