Westdeutsche Rundschau

Westdeutsche Rundschau

Beschreibung Tageszeitung
Hauptsitz Wuppertal
Erstausgabe 8. Mai 1946
Einstellung 14. August 1971
Erscheinungsweise täglich morgens

Die Westdeutsche Rundschau (WR) war eine Tageszeitung, die zwischen 1946 und 1971 in Wuppertal erschien. Als Lizenzzeitung stand sie der FDP nah und wurde in der Nordrheinprovinz vertrieben. Danach entwickelte sie sich zur Lokalzeitung und ging 1971 im konkurrierenden General-Anzeiger auf.

Lizenzzeitung

In der Britischen Besatzungszone wurden 1946 vier Zeitungen für die FDP lizenziert.[1] In Nordrhein-Westfalen war neben der Westdeutschen Rundschau für den rheinischen Teil (Regierungsbezirke Köln, Düsseldorf und Aachen) das Westdeutsche Tageblatt aus Dortmund in den Regierungsbezirken Arnsberg und Münster lizenziert.[2]

Die Lizenz für die Westdeutsche Rundschau galt ab dem 1. Mai 1946, am 8. Mai erschien sie zum ersten Mal im Verlag Westdeusche Presse. Lizenzträger waren Carl Wirths, Friedrich Middelhauve, Christian Gehring (gleichzeitig Chefredakteur) und Eugen Richter. Wirths und Middelhauve hielten dreimal mehr Anteile als Gehring und Richter, der nur stiller Teilhaber war. Wirths übernahm die Geschäftsleitung und gab in dieser Zeit wohl den Ton an. Er wurde als „sehr streitbar“ beschrieben. Gedruckt wurde sie vor allem im Pressehaus von W. Girardet in Wupperal, lokal aber auch bei anderen, dort ansässigen Altverlegern.[2]

In der Lizenzzeit erschien die Zeitung an drei Tagen in der Woche und mit 16 sogenannten Bezirksausgaben. Alle erreichten zusammen eine Auflage von 90.500 Exemplaren.[3] Die Lokalausgaben waren teilweise sehr kurzlebig, etwa die in Gummersbach. Zwischen dem 28. Oktober 1948 und dem 24. Dezember 1948 gab es auch eine Ausgabe im westfälischen Hagen mit dem Untertitel Neue Hagener Zeitung. Sie entstand in Kooperation mit dem Altverleger Gustav Butz und knüpfte damit an eine Vorkriegszeitung an. Die Herausgabe verstieß gegen die Lizenzierung, die Rundschau musste ihre Abonnements daher an das Westdeutsche Tageblatt abgeben.[2] Wie allen FDP-Zeitungen in Westdeutschland ging es auch der Westdeutschen Rundschau wirtschaftlich nicht besonders gut; so konnte sie nur geringe Beiträge an die Partei spenden.[4.1] Sie litt zusätzlich darunter, dass Wirths in der Landespartei als zu wenig linientreu galt. Einige andere Parteimitglieder riefen zum Boykott auf oder bauten eigene Publikationen auf.[4.2]

Im April 1949 kündigte W. Girardet den Vertrag zur Lohndruckerei, da der Verlag auch die Westdeutsche Zeitung produzierte und das Wiedererscheinen des eigenen General-Anzeigers plante. Die Rundschau wechselte daher in die Druckerei des Barmer Verlags Fr. Staats.[2]

Entwicklung nach der Lizenzzeit

Am 26. Oktober 1949 druckte die Westdeutsche Rundschau kommenarlos ein Foto eines Plakates, das Unternehmen, die den Briten bei der Demontage halfen, als Volksverräter bezeichnete. Gegenüber dem verantwortlichen britischen Land Commissioner John Ashworth Barraclough stellte sich Wirths hinter die Veröffentlichung, worauf Barraclough die Zeitung für den Verstroß gegen ein Gesetz der Alliierten Hohen Kommission für einen Monat verbot. Wirths konnte allerdings auch erwirken, dass das Verbot nach nur einem Tag aufgehoben wurde und die WR am 10. November wieder erscheinen konnte.[4.3][2]

Zudem musste die WR das Ausscheiden der Lizenzträger Gehring und Middelhauve bezahlen, die Mitglieder der Redaktion wechselten häufig. Viele Bezirksausgaben wurden eingestellt,[4.2][2] sodass die Auflage bis Ende 1949 auf etwa 50.000 Exemplare sank.[4.3]

1954[2] verkaufte Wirths als letzter FDP-Eigner seine Anteile an den Altverleger Werner Berg vom Verlag Fr. Staats (Herausgeber der Lüdenscheider Nachrichten). Seitdem bezeichnete sich die Zeitung als „überparteilich“.[4.4] Sie konnte sich aber in der Bevölkerung nicht vom Image der Parteizeitung freimachen und fiel weiter hinter dem General-Anzeiger zurück. Der Verlag Fr. Staats konnte die Zeitung wohl nie profitabel betreiben und suchte wenige Jahre nach der Übernahme Kaufinteressierte. Nachdem Verhandlungen mit der NRZ gescheitert waren, veräußerte er die WR 1965 an den Wuppertaler Konkurrenzverlag W. Girardet.[2]

Bei Girardet erschien die WR neben dem nachmittäglichen General-Anzeiger. 1967 zog die Redaktion ins Pressehaus von W. Girardet, die eigene überregionale Berichterstattung wurde allerdings eingestellt. Die Westdeutsche Rundschau bezog den Mantelteil seitdem von den Düsseldorfer Nachrichten, wohin auch ihr Chefredakteur Claus-Dieter Möhrke wechselte.[2]

Im August 1971 vereinigte der Verlag die WR mit dem General-Anzeiger, der seitdem auch morgens erschien. Die Lokalredaktionen wurden zusammengelegt. Bis zum Ende des Jahres führte der General-Anzeiger noch den Untertitel Westdeutsche Rundschau.[2]

Einzelnachweise

  1. Walter J. Schütz: Zur Entwicklung und Struktur parteinaher Zeitungen seit 1945 (II): Grundrichtung: liberal. In: Jahrbuch für Kommunikationsgeschichte. Band 11, 2009, ISSN 1438-4485, S. 123, JSTOR:20852685.
  2. a b c d e f g h i j Martin Stadtler: Bergische Presse nach 1945. In: Bergischer Journalistenverein (Hrsg.): Die Bergischen Medien: Historische Entwicklungen und aktuelle Strukturen. DJV-Verlags- und Service GmbH, Wuppertal / Bonn 2018, ISBN 978-3-935819-52-7, S. 36–54.
  3. Wilhelm Seidel: Lizenzen-Handbuch deutscher Verlage 1949: Zeitungen, Zeitschriften, Buchverlage. Walter De Gruyter, 1949, ISBN 978-3-11-164026-6, S. 28, doi:10.1515/9783111640266.
  4. Heinz-Dietrich Fischer: Parteien und Presse in Deutschland seit 1945 (= Studien zur Publizistik Bremer Reihe / Deutsche Presseforschung. Nr. 15). Schünemann Universitätsverlag, Bremen 1971, ISBN 978-3-7961-3019-9.
    1. S. 369
    2. a b S. 373
    3. a b S. 382
    4. S. 385