William Worthy

William Worthy Jr. (* 7. Juli 1921 in Boston, Massachusetts; † 4. Mai 2014 in Brewster, Massachusetts) war ein afroamerikanischer US-amerikanischer Journalist und Bürgerrechtler.

Leben

Frühen Lebensjahren

Worthy wurde in Boston, Massachusetts als Sohn eines wohlhabenden Geburtshelfers geboren. Er absolvierte die Boston Latin High School und erhielt 1942 einen Abschluss in Soziologie vom Bates College in Lewiston, Maine.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde Worthy zu einer eintägigen Gefängnisstrafe verurteilt, weil er sich einer ärztlichen Untersuchung für den Militärdienst entzogen und sich nicht in einem Lager für Kriegsdienstverweigerer gemeldet hatte. 1954 äußerte er sich kritisch gegen die US-amerikanische Aktivitäten in Vietnam, nachdem er 1953 Indochina besucht hatte.

Worthy erhielt durch die Nieman Fellowship ein Stipendium an der Harvard University.[1][2]

Streit um das US-Reiserecht

1955 verbrachte Worthy sechs Wochen in Moskau und interviewte Nikita Chruschtschow. 1956 gelang es ihm mit einem Flugzeug nach Südafrika zu gelangen, allerdings wurde er nach 36 Stunden deportiert. Anschließend reiste er nach China (1956–1957), wo er Zhou Enlai interviewte, und nach Kuba (1961), wo er Fidel Castro interviewte und damit gegen die Reisebestimmungen des US-Außenministeriums verstieß. Als Worthy nach China einreiste, war er der erste amerikanische Reporter seit der kommunistischen Revolution des Landes im Jahr 1949, der das Land besuchte und von dort aus berichtete. Während seines Aufenthalts in China interviewte Worthy Samuel David Hawkins, einen amerikanischen Soldaten, der während des Koreakriegs in chinesische Gefangenschaft geriet. Worthys Reisepass wurde bei seiner Rückkehr aus China in die USA beschlagnahmt. Er versuchte gerichtlich, seinen Reisepass zurückzuerhalten, was jedoch erfolglos blieb.[3][4][5][6]

Ohne Reisepass reiste Worthy in den frühen Tagen Fidel Castros nach Kuba, um über die kubanische Revolution zu berichten. Im Oktober 1961 konnte er in die USA zurückkehren und legte am Flughafen von Miami seine Geburtsurkunde und seinen Impfpass vor. Im April 1962 wurde er jedoch erneut nach Miami vorgeladen, wo er wegen Rückkehr in die Vereinigten Staaten ohne gültigen Reisepass vor Gericht gestellt und verurteilt wurde. Während dieser Zeit wurde er vom FBI überwacht. Er zog wieder vor das Gericht. Das US-Berufungsgericht für den fünften Gerichtsbezirk befand das Vorgehen für verfassungswidrig.[7][8]

Das Committee for the Freedom of William Worthy wurde 1962 gegründet. Vorsitzender waren Asa Philip Randolph und Bischof D. Ward Nichols. In einem Telegramm an Justizminister Robert F. Kennedy schrieben Randolph, James Farmer und James Forman, dass die strafrechtliche Verfolgung gegen Worthy rassistisch sei. Der Folksänger Phil Ochs schrieb ein Lied mit dem Titel The Ballad of William Worthy über Worthys Kubareise und ihre Folgen.[7][9]

Worthy reiste weiterhin nach Nordvietnam, Indonesien, Kambodscha und in den Iran. Erst 1968 erhielt er wieder einen Reisepass. 1981 beschlagnahmte das FBI bei der Rückkehr aus dem Iran das Gepäck von Worthy und zwei weiteren mit ihm arbeitenden Journalisten, Terri Taylor und Randy Goodman. Es enthielt Kopien von CIA-Dokumente. Sie gewannen daraufhin einen Prozess auf Grundlage des vierten Verfassungszusatzes und erhielten 16.000 Dollar Schadensersatz.[10]

Aktivitäten als Bürgerrechtler

Worthy war Bürgerrechtler und Mitglied von Organisationen wie der Fellowship of Reconciliation, der National Association for the Advancement of Colored People oder dem Fair Play for Cuba Committee, die sich für eine ausgewogenere Berichterstattung über Kuba in den US-Medien einsetzte.

1947 nahm er zusammen mit anderen Bürgerrechtlern an der Journey of Reconciliation teil, bei der sie die staatlichen rassistischen Gesetze zur Trennung von Personen nach Hautfarbe im öffentlichen Nahverkehr kritisierten. Diese Aktion inspirierte die späteren Freedom Riders.[7]

In den frühen 1960er Jahren kritisierte er die Bürgerrechtsbewegung offen, weil diese nicht weit genug ging, um Bürgerrechte in allen Lebensbereichen durchzusetzen. William Worthy war einer der wichtigsten politischen Verbündeten von Malcolm X. In den späten 1960er Jahren organisierte Worthy einen Mietstreik gegen ein katholisches Krankenhaus in New York City, das versuchte, Worthys Wohnhaus abzureißen und in einen Parkplatz umzubauen.[2]

Worthy war von 1953 bis 1980 immer wieder Reporter für den Baltimore Afro-American. Er schrieb eine Kolumne und berichtete über Revolutionen im Iran, Kuba und China.[11]

Bildungsarbeit

In den 1970er Jahren wurde er zum Leiter des afroamerikanischen Journalismusprogramms an der Boston University ernannt. Der Präsident der Boston University, John Silber, entließ Worthy jedoch als Leiter des Programms, nachdem Worthy die Boston University-Verwaltung kritisiert und die Campus-Mitarbeiter der Boston University unterstützt hatte, die versuchten, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Nach seiner Entlassung lehrte Worthy Journalismus an der University of Massachusetts Boston. William Worthy und Michael Lindsey unterrichteten gemeinsam den ersten Kurs in kritischem Journalismus. William Worthy lehrte in den 1980er und 1990er Jahren auch an der Howard University. Während des größten Teils der 1990er Jahre bis 2005 lebte Worthy in Washington, D.C., wo er an der School of Communications an der Howard University tätig war und im Vorstand des National Whistleblower Center war.[12]

Am 22. Februar 2008 ehrte die Nieman Foundation Worthy mit dem Louis M. Lyons Award.[12]

Tod

Worthy starb am 4. Mai 2014 im Alter von 92 Jahren in Brewster, Massachusetts. Er litt an der Alzheimer-Krankheit.[13]

Werke

  • Our Disgrace in Indo-China. 1954.
  • The Silent Slaughter: The Role Of The United States In The Indonesian Massacre. With Eric Norden, Andrew March, and Mark Lane. 1967.
  • The Vanguard: A photographic essay on the Black Panthers. With Ruth-Marion Baruch and Parkle Jones. 1970.
  • The Rape of Our Neighborhoods: And How Communities Are Resisting Take-Overs by Colleges, Hospitals, Churches, Businesses, and Public Agencies. 1976.
  • Pampered Dictators and Neglected Cities: The Philippine Connection. 1978.

Einzelnachweise

  1. William Worthy '42. In: Bates Magazine. 29. April 2010, abgerufen am 4. Oktober 2025 (englisch).
  2. a b Herb Boyd: William Worthy—a radical, intrepid journalist and activist. In: New York Amsterdam News. 6. Februar 2020, abgerufen am 4. Oktober 2025 (amerikanisches Englisch).
  3. A Man Worth Heeding | News | The Harvard Crimson. Archiviert vom Original am 3. März 2016; abgerufen am 4. Oktober 2025 (englisch).
  4. William Worthy, a Reporter Drawn to Forbidden Datelines, Dies at 92 (Published 2014). 18. Mai 2014 (nytimes.com [abgerufen am 4. Oktober 2025]).
  5. The Press: Ban Broken. In: TIME.com. (time.com [abgerufen am 4. Oktober 2025]).
  6. Washington Afro-American - Google News Archive Search. Abgerufen am 4. Oktober 2025.
  7. a b c Wayback Machine. Abgerufen am 4. Oktober 2025.
  8. William M. (William Moses) Kunstler: My life as a radical lawyer. Secaucus, N.J. : Carol Pub., 1994, ISBN 978-1-55972-265-0 (archive.org [abgerufen am 4. Oktober 2025]).
  9. Ballad of William Worthy. Abgerufen am 4. Oktober 2025.
  10. Collection: William Worthy papers | Johns Hopkins University Libraries Archives Public Interface. Abgerufen am 4. Oktober 2025.
  11. Lovelace on William Worthy and the Historical Relationship between Civil Rights and Human Rights | Pozen Family Center for Human Rights. 7. Juli 2016, abgerufen am 4. Oktober 2025 (englisch).
  12. a b Wayback Machine. Abgerufen am 4. Oktober 2025.
  13. William Worthy, defiant journalist, dies at 92. In: The Washington Post. 12. Mai 2014, ISSN 0190-8286 (washingtonpost.com [abgerufen am 4. Oktober 2025]).