Wladimir Czumikow
Wladimir Czumikow (* 13. Apriljul. / 25. April 1871greg. in Helsinki, Großfürstentum Finnland, Russisches Kaiserreich; † 2. Dezember 1943 in Schwetz, Reichsgau Danzig-Westpreußen) war ein russischer Übersetzer, Beamter und Buchhändler in Russland und Estland.
Leben und Wirken
Wladimir Czumikow stammte aus einer russischen Familie, die in Livland lebte. Sein Vater Alexander Czumikow (1819–1902) war ein anerkannter Pädagoge und Staatsrat in Reval. Wladimir Czumikow besuchte das Livländische Landesgymnasium in Fellin seit 1885 und danach das Gymnasium in Dorpat.[1] Anschließend studierte er in St. Petersburg, Strassburg (1896/97)[2], München, Leipzig (1899) und Grenoble. In dieser Zeit übersetzte er einige Werke russischer Schriftsteller in das Deutsche.
Danach kehrte er nach Reval zurück und war dort als Redakteur einer Zeitschrift tätig. Anschließend wurde er Beamter im Außenministerium in St. Petersburg.[3] 1917 zog Wladimir Czumikow in den Kaukasus, 1918 nach Kiew und danach nach Deutschland. 1919 kehrte er nach der estnischen Unabhängigkeit nach Tallinn (Reval) zurück, und eröffnete danach in Tartu (Dorpat) ein Geschäft für russische Literatur. Später zog er nach Deutschland und starb 1943 im besetzten westlichen Polen im Alter von 72 Jahren.
Übersetzungen
Wladimir Czumikow übersetzte zehn Werke von Leo Tolstoi und Anton Tschechow, die in vielen Auflagen in verschiedenen Verlagen bis in die Gegenwart herausgegeben wurden.[4] Außerdem veröffentlichte er einige kleinere Übersetzungen in den Zeitschriften Jugend, Simplicissimus, Die Neue Zeit und Zukunft.[5]
- Lew Tolstoi
- Ein Präludium Chopins, Malcomes, Stuttgart 1898 (Digitalisat)
- Auferstehung, Diederichs, Leipzig 1899 (Digitalisat)
- Patriotismus und Regierung, Diederichs, Leipzig 1900 (Digitalisat)[6]
- Moderne Sklaven, Diederichs, Leipzig 1901
- Aufruf an die Menschheit, Diederichs, Leipzig 1901
- Anton Tschechow
- Starker Tobak und andere Novellen, Langen, München 1898
- Gesamnelte Werke, 4 Bände, Einzige autorisierte Übersetzung, Diederichs, Leipzig
- Ein bekannter Herr. Humoristische Geschichten, 1900 (Digitalisat)
- Ein skandalöses Kunstwerk, 1901
- Dramen, 1902 (mit Die Möwe und Onkel Wanja)
- Die Bauern, 1902
- Nikolai Nekrassow
- Frühling, Kantate von Sergej Rachmaninoff, 1903, Text umgedichtet von Wladimir Czumikow
Weblinks
- Wladimir Czumikow Russkaja Estonia (russisch), mit biographischen Angaben
- Literatur von und über Wladimir Czumikow im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Literatur von Wladimir Czumikow Deutsches Literaturarchiv Marbach
- Wladimir Czumikow. In: Deutsche Biographie (Index-Eintrag).
- Suche nach Wladimir Czumikow. In: Deutsche Digitale Bibliothek
Einzelnachweise
- ↑ Einladungs-Ptogramm zum am 20. Dezember 1886 im Livländischen Landesgymnasium zu Fellin stattfindenden festlichen Redeakt, Fellin 1886, S. 56; Jahresprogramm des Gymnasiums mit Angaben zu allen Schülern
- ↑ Amtliches Verzeichnis des Personals und der Studenten der Kaiser-Wilhelms-Universität Strassburg für das Sommer-Halbjahr 1896, Strassburg 1896, S. 24; auch für das Wintersemester 1896/97, S. 24
- ↑ Последние известия (Poslednije iswestija), Tallinn, vom 29. April 1923, S. 2; leicht gekürzt auch in Wladimir Czumikow Russkaja Estonia (russisch), mit biographischen Details zu seinem Leben, wahrscheinlich nach seinen eigenen Angaben
- ↑ Ulf Diederichs, Eugen Diederichs und sein Verlag. Bibliographie und Buchgeschichte 1896–1931, Wallstein, Göttingen 2014, S. 372; mit allen Veröffentlichungen von Wladimir Czumikow bei Diederichs
- ↑ Übersetzungen von Wladimir Czumikow, auch Angaben im Deutschen Literaturarchiv Marbach
- ↑ Martin George et al. (Hrsg.), Tolstoj als theologischer Denker und Kirchenkritiker, V&R, 2015, S. 739; mit Angaben zu den Nachauflagen