Wie konnte das geschehen? Deutschland 1933 bis 1945
Wie konnte das geschehen? Deutschland 1933 bis 1945 ist ein 2025 von dem Historiker Götz Aly im Verlag S. Fischer veröffentlichtes Buch, das die Herrschaftsmethoden der NS-Machthaber und deren Wirkung auf die Bevölkerung nachzeichnet. Das Werk ist auch eine Summe seiner früheren Beiträge zur Erforschung der NS-Herrschaft. Dabei stützt sich der bekannte wissenschaftliche Autor und Mitherausgeber der VEJ – Quellenedition zur Erforschung der NS-Verfolgung der Juden auf ein breites Spektrum von Quellen.
Inhalt
Aly fragt, warum und welche Teile der Bevölkerung dem diktatorischen System durch ihr Schweigen oder offen zustimmten, obwohl die Verbrechen seit 1933 früh erkennbar waren.
In 13 Kapiteln geht er dieser Fragestellung und den Folgen der Antwort für die Zukunft nach. In der Einleitung beleuchtet Aly die Bedeutung dieser unter Wissenschaftlern umstrittenen Antworten auf die Frage und die Fragestellung. Im ersten Kapitel weist er auf den Zusammenhang des Rassismus, von der Ideologie des Antisemitismus, und der Zugehörigkeit der Täter und der Opfer zu sozialen Gruppen/Schichten. Dann folgen Aspekte des Wegs der NSDAP zur Machtübernahme. Die ersten Jahre an der Macht werden zur Stabilisierung ihrer sozialen Basis in der Bevölkerung (z. B. Mieter-, Kündigungsschutz, die ersten Wahlerfolge danach) benutzt. Der Weg in den Krieg wird durch Auflösung verschiedener sozialer Milieus vorbereitet. Einerseits die Beschreibung der NS-Propaganda und andererseits deren Wirkung auf die Bevölkerung: das Beschweigen oder sogar die direkte Einbeziehung als Nutznießer der Verbrechen; in dem Kapitel Zwischen Angst und Hoffnung. Aly will damit erklären, dass die NS-Führung durch eine Kombination aus Bestechung, Unterdrückung und der Angst vor den Folgen einer militärischen Niederlage, durch die Schaffung einer Pseudo-„Volksgemeinschaft“, auch die nicht an die NS-Partei gebundene Bevölkerung in deren Verbrechen hineinzieht.
Aly beschreibt den Raubkrieg 1939–1945 nach Osten und Westen als ein Mittel, um den davor bereits absehbaren Staatsbankrott zu verhindern oder zumindest zu verheimlichen. Im Völkermord an den Juden (Holocaust) und im Völkermord an den Sinti und Roma in Deutschland und Europa; S. 503 ff) werden auch die nicht direkt beteiligten Bevölkerungsteile ab 1938 Schritt um Schritt in eine Mitwisserschaft hineingezogen. Das vorletzte Kapitel, überschrieben mit Höllentempo, Terror, Tod und Teufel, zeigt den Weg in der Schlussphase des Kriegs in die militärische Niederlage, eine allgemeine Katastrophe und zu einer Befreiung von wenigen überlebenden Opfern der NS-Herrschaft.
Sein Résumé für die Zukunft benennt die Herrschaftsmethoden, die weltweit Warnzeichen sein sollten.
Textfassung
- Wie konnte das geschehen? Deutschland 1933 bis 1945. Verlag S. Fischer, Frankfurt/M. 2025, ISBN 978-3-10-397364-8.
Weblinks
- Website des Verlages zum Buch
- Hitlerdeutschland - Wie konnte das geschehen? Veranstaltungsvideo des Stadtarchivs Mannheim mit Götz Aly, Marchivum, Mannheim, 2025-09-17, 126 Minuten.
- Rezensionsübersicht bei Perlentaucher
- Jens Bisky: So haben die Deutschen vom Holocaust profitiert (Rezension in Die Zeit am 12. Oktober 2025)
- Ulrich Gutmair: Die Mitte machte mit (taz-Rezension am 2. September 2025)