Westfälische Drahtwerke

Die Westfälische Drahtwerke AG waren ein Unternehmen in Werne, Bochum.[1]

In den Anfängen stand das Unternehmen Walzwerk Herberz.[2] Der Ingenieur Heinrich Herberz hatte Anfang der 1870er Jahre ein Puddel- und Walzwerk, bestehend aus 22 Puddelöfen, einem Walzwerk, einer Luppenstraße, einer Universalstraße, einer Stabeisenstraße und 60 Koksöfen errichtet, an dem sich später sein Bruder beteiligte. Das Werk „Herberz Gebrüder“ wurde 1873 in Betrieb genommen. Ein Jahr später traten Zahlungsschwierigkeiten auf. 1875 wurde das Werk völlig stillgelegt.[3]

1881 wurde es von Albert Borbet (1848–1919), Friedrich Grillo (1825–1888) und Friedrich Funke (1821–1884) wieder in Betrieb genommen, das dann als KG Funke, Borbet & Co. firmierte. 1895 stiegen Borbet, Funke und alle weiteren Kommanditisten wegen geschäftlicher Schwierigkeiten aus.

1887 wurde das Werk als Westfälische Drahtwerke AG wieder in Betrieb gesetzt.[4] Maßgeblich waren hierfür die Investoren Hugo Servaes, Ed. Ischebeck, Sal. Oppenheim junior & Co., August Servaes und Alfred Freiherr von Oppenheim.[5]

Für das Rechnungsjahr 1907/1908 beklagte das Unternehmen die außergewöhnlich ungünstige allgemeine Geschäftslage, von der auch das Drahtgeschäft betroffen sei, und den Rückgang der Verkaufspreise und des Auftragsbestandes. Es wurden Feierschichten gemacht. Die Arbeiterzahl betrug durchschnittlich 948.[6] 1910 war die Zahl auf 1038 Arbeiter gestiegen.[7]

1911 fusionierte die Aplerbecker Hütte mit der Westfälische Drahtwerke AG zur Westfälischen Eisen- und Drahtindustrie AG.

1926 wurde das Werk in die Vereinigte Stahlwerke AG aufgenommen. Verwaltet wurde es von Albert Borbets Sohn Walter Borbet (1881–1942), der Generaldirektor des Bochumer Vereins geworden war. 1931 wurde das Werk stillgelegt. 1939 wurde es vom Bochumer Verein (BVG) übernommen, umgebaut und wieder in Betrieb gesetzt und als „Werk Langendreer“ zur Fabrikation von Bomben und Granaten genutzt. Nach dem Zweiten Krieg wurde die technische Einrichtung des Werkes demontiert.[4]

Literatur

  • Wolfhard Weber: Walter Borbet (1881–1942). In: Wolfhard Weber (Hrsg.): Ingenieure im Ruhrgebiet. Aschendorffsche Verlagsbuchhandlung Münster, 1999, S. 224–256.

Einzelnachweise

  1. Peter Kracht: Westfälische Drahtwerke AG.
  2. Wernes Geschichte sichtbar machen.
  3. Peter Kracht: Straßen-, Flur- und Bachnamen in Bochum-Werne.
  4. a b Gelsenkirchener Geschichten: Albert Borbet.
  5. Handbuch der deutschen Aktiengesellschaften, das Spezial-Archiv der Deutschen Wirtschaft, Band 1, 1897
  6. Nr. 44 Stahl und Eisen, 1908
  7. Nr. 45 Stahl und Eisen, 1910