Wilhelm Riedesel zu Eisenbach
Wilhelm Riedesel Freiherr von und zu Eisenbach (* 10. März 1850 in Darmstadt; † 6. November 1918[1]) war ein deutscher Verwaltungsjurist, preußischer Beamter und konservativer Politiker. Er war von 1883 bis 1894 Landrat des Kreises Gelnhausen, von 1893/94 bis 1918 Landesdirektor bzw. Landeshauptmann des Bezirksverbandes Kassel und des Provinzialverbandes Hessen-Nassau sowie 1886–1893 und 1903 Abgeordneter des preußischen Landtages.
Leben
Wilhelm Riedesel zu Eisenbach war der Sohn des hessischen Erbmarschalls Ludwig Riedesel zu Eisenbach (1806–1858) und dessen Ehefrau Wilhelmine, geb. Gräfin von Otting-Fünfstetten (1811–1894). Ludwig Riedesel zu Eisenbach war sein älterer Bruder.
Riedesel zu Eisenbach zog mit seinen Eltern 1857 auf das Schloss Eisenbach bei Lauterbach (Hessen). Er erhielt zunächst Hausunterricht und besuchte seit 1863 das Gymnasium Hersfeld und ab 1866 das Gymnasium Darmstadt, wo er am 20. September 1869 das Abitur ablegte. Er studierte an der Georg-August-Universität Göttingen Rechtswissenschaft. 1870 wurde er Mitglied und im Wintersemester 1873/74 Ehrenmitglied des Corps Saxonia Göttingen.[2] Er diente 1870/71 als Einjährig-Freiwilliger bei den Großherzoglich Hessischen Leib-Dragonern und nahm am Deutsch-Französischen Krieg teil. 1871 wurde er Sekonde-Leutnant der Reserve, 1881 wurde er Premierleutnant der Landwehrkavallerie.
Er legte am 4. Juli 1874 das erste Staatsexamen am Appellationsgericht Kassel ab. Am 4. Januar 1880 bestand er in Berlin das Assessorexamen mit der Note „ausreichend“. Anschließend trat er als Gerichtsassessor in den preußischen Staatsdienst ein. 1882 wurde er jeweils kommissarisch Landrat im westfälischen Kreis Ahaus[3] und im Kreis Gersfeld (Regierungsbezirk Kassel). 1883 wechselte er als Landrat in den Kreis Gelnhausen, dieses Amt hatte er bis zu seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst auf eigenen Wunsch im Jahr 1894 inne.[4]
Wilhelm Riedesel zu Eisenbach wurde im Dezember 1893 vom Kommunallandtag auf sechs Jahre zum Landesdirektor des Bezirksverbandes (höherer Kommunalverband) des Regierungsbezirks Kassel gewählt. Zusätzlich wurde er im Juli 1894 auf 12 Jahre Landesdirektor des Provinzialverbandes der preußischen Provinz Hessen-Nassau, dieses Amt wurde 1901 in Landeshauptmann umbenannt. 1906 erfolgte seine Wiederwahl für weitere zwölf Jahre.[5]
Riedesel war 1882 bis 1884 Mitglied des Kurhessischen Kommunallandtages und des Provinziallandtags der Provinz Hessen-Nassau. Er saß von 1886 bis 1893 und 1903 als Abgeordneter des Wahlkreises Kassel 13 (Schlüchtern, Gelnhausen) im Preußischen Abgeordnetenhaus, von 1886 bis 1893 als Angehöriger der Fraktion der Konservativen Partei und 1903 der Freikonservativen Partei. Er war Königlicher Kammerherr, Vizemarschall der Althessischen Ritterschaft und Mitbesitzer des Fideikommisses Eisenbach und Ludwigseck.
Familie
Seit 1886 war er verheiratet mit Martha Freiin von dem Bussche-Ippenburg gen. von Kessel, der Tochter von Wilhelm von dem Bussche-Ippenburg. Das Paar hatte zwei Töchter:
- Hertha Wilhelmine Elisabeth Therese (* 17. Juli 1887)
- Hildegard Anna Rose (* 11. März 1889; † 1972)
Auszeichnungen
- Roter Adlerorden 4. Klasse
- Preußische Kriegsgedenkmünze 1870/71
- Landwehrdienstauszeichnung 2. Klasse
- Ehrenritter und später Rechtsritter des Johanniterordens
- Hessisches Militär-Verdienstkreuz
Literatur
- 271. † Riedesel, Freiherr von und zu Eisenbach, Wilhelm Gisbert, Hermann. In: Hasso von Etzdorf, Wolfgang von der Groeben, Erik von Knorre: Verzeichnis der Mitglieder des Corps Saxonia zu Göttingen sowie der Landsmannschaft Saxonia (1840–1844) nach dem Stande vom 13. Februar 1972, S. 43.
- Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser, 1918, S.673
- Thomas Klein: Leitende Beamte der allgemeinen Verwaltung in der preußischen Provinz Hessen-Nassau und in Waldeck 1867 bis 1945 (= Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte. Bd. 70), Hessische Historische Kommission Darmstadt, Historische Kommission für Hessen, Darmstadt/Marburg 1988, ISBN 3-88443-159-5, S. 195.
- Jochen Lengemann: MdL Hessen. 1808–1996. Biographischer Index (= Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen. Bd. 14 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen. Bd. 48, 7). Elwert, Marburg 1996, ISBN 3-7708-1071-6, S. 310.
- Bernhard Mann: Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus 1867–1918 (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 3). Droste, Düsseldorf 1988, ISBN 3-7700-5146-7, S. 322.
- Dieter Pelda: Die Abgeordneten des Preußischen Kommunallandtags in Kassel 1867–1933. Elwert, Marburg 1999 (= Vorgeschichte und Geschichte des Parlamentarismus in Hessen 22; Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 48,8). ISBN 3-7708-1129-1, S. 172–173.
Weblinks
- Riedesel Freiherr zu Eisenbach, Wilhelm Personen auf der Website territorial.de (Rolf Jehke)
- Riedesel Freiherr zu Eisenbach, Wilhelm Giesebert. Hessische Biografie. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Institut für Landesgeschichte
Einzelnachweise
- ↑ Laut Angaben auf dem Grabstein. Die Hessische Biografie gibt abweichend als Sterbejahr 1919 an.
- ↑ Kösener Korpslisten 1910, 85/277
- ↑ Landkreis Ahaus Verwaltungsgeschichte und Landräte auf der Website territorial.de (Rolf Jehke)
- ↑ Riedesel Freiherr zu Eisenbach, Wilhelm Giesebert. Hessische Biografie. (Stand: 6. März 2013). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
- ↑ Provinz Hessen-Nassau Verwaltungsgeschichte, Oberpräsidenten und Landesdirektoren/Landeshauptleute auf der Website territorial.de (Rolf Jehke)