Wilhelm Vilmar (Theologe)

Jakob Wilhelm Georg Vilmar (* 4. Juni 1804 in Solz (heute Ortsteil von Bebra); † 7. Dezember 1884 in Melsungen) war ein deutscher evangelischer Theologe.[1]

Leben und Wirken

Wilhelm Vilmar, ein Sohn des Pfarrers Johann Georg Vilmar (1766–1846) und jüngerer Bruder des Theologen August Vilmar, besuchte bis 1822 das Gymnasium in Hersfeld. Anschließend studierte er Evangelische Theologie an der Universität Marburg. Nach dem Abschluss seines Studiums arbeitete er dann von 1826 bis 1830 als Erzieher des Prinzen Heinrich von Hohenlohe-Langenburg, zunächst in Gotha und anschließend in Leipzig, wo sein Schüler die Universität besuchte. An der Universität Leipzig betrieb auch Vilmar Studien im Bereich der Klassischen Philologie und neueren Sprachen.

Im Jahre 1830 trat Vilmar den Dienst als zweiter evangelischer Pfarrer in Rotenburg an der Fulda an. 1851 übernahm er als „Metropolitan“ eine leitende Pfarrstelle in Melsungen, ein Amt, in dem er zugleich die Aufsicht über andere Pfarrer der Region innehatte. Dieses Amt wurde ihm 1868 von der hessischen Kirchenleitung entzogen, 1869 vorübergehend auch das Pfarramt selbst, weil er sich gegen Veränderungen in der Kirchenverfassung einsetzte. Hintergrund war, dass das Kurfürstentum Hessen nach dem preußisch-österreichischen Krieg von 1866 an Preußen gefallen war und die Kirchenleitung im Verdacht stand, eine Vereinigung der verschiedenen protestantischen Richtungen („Union“) nach preußischem Vorbild einführen zu wollen. Ab 1873 durfte er kurzzeitig wieder predigen, wurde aber noch im selben Jahr zusammen mit gut 40 weiteren Pfarrern (darunter auch sein Bruder August) abgesetzt, die sich weigerten, das Gesamtkonsistorium anzuerkennen, das nach dem Beschluss der Kirchenleitung an die Stelle der drei konfessionell getrennten Provizialkonsistorien getreten war.

Die abgesetzten Pfarrer bildeten mit Teilen ihrer Gemeinden die Renitente Kirche ungeänderter Augsburgischer Konfession in Hessen. Vilmar blieb bis zu seinem Tod Pfarrer dieser Freikirche in Melsungen und widersetzte sich allen Bestrebungen, die Kirche mit anderen altlutherischen Kirchen in benachbarten Territorien zu vereinigen.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Die protestantische Lehre von der Rechtfertigung durch den Glauben. Bohné, Kassel 1838.
  • Was faßt der biblische Begriff der Sünde in sich, und gibt es nach diesem eine Erbsünde? Bohné, Kassel 1840.
  • Die Kurhessische Kirche. Eine vorläufige Antwort auf eine Conventsfrage. Bohné, Kassel 1845.
  • Protestantismus und Christenthum. Mühlmann, Halle 1847.
  • Die Niederhessische Pastoralconferenz auf dem Grunde der ungeänderten Augsburgischen Confession zur Verständigung mit seinen Freunden. Trömner & Dietrich, Kassel 1863.
  • Die Hessischen Kirchen-Ordnungen vom Jahre 1657 in ihrem Zusammenhang und ihrer Bedeutung für die Gegenwart. Völcker, Frankfurt/M. 1867 (Volltext).
  • Der gegenwärtige Kampf der hessischen Kirche um ihre Selbständigkeit mit Rücksicht auf das in ihr hervorgetretene Zeugniß vom geistlichen Amt. Hühn, Kassel 1871.
  • Inwiefern nennt sich das Haus Hessen-Cassel reformiert? Selbstverlag, Melsungen 1878.
  • Meine amtliche Rechtsstellung in der hessischen Kirche als Träger des geistlichen Amtes auf Grund des unbeweglichen Rechtsbestandes der hessischen Kirchenordnungen vom Jahre 1657. Klaunig, Kassel 1883.

Außerdem zahlreiche Artikel und Kleinschriften über die Auseinandersetzung in der hessischen Kirche.

Literatur

  • Klaus Engelbrecht: Um Kirchentum und Kirche. Metropolitan Wilhelm Vilmar (1804–1884) als Verfechter einer eigentümlichen Kirchengeschichtsdeutung und betont hessischen Theologie (= Europäische Hochschulschriften, Reihe 23, Bd. 235). Lang, Frankfurt/M. 1984, ISBN 3-8204-7826-4.

Einzelnachweise

  1. Metz: Vilmar, Jakob Wilhelm. In: Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 39 (1895), S. 725–728. Außerdem die unter Literatur genannte Monographie von Klaus Engelbrecht (mit biografischen Daten u. Schriftenverzeichnis).