Wilhelm Kromphardt

Wilhelm Kromphardt (* 30. Mai 1897 in Schönebeck/Elbe; † 26. Februar 1977 in Heidelberg) war ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler und Hochschullehrer.[1][2]

Leben und Wirken

Der Sohn eines Pastors besuchte das humanistische Gymnasium in Magdeburg und nahm nach der Reifeprüfung von 1916 bis 1919 als Soldat am Ersten Weltkrieg teil. Anschließend studierte er ab 1919 Philosophie, Geschichte, Germanistik, Volkswirtschaftslehre und Soziologie an den Universitäten Greifswald, Marburg/L., Halle/S., Bonn und von 1920 bis 1924 an der Christian-Albrechts-Universität Kiel. In Kiel legte er 1924 die Prüfung als Diplom-Volkswirt ab und promovierte im gleichen Jahr zum Dr. sc. pol. mit einer Arbeit über „Probleme der statischen Lohntheorie“. Von 1924 bis 1931 arbeitete er als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Münster. Dort habilitierte er sich 1926 für Wirtschaftliche Staatswissenschaften. Ab 1931 war er in Münster nichtbeamteter außerordentlicher Professor. Von 1932 bis 1933 folgte ein Studienaufenthalt in den USA. Am 7. September 1937 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 5.650.695).[3] Nach einer Lehrstuhlvertretung wurde Kromphardt 1938 beamteter außerordentlicher Professor an der Universität Rostock und leistete 1939/40 Kriegsdienst, zuletzt als Unteroffizier. Im August 1940 wurde er uk-gestellt, um sich als Mitplaner der NS-Besatzungspolitik an einem Forschungsauftrag über die „Aussiedlungsmöglichkeiten zugunsten des deutschen Ostens“ zu widmen.[4] 1941 wurde er ordentlicher Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Rostock. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er von der Universität Rostock entlassen.

Von 1946 bis 1949 war Kromphardt Professor an der Technischen Hochschule Hannover und von 1949 bis 1956 an der Universität Göttingen. Von 1956 bis zu seiner Emeritierung 1965 lehrte er als Professor an der Universität Heidelberg.

Von 1948 bis 1977 gehörte Kromphardt den wissenschaftlichen Beiräten des Bundeswirtschafts- und Bundesernährungsministeriums an. 1965 wurde er Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. 1967 verlieh ihm die Universität Frankfurt am Main. die Ehrendoktorwürde.

Wilhelm Kromphardt war der Vater der Wirtschaftswissenschaftlers Jürgen Kromphardt.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Darstellung und analytische Kritik des Sozialsystems von Rudolf Steiner. In: Schmollers Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft. Bd. 48, (1924), S. 31–43.
  • Die Lösung der Magenfrage durch Josef Popper. In: Schmollers Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft. Bd. 49, H. 1, 1925, S. 563–587.
  • Der logische Emanatismus und die Systematisierungsform bei Marx. In: Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik. Bd. 55 (1926), S. 407–452.
  • Die Systemidee im Aufbau der Casselschen Theorie (= Münsterer wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Abhandlungen. Bd. 4). Quelle & Meyer, Leipzig 1927 (= Habilitationsschrift Universität Münster).
  • Der Satz vom Grenznutzenniveau und Liefmanns Gesetz vom Ausgleich der Konsum-Grenzerträge. In: Zeitschrift für Nationalökonomie. Bd. 1, H. 4, 1930, S. 534–546.
  • Cassels Gründe zur Ablehnung der Wertlehre. In: Ludwig von Mises (Hrsg.): Probleme der Wertlehre. Teil 1. Duncker & Humblot, Berlin 1931, S. 95–107.
  • Die Überwindung der Klassenkämpfe nach Gustav von Schmoller. In: Schmollers Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft. Bd. 62, H. 4/6, 1938, S. 717–732.
  • Marktspaltung und Kernplanung in der Volkswirtschaft. (= Dortmunder Schriften zur Sozialforschung. Bd. 3). Verlag f. Wirtschaft u. Sozialpolitik, Hamburg 1947.
  • Freiheitliche Planwirtschaft. Ein Beitrag zum deutschen Wirtschaftsproblem. In: Swiss journal of economics and statistics. Bd. 84, H. 1, 1948, S. 53–68.
  • Mögliche Mittel der Wirtschaftslenkung. In: Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft. Bd. 105, 1949, S. 90–109.
  • Sinn und Inhalt der Präferenzenhypothese in der Wirtschaftstheorie. In: Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik. Bd. 169, H. 1, 1958, S. 161–173.
  • mit Rudolf Henn und Karl Förstner: Lineare Entscheidungsmodelle. Springer, Berlin 1962.
  • Wachstumswellen und Strukturpolitik. In: Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft. Bd. 124, H. 2, 1968, S. 212–221.

Literatur

  • Michael Buddrus, Sigrid Fritzlar: Die Professoren der Universität Rostock im Dritten Reich. Ein biographisches Lexikon. München 2007, ISBN 978-3-598-11775-6, S. 244 f. (mit Foto).
  • Dagmar Drüll: Heidelberger Gelehrtenlexikon. Bd. 3: 1933–1986. Springer, Heidelberg 2009, ISBN 978-3-540-88834-5, S. 365 f.
  • Hans-Jürgen Vosgerau: Boden und wirtschaftliches Wachstum. Wilhelm Kromphardt zum 75. Geburtstag am 30.5.1972. In: Kyklos. Bd. 25, H. 3, 1972, S. 481–500.

Einzelnachweise

  1. Kromphardt, Wilhelm. In: Dagmar Drüll: Heidelberger Gelehrtenlexikon. Bd. 3: 1933–1986. Springer, Heidelberg 2009, ISBN 978-3-540-88834-5, S. 365f.
  2. Kromphardt, Wilhelm. In: Catalogus Professorum Rostochiensium (abgerufen am 7. Januar 2026).
  3. Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/23461229
  4. Michael Buddrus, Sigrid Fritzlar: Die Professoren der Universität Rostock im Dritten Reich. In: Texte und Materialien zur Zeitgeschichte. Band 16. Saur, München 2007, ISBN 978-3-598-11775-6, S. 41 und 245.