Willy Vobach

Willy Vobach (* 19. Juni 1867 in Storchennest-Lissa, Provinz Posen; † 25. Dezember 1936 in Wiesbaden), mit vollem Namen Wilhelm Carl Paul Albert Vobach, auch bekannt als Wilhelm Rudolf Vobach,[1] war ein deutscher Verleger, Unternehmer und Kunstdrucker. Er war Gründer des Verlags W. Vobach & Co. mit Hauptsitz in Berlin und Leipzig, der ab 1898 tätig war und sich später zu einem international tätigen Verlagshaus entwickelte.[2][3]

Der Verlag W. Vobach & Co. veröffentlichte neben illustrierter Literatur und Kunstdrucken auch kulturell orientierte Zeitschriften und Buchreihen mit internationalem Vertrieb. Bereits 1895 gründete er die illustrierte Kulturzeitschrift „Die Aula“, ein bildungsbürgerlich geprägtes Familienblatt mit literarisch-künstlerischem Fokus.[4] Das Verlagshaus erlangte Bekanntheit für hochwertige Kunstpublikationen, Reproduktionen und illustrierte Zeitschriften.

Am 9. Oktober 1918 wurde Willy Vobach durch Allerhöchsten Erlass Seiner Majestät Kaiser Wilhelm II. mit dem Königlich Preußischen Kronen-Orden IV. Klasse ausgezeichnet. Die Ordensverleihung wurde vom Polizeipräsidium Berlin amtlich bestätigt und dokumentiert.[5] Willi Vobach stammte aus einer evangelischen Familie mit Wurzeln in der preußischen Provinz Posen. Sein Vater war Gustav Rudolf August Robert Vobach (* 1824), seine Mutter Pauline Theophilia Konstanze Langner (* 1839), die als Pflegetochter von Georg Anton Nitschke geführt wurde. Die Eheschließung seiner Eltern im Jahr 1858 ist im Kirchenbuch der Kreuzkirche von Leszno dokumentiert und wurde über das Poznan Project sowie durch die Evangelische Zentralstelle für Personendokumentation (EZAB) bestätigt.[6]

Am 18. April 1899 heiratete Willy Vobach in Berlin Charlottenburg Ernestine Marta Waleska Pehl (* 14. Dezember 1870), Tochter von Johannes Friedrich Ferdinand Pehl und Friederike Amalie Wilhelmine Pehl. Die Heirat ist durch eine standesamtliche Urkunde (Nr. 37/1899, Landesarchiv Berlin) belegt.[7] Es existieren Hinweise aus dem familiären Nachlass, darunter handschriftliche Lebenslaufnotizen sowie Aktenvermerke im Herkunftsnachweis, dass Willy Vobach in jungen Jahren vorübergehend in die Vereinigten Staaten auswanderte und möglicherweise die amerikanische Staatsbürgerschaft annahm. Eine offizielle Auswanderungsdokumentation liegt nicht vor. Sein späteres verlegerisches Wirken weist jedoch eine ausgeprägte internationale Prägung auf.[Anm. 1]

Leben und Werk

Willy Carl Paul Albert Vobach wurde am 19. Juni 1867 in Storchennest-Lissa in der preußischen Provinz Posen geboren. Er entstammte einer Familie mit Wurzeln in Lissa, Berlin und Potsdam. In einem historischen Polizeieintrag, heute im Landesarchiv Berlin-Eichborndamm verzeichnet, findet sich ein Hinweis auf eine Auswanderung in die Vereinigten Staaten in jungen Jahren. Gesicherte Informationen über seine Aufenthaltsdauer dort liegen bislang nicht vor. In den frühen 1890er-Jahren kehrte Vobach nach Deutschland zurück und war rund anderthalb Jahre für den Münchner Kunstverleger Richard Bong[8] tätig, bekannt durch die Zeitschrift Moderne Kunst.[9][10]

1895 gründete er die illustrierte Familienzeitschrift Die Aula, in der Beiträge aus Literatur, Pädagogik und Geisteswissenschaften erschienen.[11] Nach 27 Ausgaben wurde die Zeitschrift eingestellt. „Die Aula“ war international ausgerichtet; laut zeitgenössischen Verlagsangaben bestanden Vertriebsstellen unter anderem in London, Paris, Moskau, New York und Konstantinopel.[12]

Am 3. Oktober 1897 gründete Willy Vobach in Berlin den Verlag W. Vobach & Co., der 1898 um einen Leipziger Standort erweitert wurde. Im selben Jahr trat Oscar de Liagre, ein Unternehmer aus einer belgisch-französischen Familie, als Kommanditist in das Unternehmen ein.[Anm. 2][13][2] Ab diesem Zeitpunkt folgte der Aufbau internationaler Niederlassungen, unter anderem in Wien, Zürich, Paris, London und Rotterdam.[14] Der Verlag spezialisierte sich auf illustrierte Zeitschriften, Kunstdrucke, Kinder- und Modebücher sowie Schnittmusterhefte.[15] Er arbeitete mit internationalen Vertriebspartnern zusammen, darunter Joseph Rubinstein in Wien und Umbreit & Co. in Stuttgart.

Das weitverzweigte Netzwerk von W. Vobach & Co. in Wien ist auch durch Verbindungen zur Union Deutsche Verlagsgesellschaft / W. Vobach & Co. dokumentiert.[16] Der Familienhintergrund von Willy Vobach war bereits zuvor verlegerisch geprägt: Die Verlagseinheit W. Vobach & Co. / Schönlein[17] / Union Deutsche Verlagsgesellschaft war seit den 1870er-Jahren in Leipzig tätig. Eine familiäre Verbindung zu Wilhelm Alfons Vobach, der mit einer Verlegerstochter Schönlein verheiratet war, lässt sich rekonstruieren.[18] Die Adressen des Verlags wechselten mehrfach – von der Breitkopfstraße über die Talstraße bis zum Niederländischen Haus am Augustusplatz 8 / Johannisgasse 2.[19] Eine Bestätigung dieser historischen Verbindung findet sich unter anderem in einem bibliothekarischen Katalogeintrag der Grimm-Bibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin.[20] Im Jahr 1908 wurde der Verlag W. Vobach & Co. unter dem Namen W. Vobach & Co., New York Office, offiziell im Handelsregister des Bundesstaates New York eingetragen.[21] Im Jahr 1914 wurde Willy Vobach mit dem Königlich Preußischen Kronen-Orden IV. Klasse ausgezeichnet. Die Verleihung erfolgte durch Kaiser Wilhelm II. in Anerkennung seiner kulturellen Verdienste, insbesondere im Bereich des Kunstdrucks.[22]

Gesellschaftliches Engagement

Willy Vobach war nicht nur verlegerisch tätig, sondern veröffentlichte mit seinem Verlag auch eine Vielzahl an Publikationen, die sich an ein breites Publikum richteten, insbesondere an Frauen, Kinder und bildungsbürgerliche Haushalte, wie beispielsweise Das Buch.[23]

Dazu gehörten Zeitschriften wie Praktische Damen und Kindermode,[24] Vobachs Familienhilfe,[25] sowie illustrierte Bildbände mit Reproduktionen.[26] Diese Publikationen waren auf einen breiten Leserkreis ausgerichtet und behandelten Themen aus Alltagskultur, Mode und Erziehung.

Das thematische Spektrum von Vobachs Verlagstätigkeit umfasste Modezeitschriften, Koch- und Haushaltsratgeber, Bastelbögen für Kinder sowie Bücher zu naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Themen wie Chemie, Biologie, Physik und Philosophie. Ein Merkmal des Verlags war ein kombiniertes Abonnementmodell, bei dem Leserinnen und Leser neben der jeweiligen Zeitschrift auch eine Versicherung erhielten, beispielsweise eine Lebens-, Hausrat- oder Sterbegeldversicherung. Dieses Konzept verband die Verbreitung von Bildungsinhalten mit Elementen der sozialen Absicherung. Vobach stand in Verbindung mit zeitgenössischen Künstlern, Unternehmern und jüdischen Förderern.

Verlegerisches Wirken Verlag W. Vobach & Co.

Willy Vobach gründete den Verlag W. Vobach & Co. mit dem Ziel, hochwertige Kunstdrucke und kulturpädagogische Zeitschriften zu veröffentlichen. Der Verlag spezialisierte sich auf Reproduktionen klassischer Kunstwerke und entwickelte sich rasch zu einer der angesehensten Adressen Europas. Besonders bekannt wurde er durch kunstvolle Repliken von Werken wie:

Die Repliken – u. a. von Magnus Mogensen gefertigt – wurden 1914 auf der BUGRA Leipzig mit der Goldmedaille ausgezeichnet.

Auch pädagogische Zeitschriften wie Vobachs Kindergarderobe oder Die Aula prägten das verlegerische Profil.[27] Der Verlag arbeitete mit jüdischen Vertriebsstellen wie Josef Rubinstein (Wien) und W. Vobach & Co., Limmatquai 34 (Zürich) zusammen – ein Hinweis auf die bewusst jüdisch geprägte Distributionsstruktur.[28]

Oskar de Liagre – Der strategische Partner Willy Vobachs

Oscar de Liagre war eine der entscheidenden Persönlichkeiten hinter dem wirtschaftlichen und internationalen Erfolg des Verlags W. Vobach & Co., der im Jahr 1898 gegründet wurde.[29][30]

Biografische Einordnung

Geboren um 1870, entstammte Oskar de Liagre einer wohlhabenden und gut vernetzten belgisch-französischen Familie. Sein Vater, Alfred de Liagre, war Diplomat Investor mit engen Verbindungen zu wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und diplomatischen Kreisen in Mitteleuropa.[31][32]

Partnerschaft mit Willy Vobach

Im Jahr 1898 trat Oscar de Liagre in das von Willy Vobach gegründete Verlagshaus ein. Vobach hatte sich bereits als Kunstverleger und Pädagoge etabliert. De Liagre brachte Kapital, Kontakte und unternehmerische Erfahrung mit. Gemeinsam entwickelten sie den Verlag zu einem international tätigen Unternehmen mit Schwerpunkten in Bildung, Kunst und Familienzeitschriften.[31][28]

Internationale Ausrichtung

Dank der Familie de Liagre expandierte W. Vobach & Co. frühzeitig ins Ausland. Bereits 1908 meldete Alfred de Liagre den Verlag in New York offiziell im Handelsregister an.[33] Weitere Standorte entstanden in Wien, Zürich, Rotterdam und Paris. Diese Internationalität war damals eine Besonderheit und verdankte sich dem strategischen Denken Oskar de Liagres.

Gesellschaftliche Stellung

Die Familie de Liagre war nicht nur ökonomisch erfolgreich, sondern auch gesellschaftlich hoch angesehen. Einladung zur Silberhochzeit von König Albert von Sachsen und Königin Carola im Juli 1897 belegen ihren Rang innerhalb der europäischen Elite.[34]

Vermächtnis

Oskar de Liagre prägte das verlegerische Konzept von W. Vobach & Co. entscheidend mit. Seine Rolle ging über die eines Kapitalgebers hinaus – er war Mitgestalter einer europäischen Bildungsidee. Ohne ihn hätte der Verlag seine internationale Reichweite nicht in diesem Maße entfalten können. Seine Geschichte steht exemplarisch für die Kraft jüdisch-frankophoner Unternehmerfamilien in der deutschen Verlagslandschaft vor 1933.

Verlag W. Vobach & Co.

Der von Willy Vobach geleitete Kunstverlag firmierte unter dem Namen W. Vobach & Co. / Schönlein Union Deutsche Verlagsgesellschaft. Der Verlag war zwischen 1866 und 1945 aktiv.[35][36] Die offizielle Anerkennung als Verleger ist durch ein Heimatschein-Dokument von 1863 für seinen Vater Karl-August Vobach belegt.[37] Willy Vobach gründete seinen Verlag zunächst mit Sitz in Berlin und Leipzig. Ab 1897 firmierte er als W. Vobach & Co., mit einer späteren internationalen Expansion nach Wien, Zürich, Paris, London und – ab 1908 – auch mit dem eingetragenen Namen W. Vobach & Company in New York. Die Gesellschaft war dort amtsmäßig im Handelsregister registriert.

Ein zentraler Standort war ab 1910 die Adresse Kurfürstendamm 137 sowie der Unionpalast, später Haus Wien in Berlin. Diese Immobilie war nachweislich im Besitz der Familie Vobach und diente sowohl als Verlagssitz wie auch als Zentrum der gesellschaftlichen Repräsentation.[38]

Verlagsprogramm und kulturelles Wirken

Der Verlag spezialisierte sich auf:

  • Kunstpostkarten und hochwertige Reproduktionen (u a. nach Werken von Magnus Mogensen),
  • Modezeitschriften wie Vobachs Kindergarderobe,
  • Bücher[39]
  • Ratgeber[40]
  • Schnittmusterverlage für bürgerliche Haushalte,
  • Familienversicherungsmodelle (Vobach Familienhilfe),[15]
  • internationale Vertriebspartnerschaften mit jüdischen Firmen wie Josef Rubinstein (Wien) und W. Vobach & Co., Zürich, Limmatquai 34.[41]

Der unternehmerische Erfolg beruhte auf einem Netzwerk jüdischer Händler und Redakteure in Europa. Ab 1908 wurde Oscar de Liagre (Wien, später Leipzig) als Gesellschafter aufgenommen. Dessen Familie hatte weitreichende Kontakte in Paris und New York, wo auch der Vater lebte. Damit war W. Vobach & Co. einer der ersten jüdischen Verlage mit systematischer transatlantischer Präsenz.

Verlagsschwerpunkte

Der Verlag spezialisierte sich auf Kunstdrucke nach Werken der alten Meister (z. B. Raffael, Leonardo da Vinci), überhöhte Repliken für museale und private Sammlungen sowie kunsttechnisch optimierte Druckvorlagen für gehobene Innenausstattung. Besonders bekannt wurde die Zusammenarbeit mit dem norwegisch-schweizerischen Künstler Magnus Mogensen. Zu den verbreiteten Werken zählten die Sixtinische Madonna, Das Abendmahl und Lavinia mit der Silberschale.

Internationale Standorte

Zum Unternehmensvermögen von W. Vobach & Co. zählten neben dem Verlagssortiment und Vertriebskontakten auch Grundstücke und Immobilien in mehreren europäischen Städten. Die wichtigsten Adressen waren:

Deutschland

Berlin:

  • Schwäbische Straße 15,
  • Dessauer Straße 23,
  • Dessauer Straße 34–35[42][43] (Sitz / Hauptbüro)
  • Bernburger Straße 7–9,
  • Friedrichstraße 23,[44]
  • Friedrichstraße 31,
  • Friedrichstraße 240/241,
  • Dorotheenstraße 35,
  • Argentinische Allee 1 (1912–1914),
  • Wilhelmstraße 29,
  • Kurfürstendamm 137,[45]
  • Frankfurter Allee 40 (ehem. Alexanderstraße 59)[46] – für diese Adresse ist in einer Nachkriegsakte eine Führung als „jüdisches Objekt“ vermerkt.

Leipzig:

  • Breitkopfstraße 9,
  • Breitkopfstraße 25,
  • Gottschedstraße 17–19,
  • Nikolaistraße 10 (im eigenen Hause),
  • Talstraße 11,
  • Georgiring 5c,

Österreich

Wien: Wien II., Aspernbrückengasse 3

Salomon Rubinstein und sein Bruder Josef Rubinstein führten zusammen eine Musikalienhandlung samt Antiquariat. Ab 1923 führte Margarete Angel, geb. Rubinstein unter gleichem Namen das Geschäft weiter.[48]

Schweiz

Zürich: (in Verbindung mit der Société de Construction de Neuchâtel)

Frankreich

Paris: Rue du Faubourg Montmartre

Niederlande

Rotterdam: Wijnha Ven 85, temporäre Kooperation

Weitere Besitz- und Nutzungsverhältnisse

  • Gut Liebenberg in Kienbaum-Grünheide (heute Paralympisches Zentrum): von 1917 bis 1925 im Besitz von W. Vobach & Co.; während des Zweiten Weltkriegs wurde auf dem Gelände eine Bomben-, Waffen- und Munitionsfabrik betrieben.[49]
  • Villa Achterkerke, Heringsdorf: Wohnsitz Willy Vobachs von 1927 bis 1932.

Entwicklung in den 1930er- und 1940er-Jahren

In der Zeit des Nationalsozialismus kam es zu Eingriffen in die Eigentums- und Leitungsverhältnisse; der Verlag wurde schrittweise „arisiert“. Für einzelne Liegenschaften und Gesellschaftsanteile sind in den Nachkriegsakten Treuhand- und Übertragungsprozesse dokumentiert. Der spätere Umgang mit Vermögenswerten sowie Rückgabe- und Entschädigungsverfahren ist Gegenstand der laufenden Provenienz- und Restitutionsforschung.[49]

Ehrungen

Im Oktober 1918 wurde Willy Vobach durch Allerhöchsten Erlass von Kaiser Wilhelm II. mit dem Kronen-Orden 4. Klasse ausgezeichnet – für seine Verdienste um die künstlerisch-kulturelle Bildung des deutschen Bürgertums. Die Verleihung würdigte seine Verdienste um die künstlerisch-kulturelle Bildung des deutschen Bürgertums und ist in zeitgenössischen Amtsunterlagen dokumentiert.[5]

Familie und Vermächtnis

Die Familie Vobach gehörte zur bürgerlich-jüdischen Oberschicht des 19. Jahrhunderts mit Herkunftszweigen in Lissa, Potsdam, Berlin, Neuchâtel und Genf. Willy Vobach war über seine Mutter Adèle Sophie Borel direkter Nachkomme der jüdisch geprägten Familien Borel und Grandjean. Die Borel-Familie war Teil der jüdischen Bourgeoisie von Neuchâtel, während die Grandjeans eng mit der Genfer Bildungselite und Aufklärung verbunden waren.

Die väterliche Linie weist über Christian Friedrich Vobach mehrere jüdische Herkunftslinien auf. Seine Frau, Therese Matthes, stammte aus der jüdischen Matthes-Linie, die im 18. und 19. Jahrhundert in Potsdam ansässig war. Auch die Familie Landefeld (verheiratet mit Christian Friedrichs Vater) wird in mehreren Quellen als jüdisch bezeichnet. Zudem liegt eine dokumentierte Verbindung zur Familie von Rose vor, die in der NS-Zeit besonders sorgfältig überprüft wurde – ebenfalls mit dem Verdacht jüdischer Abstammung.

Diese Linien – Borel, Matthes, Landefeld und von Rose – bilden gemeinsam das genealogische Fundament der Familie Vobach. Ihre jüdische Herkunft wurde während des Nationalsozialismus teilweise verschleiert oder durch Ahnennachweise widerlegt – teils jedoch auch bestätigt. Ein Enkel Willy Vobachs, Karl Gerhard Vobach (* 1. November 1902), unternahm im Sommer 1929 im Alter von 26 Jahren eine außergewöhnliche Nordlandreise nach Norwegen, Schweden und Finnland.[50] Diese Reise, durch familiäre Mittel ermöglicht, war Ausdruck der gesellschaftlichen Stellung und des kulturellen Horizonts der Familie. Es ist denkbar, dass die Erkundung auch marktstrategisch gedacht war – etwa als Vorbereitung für einen skandinavischen Vertriebszweig des Verlags. Die Familie gehörte zur kunstsinnigen, liberalen jüdischen Oberschicht, geprägt von Musik, Bildung und internationaler Vernetzung.

Die Urenkelin Manuela Vobach setzt sich heute für die vollständige Aufklärung der Enteignung, die historische Würdigung des Verlags und die erinnerungskulturelle Einordnung ein.[51] Dabei werden alle familiären, juristischen und unternehmerischen Spuren dokumentiert und in Zusammenarbeit mit Archiven und Institutionen aufgearbeitet.[49]

Tod und Nachwirkung

Willy Vobach, der Gründer des Verlags W. Vobach & Co., verstarb am 25. Dezember 1936 in Berlin.[52] Nach seinem Tod änderte sich die Unternehmensbezeichnung und Gesellschafterstruktur zunehmend unter die Kontrolle seiner nicht-jüdischen Mitgesellschafter, nach zeitgenössischen Handelsregister- und Firmenunterlagen gehörte auch Kurt Herrmann, der später Mitglied der NSDAP wurde. Im Jahr 1937 gründete Kurt Herrmann den Universalverlag W. Vobach & Co. – Bernhard Meyer – Curt Hamel, indem er die drei Leipziger Verlage zusammenlegte die Umfirmierung und der Zusammenschluss sind in den Handelsregistereinträgen dokumentiert zugleich dokumentiert die Abteilung Grundstücksverwaltung mehrere Berliner Liegenschaften des Verlags (u. a. Dessauer Str. 34/34a, Ecke Bernburger Str. 8/9; Dessauer Str. 35; Bernburger Str. 7; Wilhelmstr. 29).[53][54]

In der zeithistorischen Forschung wird die Geschichte des Verlags W. Vobach & Co. im Kontext der NS-bedingten Vermögensentziehungen, auch bekannt als Arisierung, historisch neu bewertet. Trotz der Umstände seiner späteren Geschichte bleibt die ursprüngliche Verlagsvision, die Förderung von Bildung, Kunst und dem europäischen Gedanken – als bedeutender Beitrag zur jüdisch-deutschen Kulturgeschichte relevant.[51]

Eine preisrechtliche Unbedenklichkeitsbescheinigung der Berliner Senatsverwaltung vom 13. Mai 1955 nennt als alten Eigentümer die Kommanditgesellschaft in Firma „W. Vobach & Co. – Bernhard Meyer – Curt Hamel“ und als neuen Eigentümer Kurt Herrmann (Vaduz).[55] Darüber hinaus liegt im Landesarchiv Berlin eine Wiedergutmachungsakte zu Kurt Herrmann vor.[56]

Gestapo-Akte

Im Oktober 1936 legte die Gestapo eine Ermittlungsakte zu Willy Vobach an, die heute im Hessischen Hauptstaatsarchiv archiviert ist.[57] Sie verzeichnet unter anderem einen Vermerk über eine Äußerung, die Vobach in einem privaten Gespräch einer Bekannten gegenüber getätigt haben soll. Die Akte ist Teil der behördlichen Überlieferung aus der Zeit des Nationalsozialismus.

Literatur und Quellen

Einzelnachweise

  1. Vobach, Rudolf Wilhelm (im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek). In: dnb.de. Abgerufen am 29. Oktober 2025.
  2. a b W. Vobach. In: reger-werkausgabe.de. 30. September 2025, abgerufen am 29. Oktober 2025.
  3. Börsenverein der Deutschen Buchhändler (Hrsg.): Adressbuch des deutschen Buchhandels. Leipzig 1912, OCLC 5684773, S. 285, 663.
  4. Wochenblatt für die Gebildeten aller Stände, W. Vobach (Hrsg.): Die Aula. 1. Jahrgang, Nr. 1 Auflage. April 1895, ZDB-ID 1047516-3, Katalog der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin.
  5. a b Polizeipräsidium Berlin (Hrsg.): Ordensverleihung an Willy Vobach. Berlin 9. Oktober 1918 (Privatarchiv M. Vobach (Originaldokument vorhanden)).
  6. Eintrag Nr. 23/1858. In: Poznan Project. Abgerufen am 3. August 2025 (2005–2016; Bestätigt durch Schreiben der Evangelischen Zentralstelle für Personendokumentation (EZAB), Berlin, 21. Juni 2022.).
  7. Standesamt Charlottenburg (Hrsg.): Heiratsurkunde. Nr. 196/1899. Berlin, Charlottenburg, Landesarchiv Berlin (Die Urkunde nennt den Bräutigam „August Wilhelm Otto Vobach“ (genannt Willy Vobach) und die Braut mit vollständigem Namen, inklusive Geburtsdatum und Elternangaben.).
  8. Richard Bong (Verlag). In: museum-digital.de. Abgerufen am 1. November 2025.
  9. Wilhelm Gause: (Nö) Dürnstei. Verlag Bong, abgerufen am 30. Oktober 2025.
  10. Heidelberger historische Bestände / Universitätsbibliothek Heidelberg (Hrsg.): Chronik für vervielfältigende Kunst: 30000. 1890, doi:10.11588/DIGLIT.3813 (uni-heidelberg.de [abgerufen am 30. Oktober 2025]).
  11. W. Vobach (Hrsg.): Die Aula. Nr. 1, 1. Jahrgang. Vobach, April 1895, ZDB-ID 1047516-3, Katalog der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin.
  12. Näckler (Hrsg.): Pädagogische Rundschau: Zeitschrift für Schulpraxis und Lehrerfortbildung. Franz Wandl, Wien 1895, S. 36, 75, 115, 157, 165, 205, 245 (google.ch).
  13. de Liagre, Oscar (Memento vom 25. Mai 2025 im Internet Archive)
  14. Börsenblatt für den deutschen Buchhandel. Nr. 54. Anzeige des Verlags W. Vobach & Co, 5. Juli 1900, S. 1160 (Belegscan liegt im privaten Archiv der Familie Vobach).
  15. a b Vobachs Familienhilfe. Praktische Familien- und Modenzeitschrift mit Unfall- und Sterbegeldversicherung. In: deutsche Digitale Bibliothek. Archiviert vom Original am 24. Juli 2025; abgerufen am 24. Juli 2025.
  16. Verlagsnetzwerke in Wien im frühen 20. Jahrhundert. Archivunterlage: Universalverlag Wien, Wien, S. 3.
  17. Verlag Hermann Schönlein – Karl-May-Wiki. In: karl-may-wiki.de. Abgerufen am 1. November 2025.
  18. Handelsregistereintrag. Leipzig 1900, S. 1, 2.
  19. Handelsregister. Adressverläufe Leipzig. Leipzig 1870.
  20. Grimm-Zentrum Katalogeintrag zu W. Vobach & Co. / Schönlein / Union Deutsche Verlagsgesellschaft. Suchbegriff: W. Vobach & Co. In: hu-berlin. Abgerufen am 30. Oktober 2025.
  21. Bericht zum Gesellschafterwechsel bei W. Vobach & Co. „Geschäftspapiere und transatlantische Dimension der Familie Vobach“. 1908, Abschnitt 4 (Interne Dokumentation, Privatarchiv).
  22. Polizeipräsidium Berlin (Hrsg.): Betreffend die Ordensverleihung an Willy Vobach. Berlin 9. Oktober 1918 (Privatarchiv M. Vobach (Originaldokument vorhanden)).
  23. Das Buch für alle : ill. Blätter zur Unterhaltung u. Belehrung für d. Familie u. Jedermann. Die Deutsche Nationalbibliothek - Zeitschrift Datenbank, abgerufen am 30. Oktober 2025.
  24. Praktische Damen- und Kinder-Mode. Vobach, 1912, OCLC 313827757, ZDB-ID 2025097-6 (zdb-katalog.de).
  25. Vobachs Familienhilfe : praktische Familien- und Modenzeitschrift mit Unfall- und Sterbegeldversicherung. In: Vobachs Familienhilfe. W. Vobach, 1924, OCLC 724321762, ZDB-ID 1430238-X (zdb-katalog.de).
  26. W. Vobach Online Archiv. Zentrale Datenbank, abgerufen am 31. Oktober 2025.
  27. Vobachs Kindergarderobe. In: Archivportal-D. Archiviert vom Original am 25. Juli 2025; abgerufen am 25. Juli 2025.
  28. a b Die Aula : Wochenblatt für die Gebildeten aller Stände. 1. 1895, auf deutsche-digitale-bibliothek.de
  29. Offizielles Adressbuch des Deutschen Buchhandels. (PDF) 1900, S. 346, archiviert vom Original am 24. Juli 2025; abgerufen am 24. Juli 2025.
  30. Deutsche National Bibliothek
  31. a b de Liagre, Oscar. In: Leipziger Biographie. Archiviert vom Original am 25. Mai 2025; abgerufen am 24. Juli 2024.
  32. Mulde mit Marienburg. In: Museum-Digital Sachsen. 24. Juli 2025, archiviert vom Original am 24. Juli 2025; abgerufen am 24. Juli 2025.
  33. Handelsregegister New York, Eintrag 1908
  34. Hauptsaatsarchiv Dresden 11162, Preußische Stiftung für Familienforschung Nr. 94
  35. Universalverlag W. Vobach & Co. Schönlein Union Dt. Verl-Ges 1866-1944, Stiftung Preussischer Kulturbesitz
  36. Staatsarchiv Leipzig Bestand 201079 Universalverlag GmbH, Leipzig
  37. Landesarchiv Berlin, Heimatschein, Nr. No. 433⅓
  38. Grundbucheintrag, Landesarchiv Berlin, Eichborndamm
  39. Literarisches Echo 1898-1923. (PDF) Jahrgang 11 (1908-1909). In: Universität Innsbruck und Landesbibliothek Tirol. S. 537,538, archiviert vom Original am 6. September 2024; abgerufen am 26. Juli 2025.
  40. Schlesische Zeitung. (PDF) Literarisches. In: Schlesische Zeitung. Wilh. Gottl. Korn, 12. Februar 1912, archiviert vom Original am 26. Juli 2025; abgerufen am 26. Juli 2025.
  41. Allgemeines Adreßbuch für den deutschen Buchhandel, den Antiquar-, Colportage-, Kunst-, Landkarten- und Musikalien-Handel sowie verwandte Geschäftszweige. (PDF) In: Band 40. 1878, S. 287, archiviert vom Original am 25. Juli 2025; abgerufen am 25. Juli 2025.
  42. Landesarchiv Berlin (LAB), B Rep. 031-03-09, Nr. 2477.
  43. Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen (Berlin): „Preisrechtliche Unbedenklichkeitsbescheinigung“ vom 13. Mai 1955, Az. PSG 1 – 6537/06/2/4, betr. Grundstück Dessauer Str. 34/35, Ecke Bernburger Str. 7/9 (Bezirk Kreuzberg); alter Eigentümer: Kommanditgesellschaft „W. Vobach & Co. – Bernhard Meyer – Curt Hamel“
  44. Berliner Adressbuch (Jg. 1918 oder 1919), Rubrik Firmen/Branchen „Verlag“ bzw. Namenseintrag „W. Vobach & Co.“, Eintrag mit „Friedrichstraße 23“ (ggf. auch „Friedrichstr. 23“). Bibliogr.: Berliner Adressbuch (Hrsg. August Scherl / später D. G. Lehmann), Berlin 1918/1919.
  45. Landesarchiv Berlin (LAB), A Rep. 113 – Katasteramt Wilmersdorf, Signatur 12004, Grundbuch Wilmersdorf, Blatt IIa 4875: Vermerk zur Steuerpflicht für das Grundstück Kurfürstendamm 137; Steuerschuldner: „Braunschweigische Lebensversicherungs-AG zu Händen Universalverlag W. Vobach & Co.“; zugleich Angabe „Sitz des Verlags: Dessauer Str. 34 (Berlin SW 11)“.
  46. Amtsgericht Berlin-Mitte, Grundakten / Grundbuch: Grundakte zum Grundstück Frankfurter Allee 40, Hinweise auf frühere Bezeichnung „Alexanderstraße 59“. Archiv: [Amt/Archiv, z. B. Landesarchiv Berlin oder Grundbuchamt], Grundbuch 32. Frankfurter Torbezirk, Blatt 289/95
  47. Handelsregisterauszug W. Vobach & Co., Leipzig (1911–1933), Handelsgericht Leipzig
  48. Georg Hupfer: Zur Geschichte des antiquarischen Buchhandels in Wien. (PDF) Salo Rubinstein / Margarete Angel. 2003, archiviert vom Original am 16. Dezember 2023; abgerufen am 25. Juli 2025.
  49. a b c Manuela Vobach: Wir kämpfen für die Wahrheit und Gerechtigkeit. In: Open Pedition. Archiviert vom Original am 14. Juni 2025; abgerufen am 26. Juli 2025.
  50. Archivalieneinheit. In: Landesarchiv Baden-Württemberg Generallandesarchiv Karlsruhe. Abgerufen am 26. Juli 2025.
  51. a b Kaum bekannte jüdische Geschichte: Leipziger Vobach-Verlag druckte Millionen Frauenzeitungen. In: lvz.de. 11. Juni 2025, abgerufen am 31. Oktober 2025 (Hinter Paywall).
  52. Standesamt Berlin, bzw. Nachlassunterlagen der Familie Vobach (Hrsg.): Sterbeurkunde Willy Vobach. Berlin 25. Dezember 1936.
  53. UNIVERSALVERLAG W. Vobach & Co. – Bernhard Meyer – Curt Hamel, Abt. Grundstücksverwaltung: Schreiben an RA Dr. R. Friedrich, 14. Dezember 1950 („Einheitswerte der Grundstücke des Universalverlags“), Landesarchiv Berlin (LAB), B Rep. 031-03-09, Nr. 2477.
  54. Landesarchiv Berlin (LAB), B Rep. 031-03-09, Nr. 2477 (Spruchausschuss Tiergarten von Groß-Berlin: Dr. Kurt Herrmann): Verhandlungsprotokoll o. D. [1951]; Spruchentscheid vom 3. Februar 1951; Rehabilitierungs-Bestätigung vom 3. Februar 1951; RA Dr. Philipp Möhring an Spruchausschuss, 22. Januar 1951 (Beglaubigung Hannover 14. März 1950); Untervollmacht RA Möhring an Direktor H., Universal-Verlag, 5. Februar 1951.
  55. Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen (Berlin), „Preisrechtliche Unbedenklichkeitsbescheinigung“, 13. Mai 1955, Az. PSG 1 – 6537/06/2/4, betr. Grundstück Dessauer Str. 34/35, Ecke Bernburger Str. 7/9 (Bezirk Kreuzberg); alter Eigentümer: Kommanditgesellschaft „W. Vobach & Co. – Bernhard Meyer – Curt Hamel“; neuer Eigentümer: Dr. Kurt Herrmann, Vaduz. Archiv: Landesarchiv Berlin, (Bestand/Signatur gemäß Aktenangabe).
  56. Landesarchiv Berlin (LAB), B Rep. 025-01, Nr. 14743159 (Wiedergutmachungsämter von Berlin: Kurt Herrmann), Aktenband (statistisch erfaßt).
  57. Hessisches Hauptstaatsarchiv (Hrsg.): Original Gestapo Akte: Eintrag zu Willy Vobach. Wiesbaden Oktober 1936, Signatur HHStAW Best. 486 Nr. 12483.

Anmerkungen

  1. Hinweis aus familiären Überlieferungen, gestützt durch handschriftliche Lebenslauf-Notizen von Rudolf Gustav Vobach, Archivvermerk im Herkunftsnachweis („Jüdisch nach USA ausgewandert“), sowie private Notizen und Aktenvermerke aus dem Familiennachlass. Eine formale Auswanderungsdokumentation ist bislang nicht überliefert.
  2. Dossier „Gesellschafterwechsel bei W. Vobach & Co.“ (1908–1909), Privatarchiv der Familie Vobach, unveröffentlicht. Das Dossier dokumentiert den Wechsel eines Kommanditisten bei der Kommanditgesellschaft W. Vobach & Co. im Zeitraum von 1908 bis 1909. Es enthält rechtsgültige Nachweise über den Austritt von Georg Schindler (Leipzig) und den Eintritt von Alfred de Liagre (New York) als Kommanditist mit einer Einlage von 25.000 Mark. Inhalt und jurische Relevanz: Notarielle Urkunden und Beglaubigungen aus New York, Leipzig und Wien belegen den Gesellschafterwechsel. Eingetragen wurde der Wechsel u. a. beim Handelsgericht Wien und dem Amtsgericht Berlin-Mitte. Die Dokumente enthalten Originalunterschriften von Alfred de Liagre, Georg Schindler, Willy Vobach sowie mehreren Notaren. Die Unterlagen zeigen eine international aufgestellte Verlagsstruktur (USA, Deutschland, Österreich-Ungarn) und bestätigen die wirtschaftliche Kontinuität des Unternehmens. Das Dossier hat Bedeutung für historische und juristische Fragestellungen im Kontext des NS-Vermögensentzugs. Chronologie des Vorgangs: 13. April 1908, New York – Notarielle Erklärung Alfred de Liagre (Notar Rob. Schwarz, beglaubigt durch das Kgl. Deutsche Konsulat) Mai 1908, Leipzig – Bestätigung durch Georg Schindler (Notar Dr. Grimm) August 1908, Wien – Eintragung am Handelsgericht Mai 1909, Berlin – Antrag auf Eintragung beim Amtsgericht Berlin-Mitte