Wilhelm Lilienthal

Wilhelm Lilienthal (* 28. Januar 1867 in Berlin; † 11. April 1906 in Grafing, Oberbayern) war ein deutscher Schriftsteller und Übersetzer.

Leben und Wirken

Wilhelm Lilienthal wuchs in einer Kaufmannsfamilie in Berlin auf und besuchte das Gymnasium zum Grauen Kloster.[1] Seit 1885 war er Schauspieler an mehreren deutschsprachigen Stadttheatern, bis er 1888 nach einem Sturz bei einer Vorführung in Zürich dieses aufgeben musste. Danach lebte er als freier Schriftsteller und Übersetzer in Berlin. 1906 starb er auf der Reise zu einer Kur nach Meran in Grafing bei München im Alter von 39 Jahren.[2]

Publikationen

Wilhelm Lilienthal übersetzte über vierzig literarische Werke, vor allem aus dem Französischen und Russischen, aber auch aus dem Englischen, Dänischen, Schwedischen[3], Polnischen und Spanischen, meist unter seinem Pseudonym Wilhelm Thal. Außerdem verfasste er mehrere Possen und Schwänke, von denen ich im Interesse des Publikums nur annehmen kann, dass sie nie zu Aufführung gelangen werden.[4] (Es sind die meisten Übersetzungen angegeben.)

Übersetzungen aus dem Französischen

  • Denis Diderot, Die Nonne, Fürstenwalde, 1889, mehrere Neuauflagen bis 2019
  • Edmond und Jules de Goncourt
    • Die Brüder Zemganno, Berlin 1892
    • Elisa. Roman einer Verlorenen, 1893, erste deutsche Übersetzung
    • Juliette Faustin, 1927
  • François Coppée, Das Vaterunser, 1892, Bühnenmanuskript für das Ostendtheater Berlin
  • Émile Zola
    • Eine Rosenknospe, 1892, Bühnenmanuskript für das Ostend-Theater Berlin
    • Acht Novellen, Berlin 1893
    • Lourdes, Berlin 1894 (Digitalisat), mehrere Neuauflagen bis 2024, verbreitetste Übersetzung dieses Werke
    • Die Liebe unterm Dache und andere Novellen, Eckstein, Berlin 1895
    • Die drei Kriege, Steinitz, Berlin 1895, einzige vom Verfasser autorisirte deutsche Ausgabe
    • Therese Raquin, Hillger, Berlin 1898
  • Guy de Maupassant
    • Die Wahnsinnige und andere Novellen, Eckstein, Berlin 1894
    • Monsieur Parent, Steinitz, Berlin 1898
    • Ein Sohn und Anderes, Steinitz, Berlin 1898
  • Alphonse Daudet,
    • Der alte Zuave und andere Novellen, Eckstein, Berlin 1895
    • Der kleine Dingsda, Hillger, Berlin 1897
    • Tatarin in den Bergen, Hillger, Berlin 1899
  • Pierre Loti, Die Islandfischer, Hillger, B 1899
  • Graf Victor d'Adhémar, Die Boeren, Hillger, Berlin 1900
  • Anatole Leroy-Beaulieu, Der Antisemitismus, Edelheim, Berlin 1901
  • Jules Verne, Von der Erde zum Mond, Hillger, Berlin 1902
  • Jules Lermina, Das Drama der Rue St. Anna, Hillger, Berlin 1902
  • Frédéric Boutet, Der wilde Mann vom Tintenholzquai. Kapitän Fettgans. Zwei Grotesken, Minden, 1903
  • Gilbert Thierry, Das verschwundene Manuskript, Bonn 1905
  • Paul Bonhomme, Villa Tournesol, Hillger, Berlin 1905
  • Ainé Rosny, Das Eheversprechen, Hillger, Berlin 1905
  • Maxime Audouin, Das Geheimnis von Pen-Houarn und andere Novellen, Hillger, Berlin 1906

Übersetzungen aus dem Russischen

Aus dem Russischen

Übersetzungen aus weiteren Sprachen

Aus dem Englischen
  • Mayne Reid, Die Auswanderer des Transvaal, Hillger, Berlin 1899
  • Charles Foley, Mama, Hillger, Berlin 1901
Aus dem Dänischen
  • A. H. von Kohl, Die roten Namen, Freiburg 1907; Neuausgabe München 1921
  • Charlotte Eilersgaard, Eine moderne Heilige, Hassenstein, Berlin 1907
Aus dem Polnischen
  • Henryk Sienkiewicz,
    • Junge Leiden, Hillger, Berlin 1902
    • An der Riviera, Hillger, Berlin 1903
Aus dem Spanischen
  • Blasco Ibañez, Die Huerta, 1908, (wahrscheinliche Neuausgabe Zürich 1928)[5]
Aus unbekannten Sprachen

Die Originalsprachen dieser Werke sind unbekannt

  • Chinesische Novellen, Hillger, Berlin 1900
  • J. Hitomi, Japan, Land und Leute, Hillger, Berlin 1904; Neudruck 2017

Herausgeber

  • Moderne Lyrik. Eine Sammlung zeitgenössischer Dichtungen, Waldau, Berlin 1892, 366 Seiten Digitalisat, mit Leo Berg

Literatur

  • Franz Brümmer: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten. Band 4. Leipzig, 1913. S. 265, mit seinen Komödien
  • Richard Wrede, Hans von Reinfels: Das geistige Berlin. Band 1. Berlin 1897. S. 299, mit biographischen Angaben
  • Maria Hassenstein: Dem Andenken Wilhelm Thals. In Strandgut. Münchner Monatsschrift für Literatur, Kunst und Kritik. 1905/1906. S. 483–487
  • Kürschners Deutscher Literatur-Kalender, 1902, Sp. 689; mit ausführlichem Schriftenverzeichnis (z. T. ungenaue Jahresangaben)

Einzelnachweise

  1. Richard Wrede, Hans von Neufels, Das geistige Berlin, 1897, S. 299, mit biographischen Details nach seinen Angaben
  2. Franz Brümmer, Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten, 4, 1913, S. 265
  3. Regina Quandt, Schwedische Literatur in deutschen Übersetzungen, Registerband, 1987, S. 3123, zu Nr. 3614–3648
  4. Wrede, Reinfels, Das geistige Berlin, 1897, S. 299, Zitat von ihm
  5. Hinrichs Halbjahrs-Katalog der im deutschen Buchhandel erschienenen Bücher, Zeitschriften, Landkarten, uws., 1908, S. 221 (kurzer Auszug); auch Strandgut, 1905/1906, S. 498–502; Auszug in der autorisierten Übersetzung von Wilhelm Thal, herausgegeben von Maria Hassenstein