Wichsenstein (Adelsgeschlecht)
Die Herren von Wichsenstein waren ein oberfränkisches Adelsgeschlecht und Ministeriale des Bistums Bamberg. Ihre Stammburg war die Burg Stein im heutigen Ort Stein, der südlich von Pegnitz liegt. Letztere Burg gaben sie aus unbekannten Gründen auf und das Geschlecht errichtete eine neue Burg.
Geschichte
Das Geschlecht ist mit Wikker im Jahre 1118 erstmals belegt. Eberhard de Lapide (von Stein) trat 1121 auf; dieser war 1122 als Eberhard von Wikkeristein bekannt. Dessen Vater war vermutlich der Erbauer der Burg Wichsenstein.[1] Im Jahre 1133 erschien Eberhard mit seinem Bruder Wikker (Eberhard und Wikker de Lapide) in einer Urkunde des Klosters Ensdorf. Eberhard II. de Steine war 1165 bischöflicher Ministeriale, 1201 war Wikker II. Zeuge des Bischofs Timo von Bamberg und Eberhard III. war 1240 Zeuge einer Urkunde Friedrichs III. Walpot für das Kloster Banz.
Die Burg Wichsenstein wurde jedoch erstmals am 30. Oktober 1310 urkundlich erwähnt. Damals erhielt Konrad I. von Wichsenstein vom Bamberger Bischof Wulfing von Stubenberg 60 Pfund Haller und musste dafür zehn Jahre lang mit der Burg „gewarten“, also sie mit seiner Besatzung im Kriegsfall für das Bistum verteidigen. 1328 lieh Bischof Heinrich II. dem Boppo von Wichsenstein weitere hundert Pfund Haller für dessen dem Bischof verpfändeten Teil der Burg. Dafür musste er dem Bischof das Vorkaufsrecht einräumen; die Burg blieb somit weiterhin freies Eigen der Familie von Wichsenstein.
Im Laufe des 14. Jahrhunderts gerieten die Wichsensteiner, vermutlich durch den wirtschaftlichen Aufschwung der Städte und die Agrarkrise in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts, in finanzielle Schwierigkeiten und wurden zu Raubrittern. Georg von Wichsenstein stand im Dienst der ebenfalls raubritterlich auftretenden Brüder Heinrich und Eberhard von Berg und wurde 1397 bei der Belagerung der Burg Spies bei Betzenstein von König Wenzel gefangen genommen. Nachdem er einige seiner Mitstreiter („Staudenhechte“) verraten hatte, wurde er in Nürnberg hingerichtet.
1421 lagen Hans II., Kunz IV., Fritz II. und Hermann III. von Wichsenstein in Fehde mit dem Hochstift Bamberg und der Reichsstadt Nürnberg. Noch im selben Jahr überfielen Hans von Wichsenstein und Michael von Streitberg einen Leipziger Kaufmannszug, plünderten ihn und nahmen mehrere Personen gefangen. Daraufhin ließ Bischof Albrecht von Wertheim die Burg Wichsenstein wegen Raubrittertums zerstören. Ein Wiederaufbau durfte ohne seine Genehmigung nicht erfolgen.
1432 wurde die Ruine als bischöfliches Lehen erwähnt; im Falle eines Wiederaufbaus musste sie als offenes Haus des Hochstifts dienen. 1436 erschien sie erneut als Schloss Wichsenstein; sie war also innerhalb von vier Jahren wiederaufgebaut worden, wobei das genaue Ausmaß der vorherigen Zerstörung unbekannt blieb.
In den folgenden Jahren wurden Teile der Burg Lehen des Ministerialen Jörg von Rabenstein. Weitere Anteile befanden sich 1476 im Besitz der Wichsensteiner Linien zu Bieberbach und einer weiteren Linie, deren Anteil jedoch freies Eigen blieb. Eine andere Linie der Familie wurde 1484 mit dem unterfränkischen Schloss Hainstatt vom Bischof von Würzburg belehnt.
Nach 1507 endeten alle Belehnungen. Auf einer Karte aus der Mitte des 16. Jahrhunderts war die Burg bereits als Ruine dargestellt; vermutlich wurde sie 1525 im Bauernkrieg endgültig zerstört.
1609 bestanden noch größere Reste der Anlage, wie aus einem Text über das Rittergut Wichsenstein hervorging. Nach dem Aussterben des Geschlechts mit Georg von Wichsenstein zu Kirchschönbach im November 1606 verkauften die Erben das Rittergut am 24. November 1621 an das Bistum Bamberg. In der Verkaufsurkunde wurde es jedoch als freiadeliges Gut bezeichnet; von einer bischöflichen Lehensherrschaft war keine Rede, und auch die Burg selbst wurde nicht mehr erwähnt.
Georg von Wichsenstein bekleidete die Ämter des würzburgischen Rats und Amtmanns und war verwandt mit denen von Wiesenthau.
Wappen
Blasonierung: In Silber ein blauer aufspringender Wolf. Auf dem Helm eine gekrönte wachsende Büste in Blau, um deren Arme sich zwei silberne (auch blaue) Schlangen schlingen. Die Helmdecken sind blau-silbern.
Persönlichkeiten
- Walburg von Wichsenstein, erste Äbtissin im Benediktinerinnenkloster St. Afra
- Jakob von Wichsenstein, der Ältere, Kantor und Stiftsdekan
- Jakob von Wichsenstein, der Jüngere, Domherr und Stiftsdekan[2]
- Georg von Wichsenstein, würzburgischer Rat und Amtmann[3]
Einzelnachweise
- ↑ Hellmut Kunstmann: Die Burgen der südwestlichen Fränkischen Schweiz. S. 2.
- ↑ Wichsenstein (Adelsgeschlecht). In: wuerzburgwiki.de. WÜRZBURGWIKI, abgerufen am 7. November 2025.
- ↑ Georg von Wichsenstein, würzburgischer Rat und Amtmann in Schlüsselfeld gibt als Vormund für seinen Neffen Ernst von Wiesenthau, Sohn von Wilhelm von Wiesenthau, Abt Georg vom Kloster Michelsberg Revers über das zu Mannlehen erhaltene Haus Hundshaupten ("Hundthaupten"), das sein Vater und dessen Brüder Hans, Siegmund und Peter von Wiesenthau von Clement von Wiesenthau erbten. Wilhelm hatte aber seinen Brüdern ihren Anteil abgekauft, ebenso hatte er den fünften Teil daran seinem Vetter Georg Sigmund von Wiesenthau abgekauft; Lehenbrief ist inseriert. - S : A. In: deutsche-digitale-bibliothek.de. Deutsche Digitale Bibliothek, abgerufen am 7. November 2025.