Wilhelm Michael von Richter

Wilhelm Michael von Richter, russisch Вильгельм Михайлович Рихтер (* 28. Novemberjul. / 9. Dezember 1767greg.[1] in Moskau, Russisches Kaiserreich; † 27. Julijul. / 8. August 1822greg. ebenda) war ein russlanddeutscher Mediziner, Professor für Geburtshilfe an der Universität Moskau und kaiserlicher Leibarzt.

Leben und Wirken

Nach dem Schulbesuch in Reval studierte Richter ab 1783 Medizin an der Universität Moskau. Ab 1786 weilte er mehrere Jahre zu einem Studienaufenthalt in Deutschland, wo er sich auf dem Gebiet der Gynäkologie und Geburtshilfe spezialisierte. 1788 wurde er an der Universität Erlangen promoviert. 1790 kehrte er nach Russland zurück und wurde nach Anerkennung seines Doktortitels außerordentlicher Professor an der Moskauer Universität, bevor er 1795 ordentlicher Professor für Geburtshilfe und Chirurgie wurde. Er leitete den Lehrstuhl bis 1819. Nach 1807 war er mehrmals Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität. Auf seine Initiative wurden 1808 ein neues Geburtshilfeinstitut und eine Entbindungsklinik an der Moskauer Universität eröffnet.

Neben seinen Verpflichtungen an der Universität wurde er 1801 Direktor der neu errichteten Anstalt für Geburtshilfe am Findelhaus in Moskau. Dort unterrichtete er Hebammen in Theorie und Praxis der Geburtshilfe. Zugleich war er in seiner Privatpraxis tätig. 1818 wurde er Ehrenprofessor der Universität Moskau und 1819 Leiter der Spezialklinik für Geburtshilfe am Medizinischen Institut der Universität.

Am 29. April 1818 leitete er erfolgreich bei Kaiserin Alexandra Fjodorowna die Entbindung ihres Sohnes Alexander, des späteren Kaisers Alexander II., und wurde daraufhin zum Leibarzt des kaiserlichen Hofes ernannt.

Richter veröffentlichte mehrere Schriften über Geburtshilfe. Außerdem verfasste er ein dreibändiges Werk zur Geschichte der Medizin in Russland, das zwischen 1814 und 1820 erschien.

Er war Ehrenmitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg. 1814 wurde er zum Mitglied der Leopoldina und 1815 zum korrespondierenden Mitglied der Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen gewählt.[2] 1810 wurde er zum Wirklichen Staatsrat ernannt. Er war Träger des Ordens des Heiligen Wladimir und des Ordens der Heiligen Anna.

Richter starb am 8. August 1822 in Moskau und wurde auf dem Wwedenskoje-Friedhof beigesetzt.

Literatur

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Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. In einigen Quellen wird als Geburtsjahr 1757 genannt.
  2. Mitglieder: Wilhelm Michael von Richter. Niedersächsische Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, abgerufen am 6. Januar 2026.