Wilfried Schneider (Wirtschaftswissenschaftler)

Wilfried Schneider (* 5. Jänner 1936 in Wien) ist ein österreichischer Wirtschaftspädagoge und emeritierter Universitätsprofessor. Von 1971 bis 2004 war er Ordinarius für Wirtschaftspädagogik an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU).

Leben und Ausbildung

Schneider studierte Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule für Welthandel (heute Wirtschaftsuniversität Wien) und schloss das Studium als Diplomkaufmann ab. Anschließend promovierte er zum Doktor der Handelswissenschaften im Fach Betriebswirtschaftslehre; die Promotion wurde mit Auszeichnung bewertet. Zudem legte er die Lehramtsprüfung für mittlere und höhere kaufmännische Schulen ebenfalls mit Auszeichnung ab und absolvierte sechs Semester Psychologie an der Universität Wien.1962 absolvierte Schneider einen sechsmonatigen Forschungsaufenthalt in den USA im Rahmen eines OECD-Programms, besuchte mehrere Universitäten und untersuchte Management-Trainingsprogramme. Es folgten weitere Studienaufenthalte in Deutschland, England und den USA sowie Gastprofessuren in St. Gallen und Köln.[1]

Mit seiner Habilitationsschrift zum programmierten Wirtschaftsunterricht erwarb er 1970 die Venia legendi für Wirtschaftspädagogik.[1]

Akademische Laufbahn

Nach Tätigkeiten als Berufsschullehrer und als Universitätsassistent am Institut für Wirtschaftspädagogik der Wirtschaftsuniversität Wien wurde Schneider 1971 zum Ordinarius für Wirtschaftspädagogik berufen.[1] Er leitete das Institut für Wirtschaftspädagogik von 1971 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2004 und war über drei Jahrzehnte für dessen fachliche Ausrichtung verantwortlich.[1]

Von 1976 bis 1978 war er Prorektor der Wirtschaftsuniversität Wien. Darüber hinaus übernahm er zahlreiche universitäre Funktionen, unter anderem als Vorsitzender der betriebswirtschaftlichen Fachgruppe, Baubeauftragter der Universität, langjähriges Mitglied der Budgetkommission sowie Vorsitzender der Studienkommission für die wirtschaftspädagogische Studienrichtung.[1] Schneider gehörte dem Rektoratskollegium der WU sowie Gremien der Österreichischen Rektorenkonferenz an und hatte Lehraufträge und Gastprofessuren im In- und Ausland, darunter in St. Gallen, Köln, Wien, Linz, Graz, Bozen und Krems.[1][2]

Neben seiner Tätigkeit an der Wirtschaftsuniversität Wien war Schneider am Aufbau des österreichischen Fachhochschulsektors beteiligt. Er übernahm die wissenschaftliche Leitung des Lehrgangs „Betriebswirtschaftslehre und Kommunikation“ am Regionalen Innovationszentrum Wiener Neustadt und wirkte am Aufbau des wirtschaftsbezogenen Fachhochschulstudiengangs an der Fachhochschule Wiener Neustadt mit, wo er zeitweise als stellvertretender Leiter tätig war.[1][2] Zudem war er am Aufbau der Ferdinand Porsche Fern-Fachhochschule in Wien–Wiener Neustadt beteiligt. Für seine Verdienste wurde ihm der Titel FH-Ehrensenator verliehen.[2]

Wissenschaftliches Wirken

Schneider vertrat eine kognitiv-empirisch orientierte Wirtschaftspädagogik auf betriebswirtschaftlicher Grundlage und verband fachwissenschaftliche Inhalte systematisch mit lernpsychologischer Forschung. Ein zentrales Anliegen seiner Arbeit war die Verständlichkeit fachlicher Inhalte sowie deren didaktisch strukturierte Vermittlung. In diesem Zusammenhang entwickelte er das sogenannte Wiener Verständlichkeitsmodell, das Verständlichkeit als Zusammenspiel von inhaltlicher Klarheit, sprachlicher Strukturierung, didaktischer Reduktion und lernzielorientierter Rückmeldung begreift und insbesondere im wirtschaftspädagogischen Unterricht Anwendung fand.[1][2]

Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit lag auf der Reform der wirtschaftspädagogischen Ausbildung, insbesondere durch die stärkere Integration von Fachdidaktik, Schulpraktika und der Verbindung von wissenschaftlicher und beruflicher Qualifikation. Schneider setzte sich für eine Doppelqualifikation von Wirtschaftspädagoginnen und Wirtschaftspädagogen ein, die sowohl über fundierte betriebswirtschaftliche Fachkenntnisse als auch über ausgeprägte didaktische Kompetenz verfügen sollten.[1][2]

Darüber hinaus befasste er sich früh mit technikgestütztem Unterricht und E-Learning. Bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren arbeitete er zu programmiertem Unterricht und leitete von 1969 bis 1973 das erste österreichische Lehrmaschinenlabor. Seine späteren Arbeiten zum Einsatz digitaler Medien im Unterricht verbanden technologische Innovationen stets mit pädagogisch-didaktischen Mindestanforderungen und einer kritischen Reflexion des Lernprozesses.[1][2] In seinen Publikationen betonte Schneider wiederholt die Bedeutung verständlicher Inhalte, klar strukturierter Curricula sowie die Verbindung von Fachwissen mit überfachlichen Kompetenzen. Seine Arbeiten beeinflussten sowohl die universitäre Lehrerbildung als auch die Entwicklung wirtschaftspädagogischer Lehrpläne und Unterrichtsmaterialien in Österreich nachhaltig.[1][2]

Schwerpunkte

  • Wirtschaftspädagogik und Hochschuldidaktik
  • Didaktik des Rechnungswesens
  • Technikgestützter Unterricht und E-Learning

Ein Schwerpunkt von Schneiders Tätigkeit lag in der Entwicklung von Lehrbüchern und Unterrichtsmaterialien für mittlere und höhere kaufmännische Schulen. Als Leiter einer Lehrbucharbeitsgemeinschaft war er an zahlreichen Standardwerken zur Betriebs- und Volkswirtschaftslehre sowie zum Rechnungswesen beteiligt, die in den Verlagen Manz Schulbuch, Hölzel und Facultas erschienen.[1] Diese Lehrwerke gehörten über Jahre zu den verbreitetsten Schulbüchern im kaufmännischen Bereich in Österreich. Darüber hinaus leitete Schneider Seminare zur Bildungsforschung, war Schriftleiter einer Fachzeitschrift zur programmierten Instruktion und Referent in Weiterbildungsprogrammen der österreichischen Industrie, insbesondere zu betriebswirtschaftlichen sowie Präsentations- und Kommunikationsinhalten.[1][2]

Werke

Schneider veröffentlichte mehr als hundert Fachartikel, Monografien und Lehrbücher zur Wirtschaftspädagogik, Didaktik und Betriebswirtschaftslehre.[3]

Monografien (Auswahl)

  • Buchhaltung und Bilanzierung im Selbststudium, 24. Auflage, mit Ingrid Dobrovits und Dieter Schneider, Facultas, Wien 2022.
  • Vom Programmierten Unterricht zum E-Learning, Facultas, Wien 2016.
  • Unterrichtsplanung und komplexe Methoden, Manz, Wien 2011.

Lehrbücher (Auswahl)

  • Betriebswirtschaft. Lehrbuch für Handelsakademien, mit A. Andrae u. a., 5 Bände, Manz/Hölzel, Wien, Neuauflagen 2012–2016.
  • Betriebs- und Volkswirtschaft. Lehrbuch für Handelsschulen, mit A. Andrae u. a., 3 Bände, Manz/Hölzel, Wien, letzte Auflage 2007.

Sportliche Erfolge im Schwimmen

Bei den Masters-Europameisterschaften 2022 in Rom gewann Schneider in der Altersklasse AK85 (85–89 Jahre) die Silbermedaille über 50 Meter Freistil und wurde Vize-Europameister.[4] Bei den World Aquatics Masters Championships 2024 in Doha erreichte er in derselben Altersklasse Bronze über 50 und 100 Meter Freistil sowie Silber über 50 Meter Rücken. Auch bei weiteren internationalen und nationalen Masters-Bewerben ist er in seiner Altersklasse regelmäßig in den Ergebnislisten als Mehrfachsieger geführt.[5][6]

Auszeichnungen

Schneider erhielt 1971 den Dr.-Kardinal-Innitzer-Preis für seine Habilitationsschrift. Weitere Auszeichnungen sind das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (1992), das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse' (2001) sowie der Hochschuldidaktikpreis der Wirtschaftsuniversität Wien (1990, 1992).[1][7] Darüber hinaus wurde ihm die Ehrennadel der Stadt Wiener Neustadt verliehen und er erhielt den Norbert-Wiener–Helmut-Schmidt-Preis der Gesellschaften für Kybernetische Pädagogik und für Pädagogik und Information.[1]

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j k l m n o Lebenslauf Em. o. Univ.-Prof. Dr. Wilfried Schneider. (PDF) In: Wirtschaftsuniversität Wien, abgerufen am 22. Dezember 2025.
  2. a b c d e f g h Josef Aff: Zum Wirken Wilfried Schneiders. (PDF; 0,2 MB) In: Wirtschaftsuniversität Wien, abgerufen am 22. Dezember 2025.
  3. Wilfried Schneider – Publikationen. In: WU Research.
  4. Sandra Kartik: WU-Professor (86) krault bei Schwimm-EM Jungen davon. In: Heute.at. DJ Digitale Medien GmbH, 7. September 2022, abgerufen am 26. Dezember 2025.
  5. OSV-MASTERS BEI DER EM WEITER IM SPITZENFELD. In: Österreichischer Schwimmverband, abgerufen am 22. Dezember 2025.
  6. OSV-Masters gewinnen 43 WM-Medaillen. In: Österreichischer Schwimmverband. Abgerufen am 26. Dezember 2025.
  7. Wilfried Schneider – Personenprofil. In: WU Research.