Wilhelm Koch (Mediziner)

Wilhelm Koch (* 23. Dezember[1] 1842 in Danzig; † 1918) war ein deutscher Anatom und vor allem Chirurg und unter anderem Professor für Chirurgie an der Kaiserlichen Universität Dorpat im Ostseegouvernement Livland des Kaiserreichs Russland. Er veröffentlichte regelmäßig Beiträge in den chirurgischen Zeitschriften der Zeit. Einem größeren Leserkreis bekannt wurde er durch seine Monographien zu Milzbrand und Rauschbrand sowie zum Scorbut im Rahmen der epochalen Monographienreihe Deutsche Chirurgie zum aktuellen Erkenntnisstand in Bezug auf die Natur und die Behandlungsmethoden der wichtigsten chirurgisch behandelten Krankheitsbilder.

Leben

Aufgrund eines regen Interesses an Medizin einerseits und Landwirtschaft andererseits studierte Koch Medizin und Naturwissenschaften an den Universitäten in Breslau, Würzburg, Leipzig, Halle, Berlin, Tübingen, Kiel. An der Universität Leipzig studierte er bei Moritz Hauptmann zudem Musiktheorie. Im Jahre 1866 promovierte in Berlin mit der Dissertation Neue Unterbindungsmethode der Arteria anonyma.

Noch im selben Jahr 1866 nahm er am Preußisch-Österreichischen Krieg teil sowie 4 Jahre später am Deutsch-Französischen Krieg 1870/71.[2]

Im März 1879[3] wurde Koch als Privatdozent außerordentlicher Professor an der deutschsprachigen Universität Dorpat. Seine Antrittsrede hielt er über Wassersuchten durch Nerveneinflüsse.

Koch hatte wie viele seiner deutschsprachigen Kollegen gegen Ende 1889 seine Tätigkeit an der Universität Tartu aufgegeben und war nach Deutschland zurückgekehrt, mit der Absicht sich dort ärztlich niederzulassen[4] - wohl in Folge der staatlichen forcierten Russifizierung und der noch deutschsprachigen Universität Dorpat, inklusive dass der Unterricht ab spätestens 1893 vollständig in Russisch stattzufinden hatte.[5]

Nach dem Tod des Lehrstuhlinhabers für Chirurgie Eduard Georg von Wahl im Januar 1890 wurde Koch sein Nachfolger als ordentlicher Professor und Direktor der Klinik für Chirurgie der Universität Dorpat[6], offensichtlich nachdem er sich verpflichtet hatte, fortan auf Russisch zu lehren.[7]

Im Jahre 1897 wurde er vom Russischen Kaiser Nikolai II. in den erblichen Adelsstand erhoben.[8]

Ebenfalls 1897 gab Koch seine Lehrtätigkeit als Professor auf und ließ sich in den Ruhestand versetzen.[9]

Schriften

Monographien

  • In der »Deutsche Chirurgie« herausgegeben von Theodor Billroth
    • Milzbrand und Rauschbrand. Stuttgart : Enke 1886 (XXIV, 154 Seiten) »Deutsche Chirurgie«, Bd. 09 (Digitalisate siehe dort)
    • Die Bluterkrankheit in ihren Varianten Scorbut, Purpura simplex, Purpura (Peliosis) rheumatica, Purpura hämorrhagica, Erythema nodosum, Hämophilie, Nabelbluten, Blutschwitzen und Fettentartung der Neugeborenen. Stuttgart : Enke 1889 (XXXII, 227 S.) »Deutsche Chirurgie«, Bd. 12 (Digitalisate siehe dort)
  • Die Entwicklungsgeschichte der Dickdarmbrüche, im besonderen der Brüche des Blinddarmes und des aufsteigenden Dickdarmes. E. Versuch über Wesen u. Ursache d. Eingeweidebrüche überhaupt. Leipzig: F. C. W. Vogel 1899. (1 Bl., IV, 99 S.)

Als Herausgeber

Zeitschriftenartikel (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. Der Eintrag zu Wilhelm Koch in: Julius Pagel. Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des neunzehnten Jahrhunderts. Urban & Schwarzenberg, Berlin und Wien 1901, Sp. 876 gibt den 22. Dezember an.
  2. Eintrag zu Wilhelm Koch in: Julius Pagel. Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des neunzehnten Jahrhunderts. Urban & Schwarzenberg, Berlin und Wien 1901, Sp. 876
  3. Datum nach Биографический словарь профессоров и преподавателей Императорского Юрьевского, бывшего Дерптского, университета за сто лет его существования (1802-1902). Том 2, S. 322
  4. so u. a. berichtet in der Allgemeinen medizinischen Zentral-Zeitung 59.1890, Spalte 167
  5. siehe Artikel zur Geschichte der Universität Tartu
  6. Eintrag zu Koch in: Isidorus Brennsohn. Die Aerzte Livlands von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Mitau : Bruhns 1905, S. 243 ; Datum 10. März (alter, julianischer Stil) = 23. März 1890 (neuer gregorianischer = heutiger Stil) aus Биографический словарь профессоров и преподавателей Императорского Юрьевского, бывшего Дерптского, университета за сто лет его существования (1802-1902). Том 2, S. 322
  7. so berichtet in Internationale klinische Rundschau 4.1890, Spalte 846
  8. Eintrag zu Wilhelm Koch in: Julius Pagel. Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des neunzehnten Jahrhunderts. Urban & Schwarzenberg, Berlin und Wien 1901, Sp. 876
  9. Nachricht aus Medizinische Neuigkeiten für praktische Ärzte : Centralbl. für d. Fortschritte d. gesamten medizin. Wissenschaften. Band 47.1897, S. 119, originale Nachricht erschien im »Rigaer Boten« (Rižskij Vestnik), vom Gesuch um Versetzung in den Ruhestand berichtet Naturwissenschaftliche Wochenschrift : allgemeinverständliche Wochenschrift für sämtliche Gebiete der Naturwissenschaften 12.1897, S. 215