Wo!man

Wo!man
Studioalbum von Archie Shepp & Joachim Kühn

Veröffent-
lichung

2011

Aufnahme

15./16. November 2010

Label(s) Archieball/Harmonia Mundi

Format(e)

CD, 2LP, Download

Genre(s)

Jazz

Titel (Anzahl)

8

Länge

1:06:31

Besetzung

Studio(s)

Studio de Meudon

Chronologie
Archie Shepp: Phat Jam in Milano
(2009)
Wo!man Archie Shepp, Attica Blues Orchestra: I Hear the Sound
(2013)

Wo!man ist ein Musikalbum von Archie Shepp und Joachim Kühn. Die am 15. und 16. November 2010 in Meudon entstandenen Aufnahmen erschienen 2011 auf Shepps Label Archieball im Vertrieb von Harmonia Mundi.

Hintergrund

Im Sommer 2009, ein Jahr vor der Aufnahme, spielten Archie Shepp und Joachim Kühn beim Festival Jazz à Porquerolles zusammen,[1] was der Grundstein für ihr Duoalbum war.[2] Das Duo improvisierte auf Wo!man über Eigenkompositionen und Standards wie „Harlem Nocturne“ und Ornette ColemansLonely Woman“.

Titelliste

  • Archie Shepp & Joachim Kühn: Wo!man (Archie Ball ARCH 1102)[3]
  1. Transmitting (Joachim Kühn) 9:49
  2. Nina (Archie Shepp) 6:40
  3. Drivin’ Miss Daisy (Archie Shepp) 4:32
  4. Sketch (Archie Shepp, Joachim Kühn) 10:23
  5. Harlem Nocturne (Dick Rogers, Earle Hagen) 8:03
  6. Lonely Woman (Ornette Coleman) 10:08
  7. Segue (Archie Shepp, Joachim Kühn) 6:24
  8. Sophisticated Lady (Duke Ellington) 10:32

Rezeption

Beide hätten über die Jahre bewiesen, wie intuitiv sie sich auf mehr oder weniger zufällige Gegenüber einlassen können, schrieb Uli Lemke (Jazz thing). Sie würden in ihren Improvisationen über Standards wie „Harlem Nocturne“ und Ornette Colemans „Lonely Woman“ eine melancholische Note verleihen, durch das ausgedehnte „Sophisticated Lady“ mit wunderbar abgeklärtem Touch streifen. Archies fragiles „Nina“ und Kühns „Transmitting“, das mit seiner hypnotischen Sufi-Note ein nahezu andalusisches Flair atme, würden zu den Höhepunkten dieses Aufeinandertreffens zählen.[2]

Den amerikanischen Saxophonisten Archie Shepp und den deutschen Pianisten Joachim Kühn würde die Verehrung John Coltranes verbinden, in einer Zeit, in der Kühn zu den wenigen Europäern gehörte, die nach New York gingen und sich von der Energie des „New Thing“ oder der Avantgarde inspirieren ließen, schrieb Kevin Le Gendre in der BBC. Eine weitere Gemeinsamkeit sei die Häufigkeit von Duetten in der Diskografie beider Musiker. Wenn diese Saxophon-Klavier-Session also ein auffälliges Gefühl der Selbstsicherheit vermittle, das Gefühl, dass sich beide Männer in der exponierten und anspruchsvollen Situation wohlfühlen, in der es keinen Schlagzeuger gibt, der eine Vielzahl von Fehlern kaschieren könnte, dann liege das daran, dass sie in diesem Bereich bestens geschult sind.[4]

Das Maß, die Proportion, die sorgfältige Betonung würden im Eröffnungsstück „Transmitting“ kühn verkündet, einer majestätischen Eigenkomposition von Kühn, die auf einem sinnlich fließenden Moll-Thema basiere, so Le Gendre weiter. Beide Musiker würden es mit Elan spielen, aber nicht mit übertriebener Kraft, wobei die letzten beiden Töne mit trockener, zurückhaltender Intonation erklingen. Im weiteren Verlauf des Sets entwickle sich daraus ein ausgeprägterer Swing, den beide Musiker mit absoluter Souveränität interpretieren, insbesondere im Old-School-Rhythm-&-Blues von Earle Hagen und Dick Rogers’ „Harlem Nocturne“, wo sie den Beat eher zu einem gemächlichen als zu einem treibenden Rhythmus verlagern. Diese subtile, aber dennoch sinnliche rhythmische Aktivität unterstreiche die Romantik der Aufführung, die in Stücken wie „Nina“, einer beschwingten, fröhlichen Hommage an Nina Simone, einen sonnigen, festlichen Charakter erhalte, während das unruhigere „Sketch“ einen dunkleren Ton anschlage. Gelegentlich würden Shepps Noten à la Ben Webster verschmelzen, während Kühns sich zu strengeren, klassisch anmutenden Kadenzen verfestigen.[4]

Die tiefe Verbundenheit zwischen ihnen sei sofort spürbar, aber auch die Unterschiede, schrieb Ivan Hewett (The Telegraph). Kühns natürlicher Ton sei sowohl als Pianist als auch als Komponist von fesselnder Dunkelheit. Er verfolge eine melodische Idee konzentriert und interessiere sich wenig für leuchtende Farben oder virtuose Pedalarbeit. Shepp würde eher zu klaren Arabesken tendieren, und sein schöner, rauchiger Ton sei ebenso unverwechselbar wie Kühns drahtige Energie. Shepps Kompositionen, wie zum Beispiel „Nina“, durchzögen Kühns europäische Ernsthaftigkeit mit einem lässigen amerikanischen Swing. Sie ergänzen sich perfekt, und genau so solle es sein.[5]

Einzelnachweise

  1. Archie Shepp and Joachim Kühn performing in Festival Jazz à Porquerolles 2009. In: dailymotion.com. 2010, abgerufen am 5. November 2025 (englisch).
  2. a b Uli Lemke: Archie Shepp & Joachim Kühn: Wo!man. In: Jazz thing. 3. Oktober 2011, abgerufen am 5. November 2025.
  3. Archie Shepp & Joachim Kühn: Wo!Man. In: Discogs. Abgerufen am 1. November 2025 (englisch).
  4. a b Kevin Le Gendre: Archie Shepp & Joachim Kühn Wo!Man Review. In: BBC. 2011, abgerufen am 4. November 2025 (englisch).
  5. Ivan Hewett: Archie Shepp & Joachim Kühn: Wo!Man, CD review. In: Telegraph. 29. Juni 2011, abgerufen am 4. November 2025 (englisch).