Wladimir Naumowitsch Bill-Belozerkowski

Wladimir Naumowitsch Bill-Belozerkowski, auch Wladimir Bill-Belozerkowski, Wladimir N. Bill-Belozerkowski, Bill-Bjelozerkowski, Vladimir Naumovič Belocerkovskij (russisch Владимир Наумович Билль-Белоцерковский; geboren am 28. Dezember 1884 in Oleksandrija; gestorben am 1. März 1970 in Moskau) war ein jüdischer sowjetischer Dramatiker. Er gilt als einer der Begründer des sowjetischen Dramas.

Leben und Wirken

Wladimir Naumowitsch Belozerkowski wurde als Sohn jüdischer Eltern in Oleksandrija (Russisches Kaiserreich, heute: Ukraine) geboren. Er besuchte den Cheder, verließ mit ungefähr 16 Jahren sein Elternhaus, um als Seemann auf russischen und britischen Handelsschiffen anzuheuern, und verbrachte rund acht Jahre auf See. Von 1911 bis 1917 lebte Bill-Belozerkowski in den USA, wo er u. a. als Fensterputzer in New York City und als Erntehelfer arbeitete. Aus seiner Zeit in den USA stammt auch der Spitzname „Bill“, den Belozerkowski nach seiner Rückkehr als Pseudonym seinem Nachnamen hinzufügte.[1][2]

Nach der Februarrevolution 1917 kehrte Bill-Belozerkowski zurück nach Russland. Er schloss sich der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (Bolschewiki) an und nahm an den Kämpfen um Moskau während der Oktoberrevolution teil. Während des Russischen Bürgerkriegs leitete er das Stadtparteikomitee von Simbirsk (heute: Uljanowsk).[3]

Ab 1920 veröffentlichte Bill-Belozerkowski erste literarische Werke: zunächst Kurzgeschichten und Agitprop-Stücke. Ab 1921 war er Mitglied des Proletkult, ab 1929 des Volkskommissariat für Bildung der RSFSR und hatte dadurch starken Einfluss auf die ästhetische und politische Ausrichtung der sowjetischen Dramatik.[1] Sein großer Durchbruch gelang ihm mit dem Revolutionsstück Sturm, das 1925 im Mossowjet-Theater uraufgeführt wurde. Wolfgang Langhoff inszenierte 1957 die deutsche Erstaufführung von am Deutschen Theater Berlin. 1967 wurden anlässlich des 50. Jubiläums der Russischen Revolution an mehreren Theatern in der DDR Stücke von Bill-Belozerkowski inszeniert.

Bill-Belozerkowskis Sohn ist der Journalist und Menschenrechtler Vadim Belozerkowski (1928–2017).

Werke

  • 1920: Смех сквозь слезы (Lachen durch Tränen, Kurzgeschichten)
  • 1920: Бифштекс с кровью (Blutiges Beefsteak)
  • 1922: Эхо (Echo)
  • 1924: Sturm, deutsche Übersetzung von Kurt Seeger, Leipzig: Reclam, 1959; auch erschienen in: Helmut Baierl (Hrsg.), Revolutionsstücke, Berlin: Henschelverlag, 1967.
  • 1926: Стиль (Stille)
  • 1926: Лево руля (Linkshänder)
  • 1927: Луна слева (Mond von links)
  • 1929: Голос недр (Stimme aus der Tiefe)
  • 1934: Жизнь зовёт (Das Leben ruft)
  • 1948: Цвет кожи (Hautfarbe)
  • Drei Beefsteaks mit Beilage (Erzählungen), deutsche Übersetzung von Horst Wolf, Berlin: SWA-Verlag, 1948.

Deutsche Inszenierungen

Einzelnachweise

  1. a b Sarah Stanton, Martin Banham: Cambridge paperback guide to theatre. Cambridge University Press, Cambridge ; New York, NY, USA 1996, ISBN 978-0-521-44654-9, S. 35.
  2. Adrian Room: Dictionary of pseudonyms: 13,000 assumed names and their origins. 5th ed Auflage. McFarland & Co, Jefferson, NC 2010, ISBN 978-0-7864-5763-2, S. 61.
  3. Autor des "Sturm". In: Neue Zeit. Berlin 8. März 1970, S. 4.
  4. Programmzettel und Einladung zu "Mond von links" am bat-Studiotheater 1967 :: Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin :: museum-digital:berlin. Archiviert vom Original am 20. Februar 2025; abgerufen am 20. Dezember 2025 (englisch).
  5. Theaterzettel: Der Sturm 1919 - Sign. 2713. In: theaterzettel-weimar.de. Landesarchiv Thüringen - Hauptstaatsarchiv Weimar, abgerufen am 20. Dezember 2025.