Wilhelm Christoph Friedrich Arnold
Wilhelm Christoph Friedrich Arnold (* 28. Oktober 1826 in Borken, Kreis Homberg, Kurhessen; † 2. Juli 1883 in Marburg[1]) war Jurist, Rechts-, Wirtschafts- und Kulturhistoriker sowie Politiker der Deutschkonservativen Partei. Er lehrte von 1863 bis zu seinem Tod als Professor für Naturrecht, Staatsrecht und Nationalökonomie an der Universität Marburg und war von 1881 bis 1883 Mitglied des deutschen Reichstages.
Leben
Wilhelm Arnold war der Sohn von Nikolaus Ludwig Arnold (1798–1886), der Richter und später Oberbürgermeister in Kassel war. Sein Großvater mütterlicherseits war der evangelisch-reformierte Theologe Christoph Friedrich Wilhelm Ernst (1765–1855), Oberhofprediger und Generalsuperintendent der Evangelischen Landeskirche in Hessen-Kassel. Er selbst besuchte die Gymnasien in Kassel und Hanau. Ab 1845 studierte er Rechtswissenschaften an der Philipps-Universität Marburg, der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und in Berlin, im November 1848 bestand er die juristische Staatsprüfung.
Wilhelm Arnold setzte sich intensiv mit der Rechtsgeschichte auseinander und wurde maßgeblich von dem Historiker Leopold von Ranke beeinflusst. Mit einer stadtrechtsgeschichtlichen Arbeit („Über den Ursprung und das älteste Recht bestimmter hessischer Städte“) wurde er am 22. März 1849 in Marburg zum Dr. jur. promoviert. Ebendort habilitierte er sich im Jahr darauf mit einer römischrechtlichen Schrift über eine bestimmte Vorschrift zu Folgen einer aufgelösten Ehe in Band 24 der Digesten. Anschließend veröffentlichte er zahlreiche Abhandlungen und Studien zur Verfassungsgeschichte. 1855 wurde Wilhelm Arnold zum ordentlichen Professor der deutschen Rechtsgeschichte an der Universität Basel berufen.
Von 1863 bis zu seinem plötzlichen Tod 1883 lehrte er Naturrecht, Staatsrecht und Nationalökonomie an der Philipps-Universität in Marburg. Er befasste sich auch mit kulturhistorischen Themen und veröffentlichte 1865 Kultur und Rechtsleben. Anschließend setzte er seine Forschungen mit siedlungsgeschichtlichen und namenkundlichen Untersuchungen fort. Er begründete die Ortsnamentheorie und bildete damit die Grundlage für anschließende Forschungen auf diesem Wissenschaftsgebiet. Arnold beteiligte sich auch an den organisatorischen Aufgaben der Marburger Hochschule. So war er 1865, 1870, 1881 Dekan der juristischen Fakultät und 1873 Rektor der Alma Mater.
Arnold war auch politisch tätig: Bei der Reichstagswahl 1881 trat er als Kandidat der Konservativen im ländlich und evangelisch geprägten Wahlkreis Regierungsbezirk Kassel 5 (Marburg–Kirchhain–Frankenberg) an und gewann mit 60,1 % der Stimmen gleich im ersten Wahlgang. Sein nationalliberaler Gegenkandidat Julius Westerkamp war ebenfalls Rechtsprofessor der Universität Marburg. Arnolds Tod während der Legislaturperiode löste 1883 eine Ersatzwahl in seinem Wahlkreis aus, die der Konservative Karl Grimm gewann.
Werke
- Verfassungsgeschichte der deutschen Freistädte im Anschluß an die Verfassungsgeschichte der Stadt Worms. Zwei Teile. Perthes, Hamburg/Gotha 1854.
- Zur Geschichte des Eigentums in den deutschen Städten. Mit Urkunden. Georg, Basel 1861 (Reprint: Scientia, Aalen 1966).
- Das Aufkommen des Handwerkerstandes im Mittelalter. Georg, Basel 1861.
- Recht und Wirtschaft nach geschichtlicher Ansicht. Georg, Basel 1863.
- Cultur und Recht der Römer. Dümmler, Berlin 1868 (Reprint: Scientia, Aalen 1964).
- Die Bedeutung der kleinen Universitäten. Marburg 1872.
- Ansiedelungen und Wanderungen deutscher Stämme: zumeist nach hessischen Ortsnamen. Elwert, Marburg 1875 (Digitalisat); Nachdruck: Böhlau, Köln/Wien 1983, ISBN 3-412-07483-7.
- Kultur und Rechtsleben. Dümmler, Berlin 1865, OCLC 802615422.
- Studien zur deutschen Kulturgeschichte. Cotta, Stuttgart 1882.
- Briefwechsel Wilhelm Arnold – Andreas Heusler. Hrsg. und bearb. von Karl Kroeschell und Dorothee Mußgnug (= Studien zur deutschen Rechtsgeschichte, Bd. 281). Klostermann, Frankfurt/M. 2013, ISBN 978-3-465-04182-5.
Literatur
- Conrad Bursian: Wilhelm Christoph Friedrich Arnold. In: Biographisches Jahrbuch für Alterthumskunde. 7. Jg., 1884, S. 72–73 (Digitalisat).
- Siegfried Rietschel: Arnold, Wilhelm Christoph Friedrich. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 46, Duncker & Humblot, Leipzig 1902, S. 52–54.
- Hermann Nolte: Arnold, Wilhelm Christoph Friedrich. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 1. Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 388 (deutsche-biographie.de).
Weblinks
- Literatur von und über Wilhelm Christoph Friedrich Arnold im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Werke von und über Wilhelm Christoph Friedrich Arnold in der Deutschen Digitalen Bibliothek
- Arnold, Christoph Friedrich Wilhelm in der Datenbank der Reichstagsabgeordneten
- Biografie von Wilhelm Arnold. In: Heinrich Best: Datenbank der Abgeordneten der Reichstage des Kaiserreichs 1867/71 bis 1918 (Biorab – Kaiserreich)
- Arnold, Wilhelm Christoph Friedrich. Hessische Biografie. (Stand: 15. April 2021). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
Einzelnachweise
- ↑ siehe Hessisches Staatsarchiv Marburg (HStAMR), Best. 915 Nr. 5663, S. 177 (Digitalisat).