Wilhelm Maria Puchtler

Wilhelm Maria Puchtler (* 24. Dezember 1848 in Holzkirchen (Unterfranken); † 11. Februar 1881 in Nizza)[1] war ein deutscher Komponist, Pianist und Dirigent.

Leben

Wilhelm Puchtler studierte von 1868 bis 1873 zunächst bei Johannes Zahn am Lehrerseminar Altdorf bei Nürnberg und von 1868 bis 1873 am Konservatorium Stuttgart bei Immanuel Faißt, Sigmund Lebert und Ludwig Stark, die zum Umfeld von Franz Liszt gehörten.[2.1] Noch während des Studiums suchte Puchtler mit seiner Symphonischen Dichtung Sardanapal (nach Byron) Rat und Unterstützung bei Franz Liszt, der in zwei Briefen im Februar und Mai 1871 mit Ratschlägen antwortete.[2.2]

Nach dem Studium lebte Puchtler ab 1873 in Göttingen als Musiklehrer, Chorleiter und Dirigent. Seine Mitwirkung in dortigen Konzerten als Begleiter oder Leiter eines eigenen Studentengesangvereins wurde ab 1874 mehrfach in der Fachpresse gewürdigt.[3][4][5][6.1] Eine erste Veröffentlichung einer Komposition ist 1876 belegt: Die 7 Charakterstücke op. 5 erschienen im Verlag Rob. Seitz, Leipzig; eine Rezension erkannte darin „neudeutsches Fahrwasser“.[6.2]

1877 suchte Puchtler auch Kontakt zu Johannes Brahms, mit einem Widmungsgesuch zu seinen unveröffentlichten Etüden op. 10. Brahms reagierte zurückhaltend und äußerte sich seinem Verleger Simrock gegenüber skeptisch ablehnend.[2.3]

Zwischen 1876 und 1881 wurden mit 22 Werknummern fast die Hälfte seiner Kompositionen in Musikverlagen wie Rieter & Biedermann, Breitkopf & Härtel, Nagel u. a. publiziert und durchgehend freundlich in der Fachpresse rezensiert. Dass er in diesen Jahren hauptsächlich Charakterstücke für Klavier zu zwei und vier Händen veröffentlichte, ließ ihn in zeitgenössischen Lexika vor allem als Klavierkomponist erscheinen.[7] Tatsächlich sind unter den unveröffentlichten Werken auch mehr Kammermusik, Orchesterwerke und Lieder belegt und zum Teil erhalten.[2.4]

1879 erkrankte Puchtler und begab sich zur Genesung zunächst in die Schweiz und dann nach Nizza, wo er 1881 starb.[1] Die Allgemeine musikalische Zeitung würdigte ihn 1882 mit einem über mehrere Ausgaben fortgeführten Beitrag „Zur Erinnerung an Wilhelm Maria Puchtler“, in dem auch sein letztes großes Werk Der Geiger von Gmünd für Soli, Chor und großes Orchester eingehend besprochen wurde.[8]

Wiederentdeckung

Seit 1977 wurden verschiedentlich Werke Puchtlers wiederentdeckt und erstmals auf Tonträgern veröffentlicht: Neben dem Klavierduo Gerhard Meyer – Siegfried Schubert-Weber,[9] das verschiedene vierhändige Werke einspielte, veröffentlichte die Pianistin Heidi Kommerell Charakterstücke Puchtlers,[10] und in den 1990er Jahren erschienen seine Symphonische Dichtung Sardanapal und das Klavierquartett op. 9 auf CD.[11]

Ein großer Teil seiner veröffentlichten und unveröffentlichten Werke befindet sich heute in der Bayerischen Staatsbibliothek.

Einzelnachweise

  1. a b Hugo Riemann: Musik-Lexikon. 6., vollständig umgearb. Aufl. Leipzig 1905, S. 1048 (online).
  2. Robert Münster: Wilhelm Maria Puchtler (1848–1881). Ein Komponist aus Unterfranken im Spannungsfeld zwischen Liszt und Brahms. In: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst. 66 (2014), S. 61–85. Inhaltsverzeichnis (kein Volltext).
    1. S. 61
    2. S. 62
    3. S. 66–69
    4. S. 79–85
  3. Neue Zeitschrift für Musik, 70 (1874), Teil II, S. 314 (Rubrik „Göttingen“ – Puchtler als Pianist). HathiTrust, direkte Seite
  4. Allgemeine musikalische Zeitung, (3. Folge) 10 (1875), Sp. 795–796. Jahrgang-PDF (Commons)
  5. Musikalisches Wochenblatt, 7 (1876), Sp. 245–246. Jahrgang (BSB/MDZ)
  6. Allgemeine musikalische Zeitung, (3. Folge) 11 (1876). Jahrgang-PDF (Commons)
    1. Nr. 17, Sp. 268; Nr. 18, Sp. 62
    2. Sp. 508 (Rez.)
  7. Theodore Baker: Baker’s Biographical Dictionary of Musicians. New York 1909, S. 729.
  8. Allgemeine musikalische Zeitung, 17 (1882), Sp. 74–77; 89–92; 107 ff. Jahrgang-PDF (Commons)
  9. Raritäten für zwei Pianisten – Gerhard Meyer & Siegfried Schubert-Weber (Clementi / Puchtler / Rachmaninoff / Grieg / Kirchner). Discogs (abgerufen am 11. November 2025).
  10. Robert Schumann / Wilhelm Maria Puchtler / Heidi Kommerell – Konzertetüden, Ausgewählte Klavierstücke (LP). Discogs (abgerufen am 11. November 2025).
  11. Franz Schubert / W. M. Puchtler / C. M. von Weber / Robert Schumann / Adolf Jensen – Unbekannte Musik der Romantik. Discogs (abgerufen am 11. November 2025).