William H. Ittelson

William H. Ittelson (* 4. Mai 1920 in New York City; † 20. September 2017) war ein US-amerikanischer Psychologe und seit 1997 emeritierter Professor der University of Arizona.[1][2] Er gilt als einer der Begründer der Umweltpsychologie.

Leben

Er wurde als Sohn von Ralph und Julia Ittelson geboren und besuchte die Grund- und Oberschule in Mount Vernon. Sein Studium an der Columbia University schloss er 1942 mit einem Bachelor in Elektrotechnik ab. Während des Zweiten Weltkriegs diente er bei der Marinefliegerstaffel und arbeitete im United States Naval Research Laboratory an der Entwicklung und Perfektionierung von Radarsystemen. Später wurde er in den Südpazifik entsandt, um dort die neuen Radarsysteme zu installieren und die Besatzungen auszubilden. Anschließend kehrte er an die Princeton University zurück, wo er einen Master in Elektrotechnik erwarb. Danach wechselte er sein Studienfach und promovierte (Ph.D.) 1950 dort in Psychologie. Fünf Jahre lang lehrte er an der Universität in Princeton. Von 1955 bis 1975 wechselte er an die City University of New York (CUNY), wo er zunächst am Brooklyn College und später am CUNY Graduate Center lehrte. Seine letzte akademische Station war die University of Arizona. Dort trat er 1975 der Fakultät bei und unterrichtete, obwohl er 1997 offiziell in den Ruhestand ging, weiterhin die Geschichte der Psychologie, da er, wie er sagte, so alt war, dass er die Ereignisse selbst miterlebt hatte.

Werk

Sein früheres Hauptinteresse galt der visuellen Wahrnehmung und den Wahrnehmungstäuschungen, die in einem Ames-Raum auftreten. Sein Forschungsspektrum war später breit gefächert und interdisziplinär und er untersuchte etwa auch die Frage, warum Spiegel Bilder an der vertikalen statt an der horizontalen Achse umkehren bis hin zu seiner wegweisenden Studie darüber, wie die räumliche und architektonische Umgebung psychiatrischer Stationen die Symptomausprägung bei psychotischen Patienten beeinflusst. Er gilt damit als einer der Begründer der Umweltpsychologie und konzentrierte sich allgemein darauf, wie unsere Umwelt Kognition und Verhalten beeinflusst.

Auch nach seinem offiziellen Ausscheiden aus der akademischen Welt veröffentlichte er weiterhin, darunter eine Aufsatzsammlung, die im September 2017 unter dem Titel „Thoughts about Thinking“ erschien. In diesem Buch fordert er uns auf, hinter die Fassade zu blicken, unsere gewohnten Perspektiven zu hinterfragen und uns mit den großen Fragen auseinanderzusetzen: Wie nehmen Menschen und andere Organismen die Welt wahr? Wie erschaffen sie mentale Repräsentationen dieser Welt? Wie teilen sie diese mit anderen?

Privates

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges lernte er die Künstlerin und Ergotherapeutin Martha Lane kennen, die ursprünglich aus Santa Fe, New Mexico, stammte und damals in Modesto, Kalifornien, verwundete Soldaten mit ihren ergotherapeutischen Kompetenzen rehabilitierte. Die beiden heirateten 1946, und Martha arbeitete weitere zehn Jahre als Ergotherapeutin, bevor sie sich ihrer immer erfolgreicher werdenden Karriere als bildende Künstlerin widmete. Mit seiner Frau war er 52 Jahre verheiratet (* 1998). Das Ehepaar hatte den Sohn Lane.

Publikationen (Auswahl)

Monografien
Herausgeberschaften
  • Environment and cognition. Seminar Press, Cambridge 1973.
  • Mit Samuel B. Kutash; Leonard Abramson; Bernard Seidenberg: Perceptual changes in psychopathology. Rutgers University Press, New Brunswick 1961.
Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge
  • Mit Lyn Mowafy; Diane Magid: The Perception of Mirror-Reflected Objects. In: Perception, 1991, 20 (5), S. 567–84.
  • Notes on Theory in Environment and Behavior Research. In: E. H. Zube; G. T. Moore (Hrsg.): Advance in Environment, Behavior, and Design (Vol 2.) Springer, Boston, MA. 1989, ISBN 978-1-4612-8047-7. Print ISBN 978-1-4612-8047-7.
  • Ittelson, W. H. Environmental Perception and Urban Experience. In: Environment and Behavior, 1978,10 (2), S. 193–213.
  • Mit K. A. Ftranck; T. J. O'Hanlon: The nature of environmental experience. In: S. Wapner; S. G. Cohen; B. Kaplan (Hrsg.): Experiencing the Environment. Plenum, New York 1976, ISBN 978-0-306-30873-4.
  • Notes on environmental change. In W. H. Ittelson; T. O'Hanlon; K. A. Franck; C. T. Unseld: Toward a Theory of Environment and Behavior. CUNY Environmental Psychology Program, New York 1975.
  • "Environmental perception and contemporary perceptual theory." In W. H. Ittelson (Hrsg.): Environment and Cognition. Academic Press Inc, New York 1973, ISBN 978-0-12-853550-9.
  • Mit H. M. Proshansky; L. G. Rivlin: (1972). Freedom of choice and behavior in a physical setting. In: J. F. Wohlwill; D. H. Carson (Hrsg.): Environment and the social sciences: Perspectives and applications (pp. 29–43). American Psychological Association, Washington DC. 1972.
  • Visual perception of markings. In: Psychonomic Bulletin & Review, 1996, 3 (2), S. 171–187.
  • Mirror Reversals: Real and Perceived. In: Perception, 1993, 22 (7), S. 855–861.

Einzelnachweise

  1. In Memorandum: William H. Ittelson, abgerufen am 3. November 2025.
  2. William H. Ittleson (!) May 4th, 1920 - September 20th, 2017, abgerufen am 3. November 2025.