Wilhelm Sagel
Wilhelm Eduard Heinrich Sagel (* 27. Februar 1880 in Yokohama; † 1954 in Pirna) war ein deutscher Psychiater, Mitarbeiter des Rassenpolitischen Amtes der NSDAP[1] und Anstaltsdirektor. Als Leiter der Anstalt Arnsdorf war Sagel an den Krankenmorden in der Zeit des Nationalsozialismus beteiligt.
Leben
Nach seinem Medizinstudium an der Universität Leipzig, das er zwischen 1899 und 1904 absolvierte, wurde er approbiert und zum Dr. med. promoviert. Seit 1905 im Dienst sächsischer Landesanstalten arbeitete er ab 1913/14 als Anstaltsarzt in der Landes-Heil- und Pflegeanstalt Arnsdorf. Während des Ersten Weltkriegs war er von 1914 bis 1919 als Arzt tätig, zuletzt als Stabsarzt in der zum Reservelazarett umfunktionierten Anstalt Arnsdorf.[2]
Von 1918 bis 1932 wirkte Sagel als Oberarzt in Arnsdorf und wurde 1928 zum stellvertretenden Anstaltsdirektor ernannt. Zum 1. April 1933 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 1.738.832).[3] Mit Beginn der Zeit des Nationalsozialismus wurde er 1933 Direktor der Landesanstalt Großschweidnitz.[4] Zwischen 1936 und 1938 fungierte er als Richter am Erbgesundheitsobergericht Dresden. Gleichzeitig übernahm er von 1936 bis 1939 erstmals die Leitung der Landesanstalt Arnsdorf. Unter seiner Leitung fanden im Oktober 1936 in Arnsdorf die ersten Insulinschockbehandlungen bei Schizophrenen statt. 1938 sorgte Sagel zudem für die Einführung einer fleischlosen und fettarmen „Sonderkost“ für chronisch kranke, arbeitsunfähige Patienten, wodurch sich die Sterberate in Arnsdorf 1939 mit 288 Verstorbenen gegenüber 1938 von 4,5 auf 9 Prozent verdoppelte.[2]
Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde Sagel 1939 als Stabsarzt zur Wehrmacht eingezogen und war als Chefarzt des Reservelazaretts Liegau-Augustusbad eingesetzt, und ab Frühjahr 1940 wieder als Chefarzt am von der Wehrmacht erneut umfunktionierten Reservelazarett Arnsdorf. Von 1941 bis 1945 war er dort auch wieder der Anstaltsdirektor.[2]
Während seiner Zeit als Chefarzt und später als Leiter der Anstalt Arnsdorf war Wilhelm Sagel an den NS-Krankenmorden beteiligt: So wurden von Juli 1940 bis August 1941 aus Arnsdorf als sogenannte Zwischenanstalt mindestens 2.681 Patienten, darunter 1.379 Frauen und 182 Kinder, in die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein verbracht und dort meist noch am gleichen Tag vergast.[2] Seit dem „Euthanasiestopp“ im August 1941 aufgrund von Protesten betroffener Eltern und einiger prominente Kirchenvertreter, erfolgte die Fortsetzung der Morde im Rahmen der „Aktion 14f13“ mit Medikamentenüberdosen, Menschenversuchen und systematischem Nahrungsentzug. So ermordete Sagel bis zu 100 seiner Patienten, indem er sie für seine Versuche zur medikamentösen Prophylaxe und Therapie von Malaria vorsätzlich mit dem tödlichen Erreger infizierte.[5][6]
Nach Kriegsende war Sagel bis zu seinem Tod 1954 als niedergelassener Nervenarzt in Pirna tätig, nachdem ein zunächst verhängtes Berufsverbot aufgehoben worden war. Die Staatsanwaltschaft Dresden stellte im Rahmen von Nachkriegsermittlungen keinen hinreichenden Verdacht auf eine Krankenmordbeteiligung fest.
Veröffentlichungen
- Wilhelm Sagel, Karl Wünschmann: Erbbiologisches Bilderbuch für Laien, Dresden & Leipzig, 1938.
Einzelnachweise
- ↑ Wilhelm Sagel, Karl Wünschmann: Erbbiologisches Bilderbuch für Laien, Dresden & Leipzig, 1938.
- ↑ a b c d Zeitreise 100 Jahre Krankenhaus Arnsdorf. Ausstellungskatalog, 2012
- ↑ Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/36251181
- ↑ Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-596-16048-8 (aktualisierte 2. Auflage), S. 518
- ↑ Ernst Klee: NS-Behindertenmord: Verhöhnung der Opfer und Ehrung der Täter. In: Behinderte in Familie, Schule und Gesellschaft, Reha Druck Graz, Nr. 6/1999
- ↑ Ernst Klee: Deutsche Medizin im Dritten Reich. Karrieren vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-10-039310-4, S. 180.