Wilhelm Lüdemann

Wilhelm Lüdemann (* 23. April 1882; † 19. Februar 1960 in Uetersen) war ein deutscher Polizist, Mitglied der SPD und ein aktiver Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus in der Region um Uetersen (Kreis Pinneberg, Schleswig-Holstein). Er gehörte zu den Sozialdemokraten des Kreises, die sich nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in konspirativen Gruppen zusammentaten und an antifaschistischen Aktivitäten teilnahmen.[1]

Leben

Wilhelm Lüdemann wurde am 23. April 1882 geboren. Über seine Herkunft, Ausbildung und frühe Laufbahn ist nur wenig überliefert; er ist jedoch in lokalen Dokumentationen als Polizeibeamter und engagiertes Mitglied der SPD bekannt.

Vor der NS-Machtübernahme war Lüdemann in der kommunalen Sozialdemokratie aktiv und nahm offenbar auch als Polizeihauptwachtmeister an politischen Ereignissen nach dem Ersten Weltkrieg teil. Zeitzeugenberichte aus regionalen Widerstandsquellen erwähnen, dass er bereits in den Jahren nach dem Krieg politisch präsent war und – ähnlich anderen Sozialdemokraten – Aktivitäten des Arbeiterrats und lokaler Arbeiterbewegungen unterstützte.[2]

Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Nach der Machtübernahme der NSDAP 1933 beteiligte sich Wilhelm Lüdemann an Widerstandsaktivitäten im Raum Uetersen. In den Jahren 1933 und 1934 fanden lokale oppositionelle Treffen statt, bei denen Mitglieder der illegalen kommunistischen und sozialdemokratischen Gruppen zusammenkamen, um antifaschistische Strategien abzustimmen. Diese Treffen fanden teils auf dem Friedhof von Uetersen, am Deich der Pinnau, auf Segelbooten oder auf der Elbinsel Pagensand statt.[3]

Zeitzeugenaussagen über Lüdemanns Rolle geben an, dass er zum Beispiel sein eigenes Segelboot zur Verfügung stellte, um andere Widerstandskämpfer aus Elmshorn, Barmstedt und Uetersen zu diesen konspirativen Treffen zu bringen.[4][5]

Im Zuge der nationalsozialistischen Verfolgung wurden Ende 1934 Massenverhaftungen in Uetersen, Elmshorn, Barmstedt und weiteren Orten im Kreis Pinneberg durchgeführt. Unter den Festgenommenen befanden sich neben anderen Sozialdemokraten auch Victor Andersen und Wilhelm Lüdemann. Während einige andere Verfolgte schwere Strafen erhielten, wurde Lüdemann nach etwa vierzehn Tagen Haft im Konzentrationslager entlassen, da die Gestapo ihm keine hinreichenden Verfehlungen nachweisen konnte.[6]

Auch wenn konkrete Strafverfahren und Verurteilungen gegen Lüdemann nicht überliefert sind, zeigen die lokalen Quellen, dass er zu denjenigen gehörte, die trotz der Gefahr staatlicher Repressionen in der Region politische Kontakte und antifaschistische Netzwerke unterhielten und unterstützten.

Nachkriegszeit und Tod

Wilhelm Lüdemann überlebte die NS-Herrschaft und lebte nach dem Zweiten Weltkrieg weiterhin in Uetersen. Er starb am 19. Februar 1960 in der Stadt, zu der er über lange Jahrzehnte politische und soziale Verbindungen gehabt hatte.

Einzelnachweise

  1. In Uetersen wurde u. a. Wilhelm Lüdemann – zusammen mit zahlreichen SPD-Mitgliedern und Gegnern des Nationalsozialismus – 1933 von der Gestapo verhaftet und später wieder entlassen. Spurensuche Kreis Pinneberg und Umgebung: Widerstandskämpfer der Region, darunter Andersen, Kronberg und Lüdemann. Abgerufen 2025.
  2. Zeitzeugenbericht aus der Informationsreihe zur schleswig-holsteinischen Zeitgeschichte, der „Rollen und Aktionen von Widerstandskämpfern um Uetersen“ beschreibt, darunter die Teilnahme von Wilhelm Lüdemann an Treffen und sein Gefängnisaufenthalt 1935, sowie seine Unterstützung anderer Widerstandskader. Akens.org, Heft 28 (1995). Abgerufen 2025.
  3. Zeitzeugenbericht aus der Informationsreihe zur schleswig-holsteinischen Zeitgeschichte, der „Rollen und Aktionen von Widerstandskämpfern um Uetersen“ beschreibt, darunter die Teilnahme von Wilhelm Lüdemann an Treffen und sein Gefängnisaufenthalt 1935, sowie seine Unterstützung anderer Widerstandskader. Akens.org, Heft 28 (1995). Abgerufen 2025.
  4. Zeitzeugenbericht aus der Informationsreihe zur schleswig-holsteinischen Zeitgeschichte, der „Rollen und Aktionen von Widerstandskämpfern um Uetersen“ beschreibt, darunter die Teilnahme von Wilhelm Lüdemann an Treffen und sein Gefängnisaufenthalt 1935, sowie seine Unterstützung anderer Widerstandskader. Akens.org, Heft 28 (1995). Abgerufen 2025.
  5. Konspirative Treffen von SPD und KPD im Widerstand gegen den Nationalsozialismus im Raum Uetersen, unter anderem mit Wilhelm Lüdemann, bestätigt im Stadtrundgang zur NS-Ortgeschichte. Spurensuche Kreis Pinneberg und Umgebung. Abgerufen 2025.
  6. Zeitzeugenbericht aus der Informationsreihe zur schleswig-holsteinischen Zeitgeschichte, der „Rollen und Aktionen von Widerstandskämpfern um Uetersen“ beschreibt, darunter die Teilnahme von Wilhelm Lüdemann an Treffen und sein Gefängnisaufenthalt 1935, sowie seine Unterstützung anderer Widerstandskader. Akens.org, Heft 28 (1995). Abgerufen 2025.