St.-Johannis-Mühle (Flensburg)
| St.-Johannis-Mühle
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Die St.-Johannis-Mühle mit neuen Flügeln (2025) | ||
| Lage und Geschichte | ||
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| Koordinaten | 54° 46′ 54″ N, 9° 26′ 58″ O
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| Standort | Flensburg-Sandberg | |
| Erbaut | 1808 | |
| Stillgelegt | 1939 | |
| Zustand | Restauriert, nicht betriebsfähig; Wohnnutzung (4 Ferienwohnungen) | |
| Technik | ||
| Nutzung | Getreidemühle
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| Mahlwerk | Entfernt, zuletzt: 5 Mahlgänge: 2 Roggen-, 2 Schälgänge, 1 französischer Stein | |
| Antrieb | Windmühle | |
| Windmühlentyp | Gallerieholländer | |
| Flügelart | Jalousieflügel | |
| Anzahl Flügel | 4 | |
| Nachführung | Windrose | |
| Website | https://www.johannismuehle.de | |
Die ehemals königliche[1] St.-Johannis-Mühle (auch Johannismühle – im Dänischen Sankt Hans Mølle – genannt) ist eine um 1800 erbaute Windmühle in Flensburg. Sie befindet sich auf einer Anhöhe im Flensburger Stadtteil Sandberg im Winkel der Straßen Adelbylund und An der Johannismühle. Der zweistöckige, hölzerne Galerieholländer ist, neben der Bergmühle in der Flensburger Nordstadt, eine der letzten beiden Mühlen in der einst von 24 Wasser- und 30 Windmühlen geprägten Stadt.
Ihr Name stammt vom Stadtviertel St. Johannis, dessen Johannis Lücken direkt an das Grundstück grenzten.[2][3] In verschiedenen Beschreibungen ist die Mühle auch Sünderup oder Adelbylund zugeordnet, während sie auf alten Fotografien und Ansichtskarten auch als Adelbyer Mühle oder Mühle Adelby benannt wurde.
Das Mühlengewese
Die Mühlenanlage besteht aus einem Mühlenturm, dem Müllerwohnhaus und zwei Wirtschaftsgebäuden, die gemeinsam einen Dreiflügelhof um einen kopfsteingepflasterten Mühlenhof bilden. Das einst etwa 3.000 m² große Grundstück mit Garten[4] lag zur Errichtungszeit bei den Grenzsteinen 5 und 6 unmittelbar vor der Flensburger Stadtgrenze im Kirchspiel Adelby.[5]
Das Grundstück wurde ursprünglich vom Weg nach Husby erschlossen. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte die Adressbezeichnung mehrfach: zunächst Süderhohlweg Nr. 888 (1849), später Nr. 986 (1868), dann Nr. 46 und ab 1881 Kappelner Straße 36. Im Jahr 2001 erhielt die Hofzufahrt die Bezeichnung Zur Johannismühle[6] – mit Hausnummern von der Mühle (Nr. 1) bis zum Müllerhaus (Nr. 6). Die westliche Grenze bildet die 1973 eingeweihte Straße An der Johannismühle.[7]
Die Mühle
Die Mühle (Nr. 1) ist ein achtseitiger, zweistöckiger Galerieholländer ohne gemauertes Fundament. Ihre 17 Meter langen Pfähle bestanden ursprünglich aus skandinavischem Eichenholz und ruhen auf acht Granitsteinen.[8] Der Turm hat einen Durchmesser von 35 Fuß (ca. 11,0 m), der sich bis zum obersten festen Geschoss auf 13 ½ Fuß (ca. 4,2 m) verjüngt; die Höhe bis unter das oberste Tafelwerk beträgt 50 ½ Fuß (ca. 15,8 m). Der untere Turmteil war holzverschalt und oberhalb der Galerie mit Eichenschindeln eingedeckt[9]. Im Inneren gab es drei Mahlwerke („Gänge“), Gerätschaften für die Mehlherstellung, Lager- und Transporträume für Getreide sowie das Flügelrad, das das Mahlwerk per Windkraft antrieb.
Ihr Flügelrad mit vier Segelflügeln aus Föhrenholz (Ruthenlänge je 80 Fuß, ca. 25,1 m) saß ursprünglich auf einer hölzernen Welle (Vierkant 30 Zoll, ca. 78 cm), die später durch eine Stahwelle ersetzt wurde. Das Stirnrad hatte einen Durchmesser von 11 Fuß (ca. 3,5 m). Die Drehkraft übertrug ein hölzernes Kammrad (9 ¾ Fuß, ca. 3,1 m) auf eine aufrechte Welle aus Föhrenholz (17×15 Zoll, ca. 44 × 39 cm) mit einem Stirnrad (11 Fuß, ca. 3,5 m). Das Flügelrad war in etwa 17 Metern Höhe an einer auf Schmierklötzen gelagerten, drehbaren „Kappe“ (ca. 12 Tonnen)[10] montiert und so konstruiert, dass der Flügelkopf mit einem Steert in den Wind gedreht werden konnte. Auf der Rückseite der Kappe befanden sich drei mit Glasscheiben verschlossene Luken. Das Stirnbrett war mit dem in Frakturschrift geschriebene Name St. Johannis-Mühle verziert.[11]
Das Kroygetriebe im Durchmesser von 4 ½ Fuß (ca. 1,4 m) bestand aus einem aufstehenden Spill, einer Schneckenschraube, einem eisernen Dreher und einer Bindekette.[12] Die umlaufende Galerie ruhte auf mindestens 25 hölzernen Stützbalken, die in etwa 1,6 Meter über dem Terrassenplateau in die Außenhaut des Turms eingelassen waren.
Technische Verbesserungen
Im Zuge einer Erweiterung der Mühle wurden die Mahlgänge auf fünf ausgebaut: zwei Roggengänge, zwei Schälgänge und einen französischen Stein, ergänzt durch eine Beutelkiste, in der das gemahlene Getreide gesiebt und abgefüllt werden konnte.
In einer weiteren Modernisierung erhielt die Mühle eine automatische Kappennachführung. Eine sogenannte Windrose, ein querstehendes Windrad am hinteren Ende der Kappe, sorgte dafür, dass das Flügelrad stets in die richtige Windrichtung ausgerichtet wurde. Durch diese Mechanisierung entfiel die händische Nachführung der Kappe seitens des Müllers, der sie zuvor mit Hilfe von Joch und Steert von der Galerie aus ausrichten musste. Eine letzte technische Verbesserung auf der Johannismühle war der Austausch der Segelflügel gegen Jalousieflügel, was die Arbeit zusätzlich erleichterte.
Die letzte technische Ausstattung bestand aus einem Schrotgang, einem Futterschrotgang aus Kunststein sowie einem Mehl- und Feinschrotgang, dessen französischer Stein aus einzelnen Stücken zusammengesetzt war. Ergänzend dazu kamen ein Motorgang für Schrot, eine Schälmaschine für Graupen und eine bis zum Jahr 1900 genutzte Haferquetsche.[2]
Verfall
Nach wiederholten Flügelbrüchen folgte die Stillegung des Windmühlenantriebs und ihr Verfall setzte ein. Um das Außenbild der Mühle zu erhalten, wurden die Flügel durch Attrappen ersetzt. Mit der Außerbetriebnahme des Windantriebs ging jedoch ein großer Teil der technischen Ausstattung verloren[13], wobei ein Teil der Technik später in der Bergmühle Verwendung fand.[14]
In der Folgezeit verzögerten Restaurierungsarbeiten im Inneren, an den Flügeln sowie die Reparatur der Windrose zeitweise den weiteren Niedergang.[15] Um 1969 war die Kappe mit großformatigen Blechen eingedeckt und trug auf dem Kappendach einen mehrere Meter langen und zu drei Seiten abgespannten Blitzableiterstab.[16]
Trotz dieser Maßnahmen ließ sich die Zerstörung nicht aufhalten. Die fehlende Standsicherheit erzwang schließlich den Abriss der Galerie, und die fortschreitende Bauschädigung machte die Demontage der Kappe erforderlich, wobei auch die im Mühlengarten abgelegten Flügelattrappen verloren gingen.[17] Ein erneuter Restaurierungsversuch scheiterte, sodass die dabei zwischenzeitlich neu installierte (gebrauchte) Mühlentechnik nach kurzer Zeit erneut demontiert wurde.[18][19]
Neuaufbau und Ausstattung
Ab 2021 begann die Planung zur umfassenden Sanierung der bis dahin stark verwitterten Mühle. Das Bauwerk wurde von Grund auf erneuert, sodass im Inneren vier Wohneinheiten für Feriengäste entstanden.[20]
Die vollmöblierten Ferienapartments sind unter anderem mit Fußbodenheizung, Einbauküchen und Duschbädern ausgestattet. Zwei der Apartments verfügen über 40 m² Wohnfläche und eine 25 m² große Außenterrasse, während die beiden anderen jeweils 80 m² Wohnfläche auf zwei Etagen sowie eine 80 m² große Terrasse auf der Galerie bieten.[21] Bei der Sanierung wurde besonderer Wert auf Brandschutz, Statik und Denkmalschutz gelegt, während gleichzeitig alle noch erhaltenen Merkmale der verschiedenen Mühlentechnologien bewahrt wurden – insbesondere die Kappe, der Mühlenturm und die einzigartige Tragstruktur.[13] Dennoch wurden im Inneren rund 80 Prozent der Balken erneuert.
Äußere Instandsetzung
Der untere Bereich der Mühle besitzt nun einen umlaufenden gemauerten Sockel aus gelben Klinkersteinen, während der darüberliegende Teil mit Lärchenholz beplankt ist. Die neue Galerie wird von acht im Terrassenplateau verankerten Stützen getragen. Die ehemals mit Eichenholzschindeln gedeckte Turmbekleidung wurde durch halbrunde, graue Bitumenschindeln (Biberschindeln) ersetzt. Die restaurierte Kappe (ca. 15 Tonnen) verfügt nun an der Vorder- und Rückseite jeweils über zwei Sprossenfenster. Das Dach ist schuppenartig mit kleinen, auf der Ecke stehenden viereckigen Zinkblechen gedeckt. An der Front prangt erneut ein Schild mit der Aufschrift St. Johannis Mühle, darunter die Jahreszahlen *1808 und **2025.[22]
Um eine Beeinträchtigung der Nachbarschaft durch den Schlagschattenwurf der Flügel auszuschließen, wurde die Kappe durch ein Bartbrett festgesetzt, sodass eine Rotation der Mühlenkappe nur eingeschränkt möglich ist.
Das Müllerwohnhaus
An der Westseite der Mühle befindet sich das eingeschossige Müllerwohnhaus (Nr. 6), ein geschlämmtes Backsteingebäude mit einem leicht geschweiften Satteldach und großen Sprossenfenstern. Die Hauptansicht liegt nach Norden zur Straße hin und wird durch ein markantes stichbogiges Portal geprägt, in dem sich eine zweiflügelige Haustür in klassizistischen Formen mit geriefeltem Rahmen und kunstvoll gearbeiteten Füllungen befindet. Ein fein versprosstes Oberlicht vervollständigt die Eingangsgestaltung.
Im Inneren sind neben den klassizistischen Füllungstüren und den hölzernen Decken die ursprüngliche Raumstruktur erhalten geblieben.[16]
Die Wirtschaftsgebäude
Die L-förmig angeordneten Wirtschaftsgebäude (Nr. 2–5) grenzen an das Müllerwohnhaus und umschließen den kleinen, kopfsteinpflasterten Mühlenhof. Der gegenüberliegende Gebäudeflügel besteht teilweise aus Fachwerk und umfasst den ursprünglichen Speicher, der nach Osten durch einen Halbwalmgiebel abgeschlossen wird. Dieser verfügt über ein großes Tor zum Hof, über dem sich ein hölzerner Windenerker mit Ladeluke befindet.
Im westlichen Abschnitt führen weitere Großtore sowohl zum Hof als auch zur Straße und ermöglichen eine Durchfahrt. Daneben liegt der Wohnteil, der durch einen Flügel direkt mit dem Müllerhaus verbunden ist.[16] Die Gebäude sind insgesamt in fünf Wohneinheiten zur Wohnnutzung aufgeteilt. Auf historischen Karten ist der südöstliche Teil der Hofanlage als ein eigenständiges, leicht zurückgestelltes Gebäude verzeichnet.[5][23]
Geschichte
Entstehung
Um das Jahr 1800 errichteten die drei Pächter des königlichen Mühlenweses – Klostervorsteher Ricklef Ingwersen († 1812), Makler Andreas Boysen sowie der Kaufmann und deputierte Bürger Hans Petersen Schmidt – die St.-Johannis-Mühle als königliche Kornmühle.[2][24]
Hintergrund und Mühlenzwang
Da in der Stadt zu jener Zeit noch der Mühlenzwang herrschte und die bereits 1790 von ihnen gepachtete königliche Wassermühle[24] das wachsende Mahlaufkommen kaum noch bewältigen konnte, entstanden zu ihrer Entlastung drei zusätzliche Kornwindmühlen. Die St.-Johannis-Mühle wurde – nach der St.-Marien-Mühle (1791)[25] und der Bergmühle (1792) – als letzte dieser drei errichtet.[1]
Diese drei Mühlen wurden als Eigentumsmühlen unter königlicher Pachtvergabe betrieben. Die St.-Johannis-Mühle wurde mit königlicher Bewilligung errichtet und war somit in den bis 1854 geltenden Mühlenzwang einbezogen. Da diese sogenannten „fiskalischen Mühlen“ jedoch auf eigene Kosten erbaut wurden, sicherte das Grundbuch den Erbauern ein Eigentumsrecht.[26]
Kontroverse um das Baujahr
Zum exakten Baujahr der Johannismühle lassen sich widersprüchliche Angaben finden. Häufig gilt 1808 – von Pöge genannt – als Baujahr oder der Inbetriebnahme.[12][25][27] Diese Zahl ziert nach der Restaurierung 2025 auch die Mühlenkappe. Andere Quellen nennen 1793[4][28], während weitere – darunter einige amtliche Publikationen – den Zeitraum lediglich als um 1800 angeben.[11][16]
Chronik
Um 1800 wurde die St. Johannismühle erbaut. 1813 erfolgte die Erneuerung der Verpachtung an die Eigentümer[1], und ein Jahr später eine Verlängerung der Pacht um 21 Jahre. Der Pachtzins für alle vier Mühlen betrug in den ersten 20 Jahren 5.800 Reichstaler Schilling Hamburger Current.[29]
Ca. 1825 musste die hölzerne Welle aufgrund von Verschleiß ersetzt werden. Die Eisengießerei Jepsen in Flensburg fertigte eine neue Stahlwelle für das Flügelrad an.[30]
1835 ging die Mühle in den Besitz der Landesherrschaft über. Im Dezember 1839 erhielt Kanzleirath H. P. Schmidt die Konzession zum Anlegen und Betreiben eines vierten Mahlgangs zur Grütz- und Graupenherstellung.
Mit der Aufhebung des Mühlenzwangs 1854 endete die verpflichtende Nutzung der landesherrlichen Mühlen.[1] 1859 verfügte die Johannismühle bereits über fünf Mahlgänge: zwei Roggengänge, zwei Schälgänge, einen französischen Stein sowie eine Beutelkiste.
1868 wurde Peter Petersen als Eigentümer genannt. Ein Jahr später erwarb Johann Ringe aus Ekensund die Mühle für 10.150 Reichstaler.[31]
1900
Um 1908 trat Christian S. Sahl als Nachfolger[31] an und ergänzte die Mühle um eine Windrose. 1910 erhielt sie eine Fernsprechverbindung mit der Nummer 663. Während des Ersten Weltkriegs vermahlte die Mühle Erbswurst, Grieß, Reis, Buchweizen und Kaffee für das Heer; in dieser Zeit brachen sämtliche Flügel.[2]
Im Oktober 1922 erwarb Wilhelm Bremer – später auch Eigentümer der Bergmühle – die Anlage gemeinsam mit seinem Schwager Hugo Christiansen[27] für 1.500.000 Reichsmark Inflationsgeld.[2] Nach ihrem Konkurs übernahm die Stadt Flensburg die Mühle 1927 und verpachtete sie an Johann Nissen (*1.5.1889; †12.10.1966), der neue Segel anfertigen ließ, da seine Vorgänger sie nur noch mit Motorkraft betrieben hatten. 1936 verlor die Mühle erneut alle vier Flügel. Drei Jahre später führte ein Blitzeinschlag[32] zu einem weiteren Flügelbruch, der den Stillstand und das Ende des Windbetriebs einleitete. Die Flensburger Nachrichten berichteten 1939 über zwei schwere Gewitterstürme (23.4. und 16.7.), die große Schäden in der Umgebung verursachten.
1952 endete Nissens Pacht; 1953 wurden die Flügel demontiert, später durch Eisenruten als Attrappen ersetzt. 1954 beschädigte ein Sturm im Frühjahr erneut die Flügel, die im September wieder repariert wurden.[33] Von 1954 bis 1964 pachtete Walter Henningsen die Mühle; in dieser Zeit ging viel technische Ausstattung verloren, darunter die Königswelle, die als Brennholz endete. Ihm folgte Karl Thomsen, der jedoch kein gelernter Müller war.[2]
1967 behandelte man bei Sanierungsarbeiten die inneren Balken mit später als gesundheitsschädlich eingestuften Holzschutzmitteln.[2][34] 1971 nahm man die Mühlenanlage in die Landesdenkmalliste auf. Am 6. Mai 1976 beschloss die Stadt Flensburg den Verkauf an die Wohnungsbau Flensburg GmbH und rechnete mit 80.000 DM Instandsetzungskosten.[4]
1998 verkaufte die Wohnungsbau Flensburg GmbH die Johannismühle an den Schleswiger Unternehmensberater Johannes Jessen unter der Auflage, das denkmalgeschützte Anwesen vollständig zu erhalten. Zu diesem Zeitpunkt standen Mühle und Müllerhaus leer, nur eine Wohnung im Nebengebäude war bewohnt.[35] Der Kaufpreis wurde auf etwa 110.000 DM geschätzt[36], und eine Rückkaufsoption für die WoBAu in Höhe von 128.000 Euro soll im Vertrag vorgesehen gewesen sein.[37]
2000
Im August 2000 übernahmen Hans-Werner Urbschat und Ingo Steinhusen als Investoren das Anwesen.[36]
2001 pachteten Walter und Sophie Skau die Johannismühle mit dem Ziel, den Mühlenbetrieb wiederaufzunehmen und ein Mühlencafé zu eröffnen. Erste Maßnahmen waren die Abnahme der Kappe sowie die Sanierung von Hausschwamm in den Nebengebäuden.[10][15]
2004 konnten das Mühlencafé Sophies Welt und ein Ladengeschäft mit Brot- und Getreideverkauf den Betrieb aufnehmen. In der Mühle selbst wurden Tragbalken und Fußböden erneuert; zudem wurden neue Mahlsteine mit einem Durchmesser von 140 cm eingebaut.[38] Ende des Jahres zog sich das Pächterehepaar Skau jedoch von dem Projekt zurück. Ausschlaggebend waren eine Nachbarsklage gegen Lärm-, Schatten- und „Luftraumverletzungen“ aus 2003 sowie Tilgungsforderungen der Investitionsbank, die weitere Investitionen für sie illusorisch machten.[39]
In der Folge demontierte Walter Skau Anfang 2005 die eigens für die Johannismühle aus Hamburg beschaffte Technik zur Weiterverwendung in der Schwensby-Mühle „Renata“ bei Sörup, die er künftig betreiben sollte.[18] Im März transportierte man vier Mühlensteine, eine Quetsche, Antriebswellen und Motorenteile ab; das Café sollte ebenfalls nach Sörup verlegt werden.[19]e. Zwischenzeitlich bemühte Urbschat sich um die Gründung eines Fördervereins für die Mühle.[40] Im April eröffnete der Familienbetrieb Café hyggelig des neuen Pächters Herwig Kirchhoff.[41] Nach knapp einem Jahr 2006 schloss das Café bereits wieder.
Zu diesem Zeitpunkt erschien dem Eigentümer die Wiederherstellung einer funktionstüchtigen Mühle nicht mehr realistisch; bis dahin werden die Kosten für eine Wiederherstellung auf 250.000 € geschätzt.[42] 2010 bewilligte und zahlte die Stadt Flensburg einen Kostenzuschuss von 3.000 € für die Wiederherstellung der Galerie[43], die jedoch ausblieb. 2011 berichtete das Flensburger Tageblatt über die abhandengekommenen Flügelattrappen, die zuvor jahrelang ungeschützt im Mühlengarten lagen.[17]
2015 zeigten sich schwere Verfallsspuren: Die Außenhaut hatte Löcher im Schindeldeckwerk, und die Mühle war so stark gefährdet, dass seitens der Stadt eine Erhaltungsanordnung nach dem Denkmalschutzgesetz in Erwägung gezogen wurde. Um die Erhaltung der Außenhaut sicherzustellen, traf die Untere Denkmalschutzbehörde eine Vereinbarung mit Urbschat. Wie einige Jahre zuvor, brachte dieser die Gründung eines Fördervereins oder einer Bürgerinitiative ins Gespräch. In den Nebengebäuden waren inzwischen fünf Wohnungen entstanden.[34]
2017 war die Südseite des Turms bereits mit Planen abgedeckt. Dipl.-Ing. und Architekt Helmut Urbschat übernahm die Johannismühle von seinem Bruder. Seinen Angaben zufolge hatte er bereits während seines Studiums 1964 ein Aufmaß der Mühle angefertigt. Seine Pläne sahen die Einrichtung eines Ateliers vor, während er den Mühlenbetrieb oder Wohnnutzung ausgeschloss. Ein Zeitungsbericht dokumentierte seinen Befund: Die Mühle war völlig entkernt – einzig das Balkenwerk war noch vorhanden.[44]
Bis 2019 hatte sich der Zustand soweit verschlechtert, dass der Flensburger Denkmalschützer Eiko Wenzel warnte: „Die Gefahr des Verlustes eines stadtbildprägenden Denkmals ist konkret gegeben.“ Das Thema wurde im Stadtteilforum Sandberg diskutiert.[45]
2020
Im Oktober 2021 erwarben Lutz Fiesser, Gründer der Phänomenta, und Gabriele Fiesser-Meienbrock die seit Jahren zunehmend verfallene Mühle. Da notwendige Investitionen ausgeblieben waren, stand das Gebäude vor dem vollständigen Verlust. Mit dem von den neuen Eigentümern entwickelten Konzept, den Mühlenturm als Ferienwohnung zu nutzen, soll der Betrieb langfristig zur Erhaltung des Bauwerks beitragen. Die Stadt genehmigte diese Wohnnutzung, sodass das Gebäude künftig wirtschaftlich selbsttragend sein soll.[46]
Im August 2023 begannen die Restaurierungsarbeiten mit dem Ausbau der neuen Galerie, und die Innenarbeiten für die Ferienwohnungen starteten.[46][32] Im Oktober 2023 wurden die Ferienapartments fertiggestellt. Insgesamt entstanden vier vollausgestattete Wohneinheiten. Besonderen Wert wurde auf Brandschutz, Statik und Denkmalschutz gelegt. Gleichzeitig blieben wesentliche Elemente der historischen Mühlentechnologie erhalten, darunter die Kappe, der Mühlenturm und die Tragstruktur. Um die laufenden Kosten zu decken, sollen die Ferienwohnungen täglich etwa 400 € einbringen. Fiesser ist zuversichtlich, dass sein Konzept erfolgreich sein wird – nicht zuletzt durch seine eigenen Erinnerungen an das Wohnen in einer Mühle und die besondere Atmosphäre.[22][46][13]
Am 26. März 2025 erhielt die Mühle ihre restaurierte Kappe zurück. An den Arbeiten waren Mühlenbaumeister Ronny Beckmann, die Planer und Architekten Peter Petersen und Michael Krebs sowie Rüdiger Weiß, technischer Berater des Mühlenverbandes, beteiligt. Im Dezember 2025 folgte die Montage von vier Flügeln mit einer Länge von jeweils zehn Metern. Bis zum Abschluss der Sanierungsarbeiten konnten jedoch nur rund 20 Prozent der ursprünglichen hölzernen Bausubstanz erhalten werden. Die Gesamtkosten beliefen sich auf etwa 2,5 Mio. €.
Die ursprünglich aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm XII des Bundes bewilligten Projektmittel in Höhe von 150.000 € wurden nach den vorliegenden Quellen bis Ende 2023 nicht abgerufen.[47][48] Aufgrund eines Gerichtsentscheids zu einer Nachbarschaftsklage gilt zudem die Auflage, dass die Mühlenflügel nicht in den Luftraum des angrenzenden Grundstücks hineinragen dürfen.[22]
Siehe auch
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Andreas Christian Christiansen Holdt: Flensburg früher und jetzt – historisch-topographische Bilder aus Vorzeit und Gegenwart. Huwald’sche Buchhandlung, Flensburg 1884, S. 182–184.
- ↑ a b c d e f g Hans-Peter Petersen: Schleswig-Holsteinisches Windmühlen-Buch. Frank Wagner, Wesselburen und Hamburg 1969, DNB 457795409, S. 29.
- ↑ A. Creutz: Das Flensburger Stadt-Gebiet – nach den gerichtlich revidirten Specialkarten zusammengestellt und gezeichnet im Jahre 1859. Flensburg 1859 (kb.dk [JPEG; 19,6 MB; abgerufen am 24. Mai 2025] Karte).
- ↑ a b c Pt.: Rat billigte Verkauf der Johannismühle. In: Flensburger Tageblatt. 24. Juni 1976, ISSN 2627-5562, S. 12.
- ↑ a b Creutz, A.: Das Flensburger Stadt-Gebiet nach den gerichtlich revidirten Specialkarten. In: Digitale Samlinger (Kartendigitalisat). Kongelige Bibliotek, 1859, abgerufen am 28. Dezember 2025.
- ↑ Dieter Pust: Flensburger Straßennamen. Hrsg.: Ges. f. Flensburger Stadtgesch. (= Schriftenreihe der Ges. f. Flensburger Stadtgesch. Band 61). Erweiterte u. aktualisierte Auflage. Flensburg 2005, ISBN 3-925856-50-1, Zur Johannismühle, S. 210.
- ↑ Dieter Pust: Flensburger Straßennamen. (= Ges. f. Flensburger Stadtgesch. [Hrsg.]: Schriftenreihe der Ges. f. Flensburger Stadtgesch. Band 61). Erweiterte u. aktualisierte Auflage. Flensburg 2005, ISBN 3-925856-50-1, An der Johannismühle, S. 25–26.
- ↑ Sofia Tchernomordik: Flensburg: Mühle St. Johannis bekommt ein zweites Leben. In: ndr.de. Norddeutscher Rundfunk, 2025, archiviert vom am 24. Mai 2025; abgerufen am 21. Mai 2025 (Foto Mühlenfundament ab Min. 1:40).
- ↑ gdn: Flensburger Johannismühle erwacht aus dem Dornröschenschlaf. In: Schleibote. 31. August 2017, ZDB-ID 2120962-5, S. 10.
- ↑ a b mei: „Hut ab“ für neues Mühlen-Leben. In: Flensburger Tageblatt. 18. Januar 2001, ISSN 2627-5562.
- ↑ a b Ludwig Rohling [Bearb.]: Die Kunstdenkmäler der Stadt Flensburg. Hrsg.: Peter Hirschfeld (= Die Kunstdenkmäler des Landes Schleswig-Holstein. Band 7). Deutscher Kunstverlag, München 1955, DNB 452648238, S. 570.
- ↑ a b Gottfried Pöge: Die Wind- und Wassermühlen des Kreises und der Stadt Flensburg. Schleswiger Druck- und Verlagshaus, Schleswig 1980, ISBN 3-88242-046-4, S. 191–192.
- ↑ a b c Die Geschichte der St. Johannismühle. In: johannismuehle.de. GbR Johannismühle Fiesser-Fiesser-Meienbrock, 2024, archiviert vom am 7. November 2025; abgerufen am 29. Dezember 2025.
- ↑ Carlo Jolly: Der Dornröschenschlaf geht weiter. In: Flensburger Tageblatt. 21. August 2017, ISSN 2627-5562, S. 7.
- ↑ a b G. K.: Die St. Johannismühle in Flensburg. In: Nordfriisk Instituut (Hrsg.): Der Maueranker – Baupflege in Nordfriesland, Dithmarschen und Angeln. Nr. 3, 2002, ZDB-ID 1443176-2, S. 14–15.
- ↑ a b c d Karte Kulturdenkmale (Denkmalliste) – Windmühle St. Johannis. Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein, archiviert vom am 29. Dezember 2025; abgerufen am 29. Dezember 2025.
- ↑ a b Carlo Jolly: Ohne Galerie, ohne Kopf und Flügel: Wann wird die Johannismühle endlich zum Leben erweckt? In: Flensburger Tageblatt. 11. Juni 2011, ISSN 2627-5562, S. 11.
- ↑ a b ho: Der Stadt-Müller zieht aufs Land. In: Flensburger Tageblatt. 14. Januar 2005, ISSN 2627-5562, S. 11.
- ↑ a b iwe: Müller packt seine Steine. In: Flensburger Tageblatt. 18. März 2005, ISSN 2627-5562, S. 17.
- ↑ Frederike Lindberg: Johannismühle: So sehen die neuen Ferienwohnungen aus. In: Flensborg Avis, 23. März 2024, S. 4
- ↑ Die Apartments. In: johannismuehle.de. GbR Johannismühle Fiesser-Fiesser-Meienbrock, 2024, archiviert vom am 13. August 2025; abgerufen am 29. Dezember 2025.
- ↑ a b c Gunnar Dommasch: Millimeterarbeit mit Zaungästen. In: Flensburger Tageblatt. 26. März 2025, ISSN 2627-5562, S. 15.
- ↑ O. Wergeland: Plan von Flensburg mit den nächsten Umgebungen. In: Digitale Samlinger (Kartendigitalisat). Kongelige Bibliotek, 1849, abgerufen am 28. Dezember 2025.
- ↑ a b Gottfried Pöge: Die Wind- und Wassermühlen des Kreises und der Stadt Flensburg. Schleswiger Druck- und Verlagshaus, Schleswig 1980, ISBN 3-88242-046-4, S. 175.
- ↑ a b Hans Petersen: Geschichte der Mühlen zwischen Eider und Königsau. Wachholtz Verl., Neumünster 1988, ISBN 978-3-529-02690-4, S. 207.
- ↑ Hans-Friedrich Schütt: Die Familie Petersen Schmidt in Flensburg. In: Ges. f. Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Aus Flensburgs Geschichte im 19. Jahrhundert (= Schriften der Ges. f. Flensburger Stadtgeschichte). Band 20. Flensburg 1969, DNB 363779221, S. 56–77.
- ↑ a b Mühlenverkauf. In: Flensburger Nachrichten. 8. August 1922, ISSN 2627-5562 (In: Stadt Flensburg).
- ↑ Walter Heesch: Windmühlen in Schleswig-Holstein in alten Ansichten. Band 3. Europ. Bibliothek, Zaltbommel/Niederlande 1988, ISBN 90-288-4661-1.
- ↑ Gottfried Pöge: Die Wind- und Wassermühlen des Kreises und der Stadt Flensburg. Schleswiger Druck- und Verlagshaus, Schleswig 1980, ISBN 3-88242-046-4, S. 3.
- ↑ Die Geschichte der St. Johannismühle auf der Website der St. Johannismühle
- ↑ a b N. H. Eggert (Hrsg.): Adressbuch für die Stadt Flensburg, Adelbylund, Sünderup und für die Stadt Glücksburg. Kommisions-Ver. Huwald’sche Buchhandlung, Flensburg 1909, Abt. V, S. 308 (genealogy.net [DjVu; abgerufen am 26. Mai 2025] Im Viewer S. 336).
- ↑ a b Gunnar Dommasch: Die Flügel sollen sich wieder drehen. In: Flensburger Tageblatt. 28. März 2023, ISSN 2627-5562, S. 7.
- ↑ Ein Schmuckstück wurde repariert. In: Flensburger Tageblatt. 17. September 1954, ISSN 2627-5562, S. 7.
- ↑ a b Carlo Jolly: Wer kann die Johannismühle noch retten? In: Flensburger Tageblatt. 3. August 2015, ISSN 2627-5562, S. 7.
- ↑ ho: Wieder eine Zukunft für die Johannismühle. In: Flensburger Tageblatt. 16. November 1998, ISSN 2627-5562, S. 13.
- ↑ a b ho: Hat die Wobau Chance verpasst? In: Flensburger Tageblatt. 17. August 2000, ISSN 2627-5562, S. 13.
- ↑ Carlo Jolly: Alte Mühle sucht neuen Liebhaber. In: Flensburger Tageblatt. 7. September 2011, ISSN 2627-5562, S. 17.
- ↑ Walter Skau: St. Johannis-Mühle im Aufbau. In: Nordfriisk Instituut (Hrsg.): Schleswig-Holstein. Nr. 7+8, 2004, ISSN 0937-7247, S. 11.
- ↑ Joachim Pohl: Der Johannis-Müller streicht die Segel. In: Flensburger Tageblatt. 13. November 2004, ISSN 2627-5562, S. 9.
- ↑ ho: Johannismühle: Rettung durch einen Förderverein? In: Flensburger Tageblatt. 20. September 2005, ISSN 2627-5562, S. 13.
- ↑ ho: Neuer Anlauf: Verein soll Johannismühle retten. In: Flensburger Tageblatt. 19. Januar 2006, ISSN 2627-5562, S. 13.
- ↑ ho: Neuer Anlauf: Johannismühle soll endlich unter die Haube. In: Flensburger Tageblatt. 5. November 2007, ISSN 2627-5562, S. 9.
- ↑ Niederschrift über die 53. Sitzung des Ausschusses für Umwelt-, Planung- und Stadtentwicklung am 14. Dezember 2010. In: ratsinfo.flensburg.de. Stadt Flensburg, 14. Dezember 2010, abgerufen am 21. Mai 2025.
- ↑ Gerhard Nowc: Ein Mann für die Mühle. In: Flensburger Tageblatt. 14. Oktober 2017, ISSN 2627-5562, S. 9.
- ↑ Annika Kühl: Ist die Johannismühle noch zu retten? In: Flensburger Tageblatt. 28. Mai 2019, ISSN 2627-5562, S. 7.
- ↑ a b c Sofia Tchernomordik: Flensburg: Mühle St. Johannis bekommt ein zweites Leben. In: ndr.de. Norddeutscher Rundfunk, 23. August 2025, archiviert vom am 24. Mai 2025; abgerufen am 21. Mai 2025.
- ↑ Sönke Rix: Bundesmittel für die St. Johannis-Kirche zu Adelby und die St. Johannis-Mühle in Flensburg. In: SPD Hüttener Berge. SPD Hüttener Berge, 23. Juni 2023, archiviert vom am 26. Mai 2025; abgerufen am 26. Mai 2025.
- ↑ Yasin Michael Alder, Nicole Hollatz: Jahresbericht 2023. Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn 2024, S. 78 (denkmalschutz.de [PDF; 7,8 MB; abgerufen am 26. Mai 2025] Geförderte Denkmale im Jahr 2023).