Wilhelm von Baillou

Reichsfreiherr Wilhelm von Baillou (* 23. Februar 1815 in Hustopetsch an der Betschwa; † 10. oder 11. Juli 1890 in Pressburg) war ein österreichischer Feldmarschallleutnant.

Leben

Herkunft und Familie

Wilhelm von Baillou entstammte einer Familie französischen Uradels. Die Freiherren von Baillou erwarben 1799 die Herrschaft Hustopetsch an der Betschwa. Wilhelm wurde am 23. Februar 1815 in diesem Familienbesitz geboren. Sein Vater, Joseph Johann von Baillou (* 27. Oktober 1775 in Wien; † 13. Juli 1842 in Hustopetsch an der Betschwa)[1], stammte aus Wiener Kreisen, während seine Mutter Maria Antonia (* 9. Januar 1785 in Neuhübel bei Stauding; † 23. Dezember 1829 in Hustopetsch an der Betschwa), eine Tochter des Freiherrn Felix von Sobeck von Kornitz (1746–1787)[2] war. Wilhelm wuchs mit drei Brüdern in diesem Familienkreis auf.

Wilhelm trat in zwei Ehen. In seiner ersten Ehe heiratete er am 10. Dezember 1842 in Kaschau die Gräfin Gisela (* 22. Januar 1825; geb. Hadik von Futak); aus dieser Verbindung stammte ein Kind.[3] Die Ehe wurde jedoch am 27. August 1859 geschieden.[4]

In zweiter Ehe ehelichte er die siebenunddreißig Jahre jüngere Karoline Frantich (* 30. Dezember 1852 in Wien); auch dieser Ehe entstammte ein Kind.[5]

Frühe militärische Laufbahn

Baillou trat 1833 aus der Wien-Neustädter Militär-Akademie als Fähnrich in das Infanterieregiment Graf St. Julien Nr. 61[6] ein. Diese Akademie war die Ausbildungsstätte für den habsburgischen Offiziernachwuchs und bereitete ihn auf seine lange Dienstzeit vor. Im Laufe der folgenden Jahre stieg er kontinuierlich in den Rängen auf: 1840 wurde er zum Oberleutnant befördert, bevor er 1848 den Rang eines Hauptmanns im Infanterieregiment Roßbach Nr. 40[7] erreichte.

Die italienischen Feldzüge von 1848 bis 1849

Das Jahr 1848 markierte einen Wendepunkt in Baillous militärischer Karriere. Im Rahmen der österreichischen Kampagnen zur Sicherung der italienischen Gebiete machte er unter dem Feldzeugmeister Ludwig von Welden den Feldzug in Italien (siehe Italienische Unabhängigkeitskriege) mit. Während dieser Operationen zeichnete sich Baillou durch besondere Tapferkeit aus. Am 8. August 1848 erstürmte er als Freiwilliger mit nur 2 Kompanien die Porta Galliera vor Bologna gegen eine fünffache Übermacht und erlitt dabei zwei schwere Verwundungen. Für diese außergewöhnliche Tapferkeit erhielt er das Militärverdienstkreuz, eine bedeutende Auszeichnung der österreichischen Armee. Nach seiner Genesung folgte er dem Feldzug weiter und nahm an der Belagerung von Malghera und Venedig teil, wo die österreichischen Streitkräfte ihre Kontrolle über die venezianischen Territorien wiederherstellten.

Karriere in der Friedenszeit

Nach den Wirren der revolutionären Jahre übernahm Baillou, der am 7. August 1854 vom Infanterieregiment Strasoldo Nr. 61 transferiert wurde, das Kommando des 4. Bataillons als Major. 1856 wurde er in das Infanterieregiment Freiherr von Sivkovich Nr. 41[8] versetzt. Diese Jahre waren geprägt von Reorganisationen und Reformen innerhalb der österreichischen Armee während der relativ friedlichen Phasen zwischen 1849 und 1859.

Der Zweite Italienische Unabhängigkeitskrieg

1859 kam es erneut zur militärischen Auseinandersetzung in Italien. Baillou war mit dem inzwischen umbenannten Infanterieregiment Freiherr Kellner Nr. 41[9] am Zweiten italienischen Unabhängigkeitskrieg, auch Sardinischer Krieg genannt, beteiligt. Am 1. März 1860 wurde Baillou zum Oberstleutnant befördert, und am 19. April 1865 erreichte er den Rang eines Obersts.

Der Feldzug gegen Preußen von 1866 und die Schlacht von Königgrätz

Als Oberst erhielt Baillou das Kommando über das Infanterie-Regiment Graf Khevenhüller-Metsch Nr. 35.[10][11] In dieser Position führte er sein Regiment 1866 im 1. Armeekorps während des Feldzuges gegen Preußen (siehe Deutscher Krieg) an – einem Konflikt, der die europäische Ordnung grundlegend verändern sollte. Während der Schlacht bei Gitschin und insbesondere der katastrophalen Schlacht bei Königgrätz, die zur österreichischen Niederlage führte, bewies Baillou militärische Kompetenz und Tapferkeit. Für seine Leistungen in diesen entscheidenden Gefechten erhielt er am 3. Oktober 1866 den Orden der Eisernen Krone, III. Klasse,[12] eine der höchsten Auszeichnungen der Habsburgermonarchie.

Späte Karriere und Ruhestand

Nach dem krisengeschüttelten Jahr 1866 wurde Baillou am 29. Oktober 1870 zum Generalmajor befördert und zum Kommandanten der 1. Brigade in der XXX. Infanterie-Truppen-Division ernannt. 1873 erfolgte seine Versetzung als Kommandant zur XII. Infanterie-Truppen-Division, wo er bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand blieb. Bei seiner Verabschiedung am 1. Juli 1876 wurde ihm der Charakter eines Feldmarschallleutnants verliehen.

Baillou verbrachte seine letzten Jahre im Ruhestand und starb am 11. Juli 1890 in Pressburg.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Henri Frebault: Joseph Johann von Baillou (1775-1842). Noblesse Européenne - European Nobility. In: Genealogie Online. Abgerufen am 22. November 2025.
  2. Ahnentafeln und Stammbäume. 1929, abgerufen am 22. November 2025.
  3. Johann Svoboda: Die Theresianische Militär-Akademie zu Wiener-Neustadt: und ihre Zöglinge von der Gründung der Anstalt bis auf unsere Tage. Hof- und Staatsdruckerei, 1894 (google.de [abgerufen am 22. November 2025]).
  4. Entscheidungen des k. k. obersten Gerichtshofes - Nichtigkeitserklärung der Ehe. In: Allgemeine Österreichische Gerichtszeitung. 1. März 1887, abgerufen am 22. November 2025.
  5. Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser. 1897 (google.de [abgerufen am 22. November 2025]).
  6. August Hofmann von Donnersberg: Geschichte des k. u. k. Infanterie-Regimentes Nr. 61: 1798-1892. Kreisel & Gröger, 1892 (google.de [abgerufen am 23. November 2025]).
  7. Infanterie-Regiment Nr. 40. Abgerufen am 23. November 2025.
  8. Jaromir Formanek: Geschichte des k. k. Infanterie-Regiments Nr. 41, derzeit Josef Freiherr Vecsey de Vecse et Böröllyö-Iságfa, k. k. Feldmarschall-Lieutenant. Czernowitz : Druck und Verlag der H. Czopp'schen Buchdruckerei, 1887 (archive.org [abgerufen am 22. November 2025]).
  9. Infanterie-Regiment Nr. 41. Abgerufen am 22. November 2025.
  10. Infanterie-Regiment Nr. 35. Abgerufen am 22. November 2025.
  11. Josef May: Geschichte des Kaiserlich-und-Königlichen Infanterie-Regimentes No. 35. Maasch, 1901 (google.de [abgerufen am 22. November 2025]).
  12. Österreich-Ungarn, Österreich-Ungarn Hofstaat: Handbuch des Allerhöchsten Hofes und des Hofstaates seiner K. u. K. Apostolischen Majestät: für das Jahr 1884. Verlag d. K. K. Hof- und Staatsdruckerei, 1884 (google.de [abgerufen am 22. November 2025]).