William Bardeen
William Allan Bardeen (* 15. September 1941 in Washington, Pennsylvania; † 18. November 2025 in Warrenville, Illinois[1]) war ein US-amerikanischer theoretischer Physiker.
Leben
Bardeen studierte an der Cornell University (Abschluss 1962) und wurde 1968 an der University of Minnesota promoviert. Danach war er an der State University of New York at Stony Brook und 1968/9 am Institute for Advanced Study in Princeton, bevor er als Assistant und dann Associate Professor an die Stanford University ging. Ab 1975 war er am Fermi National Accelerator Laboratory (Fermilab), wo er die theoretische Abteilung leitete. 1993/4 war er auch Leiter der theoretischen Abteilung des geplanten Superconducting Super Collider (SSC), bevor dieser eingestellt wurde. Er war als Gastwissenschaftler u. a. am Max-Planck-Institut für Physik und Astrophysik in Garching bei München, am CERN, am Tata Institute of Fundamental Research, an der Universität Paris, dem Institut of Theoretical Physics in Santa Barbara und am Research Institute for Fundamental Physics in Kyōto.
1985 war er Guggenheim Fellow und 1996 erhielt er den Sakurai-Preis. Außerdem war er von 1971 bis 1974 Sloan Research Fellow und erhielt 1977 den Senior Scientist Award der Alexander-von-Humboldt-Stiftung. Er war ab 1998 Mitglied der American Academy of Arts and Sciences und ab 1999 der National Academy of Sciences. 2008 wurde er zum Fellow der American Association for the Advancement of Science gewählt. 2002 wurde er Ehrendoktor der University of Minnesota.[2]
Bardeen war ein Sohn des Physikers und Nobelpreisträgers John Bardeen. Sein Bruder James M. Bardeen (1939–2022) war Professor für Astrophysik an der University of Washington. William Bardeen war ab 1961 verheiratet und hatte einen Sohn und eine Tochter.
Werk
Bardeen wurde vor allem für seine Arbeiten über Anomalien (Diagramme der quantisierten Theorie, die die Symmetrie der entsprechenden klassischen Theorie brechen) in der Quantenfeldtheorie (QFT) bekannt. Er war einer der Entdecker der Axialvektor-Anomalie[3] von Fermionen-Strömen, die er als erster auch für nicht-abelsche Eichtheorien behandelte,[4] und bewies für diese Anomalien mit Stephen Adler das Nicht-Vorhandensein störungstheoretischer Korrekturen („Adler-Bardeen-Theorem“).[5] Damit zeigten sie die grundlegende Natur dieser Anomalien auf, die nicht durch Diagramme höherer Ordnung zum Verschwinden gebracht werden können. Er leistete auch wichtige Beiträge zur störungstheoretischen Quantenchromodynamik und zu Theorien des dynamischen Bruchs der Symmetrie der elektroschwachen Wechselwirkung des Standardmodells und untersuchte Theorien mit Axionen.
Weblinks
- Literatur von und über William Bardeen im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- William Bardeen auf der Website des Fermilab
- William A. Bardeen. In: Physics History Network. American Institute of Physics (englisch)
- 1996 J.J. Sakurai Prize for Theoretical Particle Physics Recipient: William Allan Bardeen. APS, abgerufen am 28. Oktober 2018.
- Eintrag zu William A. Bardeen in der Datenbank zbMATH
Einzelnachweise und Anmerkungen
- ↑ Obituary. In: friedrichjones.com. November 2025, abgerufen am 20. November 2025 (englisch).
- ↑ William A. Bardeen: Honorary Degree Recipient. University of Minnesota, abgerufen am 4. Februar 2018 (englisch).
- ↑ William A. Bardeen: Anomalous Ward Identities in Spinor Field Theories. In: Physical Review. Band 184, Nr. 5, 1969, S. 1848–1859, doi:10.1103/physrev.184.1848.
- ↑ die „anomale“ Divergenz des Axialvektorstroms (chiraler Strom) ist durch einen Ausdruck nur aus den Eichfeldern gegeben. Falls die chirale Symmetrie erhalten wäre, würde die Divergenz des Axialstroms verschwinden.
- ↑ Stephen L. Adler, William A. Bardeen: Absence of Higher-Order Corrections in the Anomalous Axial-Vector Divergence Equation. In: Physical Review. Band 182, Nr. 5, 1969, S. 1517–1536, doi:10.1103/physrev.182.1517.