Wilhelm von Weiler
Wilhelm von Weiler (* 20. Juni 1807[1][2] oder 21. Dezember 1809[3] in Mannheim; † 17. April 1878 in Karlsruhe; vollständiger Name: Wilhelm Anton Ignaz Philipp Leopold Aloys von Weiler) war ein deutscher Bauingenieur und Architekt, der als Baubeamter im Königreich Griechenland und im Großherzogtum Baden wirkte.
Leben
Herkunft
Wilhelm von Weiler war ein Sohn des Wirklichen Geheimen Rats[3] und Staatsrats[2] Georg von Weiler (1776–1835) und dessen Ehefrau Amalie von Weiler geb. von Schmalz († 1817), er entstammte damit einer 1745 nobilitierten und 1790 in den Freiherrnstand erhobenen Briefadelsfamilie.[3]
Wirken in Griechenland
Als junger Mann verbrachte von Weiler einige Jahre im Königreich Griechenland. Dieses hatte sich nach jahrhundertelanger osmanischer Fremdherrschaft, einem blutigen Unabhängigkeitskrieg und einer kurzen republikanischen Phase 1832 konstituiert. Athen wurde zwar 1834 zur Hauptstadt ernannt, lag allerdings größtenteils in Trümmern und hatte nur noch etwa 4000 Einwohner. König Otto gab zahlreiche klassizistische Bauten in Auftrag und ließ die Stadt durch westliche Architekten systematisch ausbauen und neu gestalten. Von Weiler diente als Ingenieur-Oberleutnant und -Hauptmann[4] im königlich griechischen Geniekorps und verantwortete 1834 sowohl den Entwurf als auch den Bau des Athener Militärhospitals (auch „Weiler-“ oder „Makrygiannis-Gebäude“ genannt[5]), des ersten öffentlichen Gebäudes der neuen Stadt.[6] Im August des gleichen Jahres übernahm er die Bestandsaufnahme des Athener Situations-Plans, in den er auch die wichtigsten Straßenfluchten der zwei damals bestehenden Bauprojekte (von Stamatios Kleanthis und Eduard Schaubert sowie von Leo von Klenze) einzeichnete.[7][8] Mit Entschließung vom 5. März 1836 wurde die zukünftige Umsetzung des Stadtplans in die Verantwortung der Gemeinde gelegt und sollte vom Stadtarchitekten Schaubert unter der Beaufsichtigung des Innenministeriums durchgeführt werden, woraufhin man von Weiler von seinen Pflichten entband.[9]
In den darauffolgenden Jahren arbeitete er als Kreisingenieur auf den Kykladen.[10] Dort wurden in Ermoupoli, dem Hauptort der Insel Syros, nach seinen Plänen zunächst die Volksschule[11] sowie anschließend zwischen 1839 und 1842 eine Quarantänestation errichtet.[10][12] Außerdem leitete er auf der Insel Paros ein Entwässerungsprojekt.[13] Rückblickend gehörte Wilhelm von Weiler – neben Karl Friedrich Schinkel, Theophil von Hansen, Leo von Klenze, Eduard Schaubert, Ernst Ziller und Hans Christian Hansen – zu jenen Architekten, die „mit ihren Bauten die Morphologie des Bauens im freien Griechenland [prägten].“[12]
Tätigkeit in Deutschland
Nach seiner Rückkehr ins Großherzogtum Baden übertrug man ihm zunächst provisorisch und ab Mai 1843 als Festanstellung den Inspektionsdienst für den Wasser- und Straßenbau im Bezirk Bruchsal und Umgebung.[3][14] Am 5. August 1846 wurde er zum Bahningenieur und Vorstand der in Heidelberg ansässigen Verwaltung der Main-Neckar-Eisenbahn-Gesellschaft ernannt.[15] Diese Position hatte er für den Rest seines Berufslebens inne. Am 21. November 1856 wurde er zum Oberingenieur befördert[16] und am 8. Februar 1867 vom badischen Großherzog Friedrich I. in den Ruhestand versetzt.[17]
Von Weiler war auch naturkundlich interessiert und gehörte im August 1871 zu den zwölf Gründungsmitgliedern des Oberrheinischen Geologischen Vereins.[1]
Auszeichnungen
- 29. Dezember 1845: Ernennung zum großherzoglich badischen Kammerjunker[18]
- 6. Februar 1849: Ritterkreuz des großherzoglich hessischen Verdienstordens Philipp des Großmütigen[19]
- 9. Februar 1854: Ernennung zum großherzoglich badischen Kammerherrn[20]
- Ritterkreuz des königlich griechischen Erlöser-Ordens[3]
Einzelnachweise
- ↑ a b Informationen zur Gründungsgeschichte des Oberrheinischen Geologischen Vereins auf dessen offizieller Website. Abgerufen auf ogv-online.de am 11. Februar 2024.
- ↑ a b Gothaisches Genealogisches Handbuch der Freiherrlichen Häuser. 39. Jahrgang 1889, S. 967.
- ↑ a b c d e Friedrich Cast: Süddeutscher Adelsheros. Zweite Section. Erster Band. J. F. Cast’sche Buchhandlung, Stuttgart 1845, S. 343.
- ↑ Verordnung, die Eintheilung der Offiziere in das Ingenieur- und Pionier-Corps betreffend. In: Regierungs-Blatt des Königreiches Griechenland, Nr. 50 (vom 7. August 1838), S. 139.
- ↑ Chryssoula Kambas, Marilisa Mitsou (Hrsg.): Die Okkupation Griechenlands im Zweiten Weltkrieg. Griechische und deutsche Erinnerungskultur. (= Griechenland in Europa, Kultur – Literatur – Geschichte, Band 1.) Böhlau Verlag, Köln u. a. 2015, ISBN 978-3-412-22467-7, S. 76.
- ↑ Adrian von Buttlar: Das neue Hellas. Griechen und Bayern zur Zeit Ludwigs I. Hirmer, München 1999, ISBN 3-7774-8490-3, Seite 90.
- ↑ Alexander Papageorgiou-Venetas: Hauptstadt Athen. Ein Stadtgedanke des Klassizismus. Deutscher Kunstverlag, München / Berlin 1994, ISBN 3-422-06102-9, S. 164.
- ↑ Alexander Papageorgiou-Venetas: Eduard Schaubert 1804–1860. Der städtebauliche Nachlass zur Planung der Städte Athen und Piräus. Bibliopolis, Mannheim u. a. 2001, ISBN 3-933925-21-5, S. 32.
- ↑ Olga Fountoulakis: Deutsche Architekten im Griechenland des 19. Jahrhunderts. Eptalofos, Athen 2020, ISBN 978-618-84978-0-1, S. 227.
- ↑ a b Olga Fountoulakis: Deutsche Architekten im Griechenland des 19. Jahrhunderts. Eptalofos, Athen 2020, ISBN 978-618-84978-0-1, S. 195 f.
- ↑ Helmut Riedl: Franz Grillparzers griechische Landschaftserlebnisse und seine Quarantäne auf der Kykladeninsel Syros. In: Hellenika. Jahrbuch für griechische Kultur und deutsch-griechische Beziehungen, Neue Folge, Band 16. Lit Verlag, Münster 2021, ISBN 978-3-643-99711-1, S. 47–69.
- ↑ a b Dimitris Manikas: Beiträge zur Baukunst 1968–2006. Böhlau Verlag, Köln u. a. 2006, ISBN 3-205-77470-1, S. 11.
- ↑ Olga Fountoulakis: Deutsche Architekten im Griechenland des 19. Jahrhunderts. Eptalofos, Athen 2020, ISBN 978-618-84978-0-1, S. 198.
- ↑ Dienst-Nachrichten. In: Großherzoglich Badisches Staats- und Regierungs-Blatt, Nr. 13 (vom 12. Mai 1843), S. 104.
- ↑ Dienstnachrichten. In: Großherzoglich Badisches Regierungs-Blatt, Nr. 31 (vom 19. August 1846), S. 184.
- ↑ Dienstnachrichten. In: Großherzoglich Badisches Regierungs-Blatt, Nr. 49 (vom 6. Dezember 1856), S. 431.
- ↑ Dienstnachrichten. In: Großherzoglich Badisches Regierungs-Blatt, Nr. 8 (vom 21. Februar 1867), S. 52.
- ↑ Dienstnachrichten. In: Großherzoglich Badisches Regierungs-Blatt, Nr. 2 (vom 24. Januar 1846), S. 11.
- ↑ Erlaubniß zur Annahme von Orden. In: Großherzoglich Badisches Regierungs-Blatt, Nr. 6 (vom 16. Februar 1849), S. 72.
- ↑ Dienstnachrichten. In: Großherzoglich Badisches Regierungs-Blatt, Nr. 7 (vom 2. März 1854), S. 39.