Westfälische Volkszeitung

Die Westfälische Volkszeitung war eine Zeitung im Ruhrgebiet, deren Gründung auf das Jahr 1872 zurückgeht. Das Zentrumsorgan wurde von 30 Bürgern die Aktiengesellschaft „Märkische Vereins-Druckerei A.-G.“ in Bochum gegründet, um eine Ergänzung zum Bochumer Kreisblatt zu haben. Unter den Gründungsmitgliedern befanden sich Max Greve, Bürgermeister der Stadt Bochum sowie der Direktor der Sparkasse Bochum.

Die erste Ausgabe erschien dann am 1. Juli 1872. Die katholische Ausrichtung der Zeitung kann man aus dem Motto zurückschließen: „fortes in fide“, was übersetzt „stark im Glauben“ bedeutet.[1]

Wie alle lokale und regionale Zeitungen berichtete die Westfälische Volkszeitung in vielen Artikeln über die Bochumer Frauenmorde von 1878 bis 1882. Dabei wurde die erste Verwendung des Begriffes Lustmord in späteren Zeitungsartikeln der Westfälischen Volkszeitung zugeschrieben,[2] „ein braves Zentrumsblatt“.[3] Ob der dortige Redakteur dieses Wort erfunden hat, oder ob er Adolf Stahrs Ein Jahr in Italien von 1850 kannte, in dem der Begriff Lustmordkämpfer als Bezeichnung für die Gladiatoren vorkommt,[4][5] kann heute nicht mehr ermittelt werden.

„Im Anschluß hieran wird erwähnt, daß das Wort „Lustmord“ damals von der hiesigen „Westf. Volkszeitung“ erfunden und zuerst gebraucht worden ist. Eine erfreuliche Bereicherung des Sprachschatzes bedeutet dasselbe allerdings nicht, aber es ist für den Charakter des Verbrechens doch sehr bezeichnend.“

Märkischer Sprecher[6]

Diese Bezeichnung wurde später auch von vielen überregionalen Zeitungen übernommen. Die Berichterstattung über das fünfte Opfer, die Hebamme Johanne Becker, in dem Leipziger Tagesblatt im November 1880 war Bezugsquelle für die Aufnahme des Wortes Lustmord in das Wörterbuch der Gebrüder Grimm im Jahr 1881[7] oder 1885.[8]

Redakteur war von 1884 bis 1893 Johannes Fusangel, der auch als Sozial- und Zentrumspolitiker aktiv war.[1]

Die Zeitung konnte eine stetig wachsende Auflage verzeichnen. War es im Jahr 1884 noch 3.000 Stück, war es im Jahr 1893 bereits 9.000 Stück.[1] Im Jahr 1906 betrug die Auflage 8.500.[9] Die höchste Auflage hatte die Zeitung im Jahr 1920 mit 25.000 Stück.

Am 16. Mai 1934 erschien die letzte Ausgabe der Westfälischen Volkszeitung.[1] Sie wurde, zusammen mit anderen Blättern, in der „Volks-Zeitung für den rheinisch-westfälischen Industriebezirk“ fortgesetzt. Die letzte Ausgabe erschien am 31. Mai 1941.[10]

Einzelnachweise

  1. a b c d Katharina Leoni Krause: Westfälische Volks-Zeitung. zeit.punkt.nrw, 2025, abgerufen am 27. September 2025.
  2. Mordthaten. In: Märkischer Sprecher. Band 74, Nr. 102. Bochum 2. Mai 1902 (zeitpunkt.nrw).
  3. Der Besenbinder Schiff. In: Düsseldorfer Stadt-Anzeiger. Nr. 52. Düsseldorf 21. Februar 1929 (zeitpunkt.nrw).
  4. Adolf Stahr: Ein Jahr in Italien. Band 3. Druck und Verlag der Schulzeschen Buchhandlung, Oldenburg 1850, S. 95 (digitale-sammlungen.de).
  5. Jill Bühler: Lustwort: Lustmord – Sprachliche Verschränkungen von Blutdurst und Wollust bei Krafft-Ebing, Musil, Schubert und Kleist. In: Jill Bühler, Antonia Eder (Hrsg.): Das Unnütze Wissen in der Literatur. S. 140 (kit.edu [PDF]).
  6. Online bei zeitpunkt.nrw
  7. M. Heyne: lustigen — mandelkäse. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Hrsg.): Deutsches Wörterbuch. Band 12, 1881, S. Sp. 1348, Z. 32 (woerterbuchnetz.de [abgerufen am 26. September 2025] digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/25).
  8. Amber Aragon-Yoshida: Lustmord and Loving the Other: A History of Sexual Murder in Modern Germany and Austria (1873-1932). In: All Theses and Dissertations (ETDs). 1. Januar 2011, S. 27 f., doi:10.7936/K7PC30F6 (wustl.edu [abgerufen am 1. September 2025]).
  9. H. O. Sperling: Sperlings Zeitungs-Adreßbuch. 43. Auflage. H. O. Sperling, Stuttgart 1906, S. 282 (archive.org).
  10. Volkszeitung für den rheinisch-westfälischen Industriebezirk. 70. Jg., Nr. 126, 31. Mai 1941 (zeitpunkt.nrw).