Westend (Roman, 2025)
Westend ist der letzte Teil des Gereon-Rath-Zyklus des Autors Volker Kutscher und spielt 35 Jahre nach Rath, dem letzten Band der fortlaufenden Serie. Es ist das dritte Buch der Reihe, zu dem Kat Menschik Illustrationen beigesteuert hat. Das Buch erschien 2025 im Verlag Galiani, Berlin.
Form
Das Buch ist in Leinen gebunden, beim Einband und den Illustrationen dominieren Orangetöne. Der Text ist im Stil verschriftlichter Tonbandaufnahmen zwischen Gereon Rath und Hans Singer, am Ende zwischen Rath und Charlotte Böhm gehalten. In einem einleitenden Kapitel erklärt eine wissenschaftliche Hilfskraft der Universität zu Köln, dass im Nachlass des 2025 verstorbenen, emeritierten Professors Hans Singer zwei Tonbandkassetten gefunden wurden, welche er/sie[1] transkribieren und auswerten sollte. Diese Transkription folgt in der Form eines Wortprotokolls.
Inhalt
Der mittlerweile pensionierte Kriminalkommissar Gereon Rath wohnt 1973 in einem Seniorenheim in Berlin-Westend. Er erhält dort Besuch vom Historiker Hans Singer, der vorgibt, mit Rath Gespräche über Kontinuitäten in der Polizeiarbeit zwischen der Weimarer Republik, der NS-Zeit und der Bundesrepublik führen zu wollen, die er für seine Habilitationsschrift nutzen möchte. Diese Besuche finden am 4. April, 11. April und 2. Mai 1973 statt. Im Verlauf des zweiten Gesprächs wird klar, dass Singer der Adoptivsohn von Charlotte Böhm (der früheren „Charly“ Rath) und Wilhelm Böhm sowie der leibliche Sohn von Hannah Singer und Friedrich Thormann ist. Singer will das Gespräch mit Rath nutzen, um diesen zu dem Geständnis zu bewegen, dass Rath für die Inhaftierung seines Adoptivvaters in der DDR verantwortlich ist. Wie in weiteren Gesprächen zwischen Rath und Singer sowie später zwischen Rath und Charlotte Böhm deutlich wird, fiel Wilhelm Böhm einem fehlgeschlagenen Plan von Rath zum Opfer, mit dem dieser den früheren SD-Obersturmbannführer Sebastian Tornow in eine Falle locken wollte.
Schicksal einzelner Charaktere aus dem Gereon-Rath-Zyklus
In Westend werden die weiteren Schicksale folgender Charaktere aus dem Gereon-Rath-Zyklus berichtet:
- Gereon Rath: Kehrt 1948 anlässlich der Beerdigung seiner Mutter aus den USA nach Deutschland zurück. Konrad Adenauer gewinnt ihn dafür, beim Wiederaufbau der deutschen Polizei mitzuwirken. Er arbeitet zunächst bei der Polizei in Köln und ab 1949 in West-Berlin, wo er 1964 pensioniert wird.
- Charlotte Böhm / Charly Rath: Heiratet 1939 Wilhelm Böhm, um Hans Singer adoptieren zu können. Nach dem Krieg arbeitet sie zunächst für die Polizei in der sowjetischen Besatzungszone und später für die Volkspolizei der DDR. Nach der Verhaftung von Wilhelm Böhm wird sie ebenfalls aus dem Polizeidienst entlassen und arbeitet als Kellnerin. Im August 1961 erhält sie die Erlaubnis, zur Beerdigung ihrer Mutter in die Bundesrepublik auszureisen, und kehrt wegen des Mauerbaus nicht mehr in die DDR zurück.
- Wilhelm Böhm: Tritt nach dem Krieg ebenfalls wieder in Ost-Berlin in den Polizeidienst ein. Er wird 1953 bei dem von Gereon Rath fingierten Treffen mit Sebastian Tornow von der Stasi als angeblicher Spion verhaftet und zu 18 Jahren Haft verurteilt. Er stirbt 1973 im Alter von 88 Jahren.[2]
- Sebastian Tornow: Gerät bei Kriegsende zunächst in britische Kriegsgefangenschaft, erhält aber später einen Persilschein. Danach arbeitet er als Journalist bei einem Hamburger Nachrichtenmagazin. Nachdem er 1953 von Gereon Rath entdeckt und nach Ost-Berlin gelockt wird, wird er von der Stasi verhaftet. Vermutlich weil er über geheimdienstlich nutzbare Informationen und Kontakte verfügt, wird er aber nicht – wie von Gereon Rath beabsichtigt – inhaftiert, sondern arbeitet bis zu seinem Tod 1972 selber für die Stasi.
- Friedrich Thormann: Gerät während des Zweiten Weltkriegs in sowjetische Kriegsgefangenschaft, aus der er erst 1955 nach Deutschland zurückkehrt.
- Paul Czerwinski: Arbeitet nach dem Krieg als Versicherungsvertreter.
- Andreas Lange: Wird Mitglied der Einsatzgruppe B und ist 1941 an der Erschießung von Juden in Minsk beteiligt, fällt 1943 während des Russlandfeldzugs.
- Reinhold Gräf: Seit 1938 verschwunden. Es wird spekuliert, dass er entweder ins Ausland geflohen ist oder vom SD exekutiert wurde.
- Monika Rademann: Überlebt als einzige der Familie den Zweiten Weltkrieg; auf das Schicksal der anderen Familienmitglieder wird nicht weiter eingegangen.
Rezensionen
Westend wurde überwiegend positiv rezensiert. Gelobt wird, dass das Buch nicht nur die Erzählstränge der Romanreihe zu einem schlüssigen Ende führt, sondern dass es auch Themen wie die ungebrochenen Karrieren von NS-Tätern im Nachkriegsdeutschland und die Stimmung der Nachkriegsgesellschaft aufgreift.[3][4]
Ausgaben
- Westend, Verlag Galiani Berlin, 2025, ISBN 978-3-86971-323-6
Einzelnachweise
- ↑ Volker Kutscher: Westend. Galiani, Berlin 2025, S. 10: „unterzeichnet M. Kayser“
- ↑ Volker Kutscher: Westend. Galiani, Berlin 2025, S. 71 und 90.
- ↑ Gereon Asmuth: Allerletztes Buch der Gereon-Rath-Reihe: Praliné mit doppeltem Zeitsprung. In: Die Tageszeitung: taz. 4. September 2025, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 25. September 2025]).
- ↑ Peter Zander: „Westend“: Der Schlussstein zu Volker Kutschers Rath-Romanen. 2. September 2025, abgerufen am 25. September 2025.