Winthrop Chandler

Winthrop Chandler (* 6. April 1747 in Woodstock, Province of Massachusetts Bay; † 9. Juli 1790 in Worcester, Massachusetts) war ein US-amerikanischer Porträtmaler des 18. Jahrhunderts, der überwiegend in Neuengland tätig war.[1][2]

Leben

Winthrop Chandler war der Sohn von Captain William Chandler und Jemima Chandler. Er verbrachte den Großteil seines Lebens in seiner Geburtsstadt Woodstock. Um 1770 begann er, Porträts zu malen, und fertigte Bildnisse seiner Familie und Nachbarn an. Seine Werke zeugen von beachtlichem handwerklichem Können, obwohl es keine Belege für eine formale künstlerische Ausbildung gibt. Laut zeitgenössischen Quellen könnte er zeitweise in Boston gelernt haben, was jedoch nicht nachgewiesen ist. Im Jahr 1772 heiratete er Mary Gleason aus Dudley in Massachusetts, die Tochter von Reverend Charles und Bethiah Gleason. Das Paar lebte in Woodstock und hatte sieben Kinder. Neben seiner Tätigkeit als Porträtmaler arbeitete er auch als Anstreicher, Vergolder und Holzschnitzer, um den Lebensunterhalt der Familie zu sichern. Trotz seiner vielseitigen Fähigkeiten blieb die wirtschaftliche Lage der Familie angespannt.[1]

Im Jahr 1785 zog Winthrop Chandler mit seiner Familie nach Worcester in Massachusetts und eröffnete dort eine Werkstatt als Hausmaler und Vergolder. Der erhoffte wirtschaftliche Erfolg blieb jedoch aus. Nach dem Tod seiner Ehefrau Mary im Jahr 1789 an Tuberkulose geriet die Familie in noch größere Not, sodass die Kinder auf verschiedene Verwandte verteilt wurden. Im Jahr 1790 zog Winthrop Chandler zu seinem Bruder Theophilus nach Thompson in Connecticut. Dort starb er verarmt. Acht Wochen vor seinem Tod übertrug er sein restliches Eigentum den Selectmen von Thompson. Im Gegenzug übernahmen diese seine Pflege und Beerdigung. In seinem Nachruf wurde seine Doppelbegabung als Maler und Botaniker hervorgehoben. Es wurde erwähnt, dass er „viele gute Porträts auf Leinwand“ geschaffen und ein botanisches Manuskript hinterlassen habe, in dem zahlreiche Pflanzen nicht nur zeichnerisch, sondern auch fachkundig beschrieben wurden.[1][2]

Werk

Winthrop Chandler ist vor allem für seine Porträts von Familien aus Neuengland bekannt, darunter Mitglieder seiner eigenen Verwandtschaft sowie lokale Persönlichkeiten. Seine Gemälde zeichnen sich durch einen volkstümlichen, naiven Stil aus. Neben Porträts schuf er auch Landschaftsdarstellungen und allegorische Szenen, die häufig dekorative Elemente enthalten. Erst nach seinem Tod wurden seine Arbeiten in Amerika kunsthistorisch anerkannt. Sie gelten heute als Beispiele der frühen Folk Art. Einige seiner Gemälde befinden sich heute unter anderem in der National Gallery of Art in Washington D. C., im Worcester Art Museum und in der Connecticut Historical Society.[1]

Werke (Auswahl)

Literatur

  • James Thomas Flexner: Winthrop Chandler: An Eighteenth-Century Artisan Painter. In: Magazine of Art. 40 (November 1947): 274-278.
  • Nina Fletcher Little: Winthrop Chandler, Limner of Windham County, Connecticut. In: Art in America. 35 (April 1947): 75-168.
  • Barbara C. Latham: Winthrop Chandler, Painter of the Connecticut Valley. Williams College Museum of Art, Williamstown (MA), 1979
  • Jean Lipman: American Folk Painting. Clarkson N. Potter, New York, 1972.
  • Robert Bishop: Folk Painters of America. E. P. Dutton, New York, 1979.
  • Deborah Chotner, mit Beiträgen von Julie Aronson, Sarah D. Cash, and Laurie Weitzenkorn: American Naive Paintings. The Collections of the National Gallery of Art Systematic Catalogue. Washington, D.C., 1992, S. 63.
Commons: Winthrop Chandler – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. a b c d Portraits at the American Antiquarian Society: An AAS Online Resource. Abgerufen am 14. Oktober 2025.
  2. a b Leslie Landrigan: Winthrop Chandler, Disappointed Limner. In: New England Historical Society. 9. Juli 2014, abgerufen am 14. Oktober 2025 (amerikanisches Englisch).