Wilhelm Sophus Andreas von Rosen

Wilhelm Sophus Andreas von Rosen (* 15. Mai 1820 in Plön; † 17. Juli 1866 in St. Croix, Jungferninseln) war ein dänischer Arzt, Forschungsreisender und Politiker.

Medizinische Laufbahn

Rosen gehörte zur (I.) Pommerschen (schleswig-holstein-schlesischen) Linie seines Adelsgeschlechtes von Rosen,[1] deren Vorfahren ab 1662 aus Stralsund nachweisbar sind. Die Familie war nicht mit dem bekannten deutsch-baltischen Adelsgeschlecht von Rosen stammesverwandt, führte aber das gleiche Wappen.

Seine Eltern waren der Oberförster, Kammer-, Forst- und Jagdjunker im Holstein Conrad Adam Johann von Rosen und Birgitte Catharina geb. de Fisker. Ab 1836 besuchte er die Sorø Akademi und studierte anschließend Medizin an der Universität Kopenhagen. Bereits als junger Student bewies er seine literarischen Fähigkeiten durch einen ausführlichen Artikel über die Mängel der Sorø Akademi in der nationalliberalen Tageszeitung Fædrelandet (1842).

Rosen war einige Zeit als Kandidat am Almindelig Hospital (deutsch: Allgemeines Krankenhaus) tätig, bevor er 1844 das ärztliche Examen abgelegte. Von 1845 bis 1847 begab er sich dann als erster Assistenzarzt an Bord der Galathea auf die erste Weltumsegelung eines dänischen Schiffes. Hierbei fungierte er auch als Assistent des Kommandanten Steen Andersen Bille und war an der Erstellung seines umfangreichen Reiseberichts beteiligt, der 1852 auch in einer gekürzten deutschen Übersetzung und im folgenden Jahr in einer eigenständigen Bearbeitung auf Dänisch veröffentlicht wurde.

Während der Schleswig-Holsteinischen Erhebung von 1848 bis 1850 diente Rosen zunächst als Chefarzt des Schiffes und übernahm 1851 von Hjaltelin die Stelle des Arztes an der Klampenborg Vandkur-, Brønd- und Søbadeanstalt. Sein etwas streitlustiges Temperament, das ihn bereits 1853 in einen heftigen Streit mit den Fischern von Taarbæk am Öresund über Quacksalbermittel gegen Cholera verwickelte, brachte ihm in seiner neuen Position viele Schwierigkeiten mit der Aktiengesellschaft ein, insbesondere da die Institution wirtschaftliche Probleme hatte und keine Gewinne erzielen konnte. Für kurze Zeit amtierte er selbst als Vorstandsvorsitzender, trat aber 1859 von allen Ämtern zurück und leitete gleichzeitig einen Rechtsstreit mit der Aktiengesellschaft ein. Im selben Jahr promovierte er mit der umfangreichen Dissertation: Über die Nachkommen der Syphilitiker und über die Entstehung der angeborenen Syphilis; mit einer Einführung in den Begriff der Syphilis. Kurze Zeit arbeitete er als Privatarzt in Kopenhagen und in Taarbæk, bis er 1861 Bezirksarzt in Kopenhagen wurde.

Politiker

Zu diesem Zeitpunkt hatte er sich als leidenschaftlicher Anhänger des dänischen Gesamtstaats bereits der Politik zugewandt und kandidierte in den Wahlen 1861 für den Wahlkreis des Distrikts Lyngby erfolgreich für einen Sitz im dänischen Parlament Folketing. Er saß nun drei Sitzungsperioden im Parlament, wo er zunächst versuchte, eine Gruppe von „Unabhängigen“ zu bilden, sich dann aber allmählich der von Anton Frederik Tscherning geführten, liberalen Venstre-Partei anschloss. Mit zunehmender Vehemenz ging die Partei in der Folge gegen die nationalliberale Eiderpolitik vor. 1864 wurde er nicht wiedergewählt, trat aber 1865 für den Bezirk Sorø in das sog. Rigsrådets Folketing ein, das 1864 quasi als Unterhaus des Parlaments gegründet worden war, um sich mit den gemeinsamen Angelegenheiten des Königreichs Dänemark und des Herzogtums Schleswig zu befassen. Auch hier setzte den Kampf gegen den Nationalliberalismus in Zeitschriftenartikeln und Broschüren fort, weshalb er auch von der herrschenden Kopenhagener Presse gemieden wurde. 1864 wurde er in der dänischen Zeitung Dagbladet so schwer verleumdet, dass er Klage gegen den Herausgeber einreichte. 1864 veröffentlichte er anonym in Wien den Artikel Die schleswig-holsteinische und die dänisch-deutsche Frage, in der er zwar die Rechte Dänemarks geltend machte, gleichzeitig aber die Regierung Hall II und ihre eiderdänische Konfrontationspolitik aufs heftigste angriff. 1863 hatte er eine kleine historische Abhandlung veröffentlicht: Griechenland seit seiner Befreiung und Prinz Wilhelm als König der Griechen. Während dieser Jahre der politischen Auseinandersetzung wurde seine Gesundheit durch eine Lungenkrankheit zunehmend geschwächt. In einem mittlerweile hoffnungslos kranken und allgemein desolaten Zustand erhielt er 1866 eine Anstellung als Krankenhaus- und Gefängnisarzt auf St. Croix, zu dieser Zeit noch Teil von Dänisch-Westindien, und als Armenarzt in Christiansted. Sechs Wochen nach seiner Ankunft in Dänisch-Westindien starb er am 17. Juli 1866.

Auf seinem Grabstein steht:

“Her hviler WILHELM SOPHUS ANDREAS von ROSEN Dr. med. Ridder af DBG. født den 15 Mai 1820 i Pløen, død 17. Juli 1866 paa St. Croix. Og naar jeg er gaaen bort, og faaer beredt Eder Sted, kommer jeg igjen og vil tage Eder til mig, at hvor jeg er, skulle ogsaa I være.”

„Hier ruht WILHELM SOPHUS ANDREAS von ROSEN Dr. med. Ritter des Ordens des Heiligen Römischen Reiches, geboren am 15. Mai 1820 in Pløen, gestorben am 17. Juli 1866 auf St. Croix. Und wenn ich fortgegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, werde ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin. (Johannes 14, Vers 1-3.)“

Inschrift auf seinem Grabstein[2]

Rosen war Ritter des Dannebrogordens.

Ehe

1861 heiratete er Marie Cathinka Emma Fabricius, die am 20. Februar 1837 in Athen geborene Tochter von Oberstleutnant Christoph Heinrich Ditlev Fabricius. Nach dem Tod ihres Mannes widmete sie sich in Wien der Krankenpflege, sowohl praktisch als auch literarisch, unterstützt von Professor Billroth. Während des Russisch-Osmanischen Krieges (1877–1878) arbeitete sie in Lazaretten und fand später eine Anstellung in zivilen Krankenhäusern im Orient. 1883 veröffentlichte sie in Kopenhagen eine Broschüre über Kindererziehung.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil B (Briefadel). 1937. 29. Jg., Justus Perthes, Gotha 1936, S. 474–483. (Insbesondere S. 482). Siehe: FamilySearch (Kostenfrei).
  2. Webpage: Historical Danish Cemetries of the United States Virgin Islands (Former Danish West Indies). Grabstein in Saint Croix