Werner von Resti

Werner von Resti, auch Wernher von Resti oder Werner von Resti der Jüngere (* im 13. Jahrhundert; † im 14. Jahrhundert), war ein Politiker und Diplomat des 14. Jahrhunderts der Talschaft Oberhasli.

Leben

Herkunft und Familie

Werner von Resti entstammte einem alten Adelsgeschlecht, das legendären Überlieferungen zufolge bis auf die Anführer der Hasler bei ihrer Einwanderung ins Tal zurückging. Die Familie hatte sich im Laufe der Jahrhunderte als Vorsteher, Heerführer und Priester der Talschaft Oberhasli hervorgetan.

Werner von Resti war der Sohn von Peter von Resti[1] und dessen Ehefrau Agnes von Meyringen; er hatte noch drei Geschwister.

Der 1250[2] errichtete Restiturm in Meiringen war Sitz der Ritter von Resti, die Lehensträger der Habsburger waren.

Werner von Resti heiratete im Herbst 1313 Katharina, die Schwester des mehrfachen bernischen Schultheissen Johannes von Kramburg[3]. Diese Verbindung mit dem Unterland-Adel vermehrte seinen Besitz erheblich und steigerte seinen politischen Einfluss. Sein einziger Sohn Heinrich hatte einige Jahre die Schultheissenwürde zu Thun inne und sass noch 1368 im Rat.

Durch den Tod von Johann von Kramburg im Jahr 1355, dessen Tochter Johanna ins Kloster Frauenkappelen eintrat und dadurch die Erbfähigkeit verlor, fielen alle kramburgischen Besitzungen in Werners Hand[4], unter anderem auch die Burg Gerzensee.

Nach seinem Tod erfolgte die Beisetzung von Werner von Resti bei den Franziskanern[5] in Bern.[6]

Ausbildung und Jugend

Gemäss den Gepflogenheiten seiner Zeit erhielt Werner seine elementare Bildung in den Schulen der Benediktiner im Kloster Engelberg, deren Stift sich durch besondere wissenschaftliche Vorbildung und Schuleinrichtungen auszeichnete. Diese Ausbildung war typisch für junge Edelleute, die eine umfassende Erziehung anstrebten.

In seiner Jugend genoss Werner gemeinsam mit seinem Jugendfreund Walther von Rynach unter Aufsicht eines Zuchtmeisters eine Erziehung am Hof der Herzöge von Österreich. Diese höfische Ausbildung vermittelte ihm nicht nur weltmännische Klugheit, sondern auch die militärischen und diplomatischen Fähigkeiten, die für seine spätere Laufbahn von hohem Wert sein sollten. Ende 1307 kehrte er in sein heimatliches Tal zurück, um an den Geschäften seiner Landsleute teilzunehmen. Ebenfalls im Jahr 1307 trat er als Junker in die Vorbereitung zur Ritterwürde ein, die ihm zwei Jahre später, 1309, verliehen wurde.

Aufstieg zur Macht

Werners Wesen, seine weltmännische Klugheit und der Reichtum, machten ihn schnell zu einer der bedeutendsten Persönlichkeit des Landes. Die Oberhasler vertrauten ihm bald die obersten Ehrenstellen an. Zu der Kirche unterhielt er ein freundschaftliches Verhältnis und erwies sich mehrfach als deren Wohltäter, indem er mehrere Zehnten und Lehensrechte an das Kloster Interlaken vergab. Einer Urkunde von 1319 ist zu entnehmen, dass Werner Inhaber von Lehen war, die den Herzögen von Österreich gehörten, was belegt, dass diese auch im Haslital Besitzungen hielten.

Politische Krisen und diplomatische Meisterleistungen

Das Jahr 1332 markierte einen Wendepunkt in Werners politischer Karriere. Ein Konflikt zwischen den Haslern und den Reichsfreiherren von Weissenburg entstand, als diese neue Rechte forderten und schwere Lasten auf die Bevölkerung legten. Dies weckte Hass unter den Talleuten. Die Hasler planten, dieses ungerechte Joch gewaltsam abzuschütteln, und verabredeten sich mit ihren Nachbarn von Unterwalden zu einem Kriegszug gegen die Burg Unspunnen.

Werner von Resti, jedoch zeigte in dieser kritischen Situation seine aussergewöhnliche politische Weitsicht. Er warnte eindringlich vor diesem Unterfangen, da er erkannte, dass ein unerfahrenes Hirtenvolk wie die Hasler gegen einen im Kriegshandwerk erfahrenen Ritter und Feldherrn viel zu schwach war. Seine Weigerung, sich an dem Unternehmen zu beteiligen, brachten ihm Vorwürfe der Zuneigung zum Adel und Verachtung des Landvolkes ein. Doch der Ausgang des Gefechts an der Hasleregg bewies die Richtigkeit seiner Bedenken: Unter Anführung des jungen Landammanns Johann von Rudenz[7] erlitten die Hasler eine Niederlage, wobei fünfzig ihrer Leute gefangen wurden.

Die Hasler erkannten nun die Weisheit von Werners Rat. Statt militärischer Konfrontation bewies sich die diplomatische Lösung als der richtige Weg. Zur gleichen Zeit bot sich Werner Gelegenheit, seine diplomatischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, indem er einen Streit zwischen dem Gotteshaus Interlaken und dem Land Obwalden vermittelte. Die erfolgreiche Beilegung dieses Konflikts führte dazu, dass die Unterwaldner in einer Friedensurkunde vom 30. September 1333 erklärten, sie seien mit Interlaken gänzlich gefriedigt. Die Begebenheit wurde 600 Jahre später beim Festspiel zur 600-Jahrfeier Bern-Oberhasli durch Fritz Ringgenberg in einem Schauspiel dargestellt.[8]

An der Landsgemeinde des Jahres 1334 wurde Ritter Werner von Resti zum Landammann des Oberhasli gewählt. Er war in dieser Aufgabe bestrebt, die gefangenen Hasler zu befreien und erkannte, dass mit dem alten Freiherrn kein Abkommen zu treffen sei. Aus diesem Grund begab sich Werner nach Bern, um dort bei seinem befreundeten Schwager, dem Schultheissen von Kramburg, und der Stadt Bern Hilfe zu suchen.

Der Zeitpunkt war äusserst günstig. Auch die Berner lebten auf gespanntem Fuss mit dem Freiherrn von Weissenburg und nutzten diese Gelegenheit, den seit 1275 mit Bern verbündeten Haslern beizustehen. Bevor es zum offenen Krieg kam, wurde die Angelegenheit gütlich erledigt: Der Freiherr setzte die gefangenen Hasler in Freiheit und trat die Reichspfandschaft von Hasli an die Stadt Bern ab. Die Einleitung, Durchführung und Vollendung dieser für das Haslital überaus folgenreichen Angelegenheit war das persönliche Werk des Ritters Werner von Resti.

Es sollte nicht lange dauern, bis die Stadt Bern ihrerseits der Hilfe der Hasler bedurfte. Im Jahr 1339 fasste eine Koalition des Adels den Entschluss, die Stadt Bern von Grund auf zu zerstören. Alle friedlichen Lösungsversuche blieben fruchtlos, und Bern entschloss sich zur Gegenwehr, und suchte hierbei Hilfe bei seinen Verbündeten.

Der Rat Berns sandte den Schultheissen von Kramburg zu seinem Schwager, dem Landammann Werner von Resti, um die Hasler um Hilfe zu bitten. Werner erkannte sofort die schwierige Lage der Stadt und des Landes. Er tat alles, um Bern wirksame und ausgiebige Hilfe zu senden. Wenige Tage später, am 21. Juni 1339, zog der Ritter von Resti als Anführer von 300 bewaffneten Haslimannen[9][10] durch die Tore Berns, um unter deren Banner den bei Laupen (siehe Laupenkrieg) lagernden Feind anzugreifen.[11] Seine Truppen trugen wesentlich zum Sieg bei und festigten damit die Bindung zwischen den Haslern und Bern, die sich noch lange Zeit gegenseitig als Bürger und Eidgenossen bezeichneten.

Rückzug aus der Politik

Nach diesen bedeutenden Ereignissen schien sich Resti von den öffentlichen Angelegenheiten zurückzuziehen. Im Jahr 1340 trat er als Landammann der Landschaft Hasli ab. Im selben Jahr gab er auch das Lehen Kyen an Johannes von Ringgenberg zurück.

Der genaue Zeitpunkt seines Todes ist, wie auch der seiner Geburt, nicht überliefert.

Nachkommenschaft und Vermächtnis

Werner von Resti hinterliess einen Sohn, Heinrich von Resti, der als Schultheiss zu Thun fungierte. Heinrich war der letzte seines Stammes und wurde mit Helm und Schild, wie sein Vater, bei den Franziskanern in Bern beigesetzt, wo er 1360 eine Jahrzeit gestiftet hatte.

Die Vermittlungen von Werner von Resti zwischen den Haslern, Bern und dem Adel des Unterlandes legten den Grundstein für die späteren engen Bindungen der Talschaft an die Stadt Bern und trugen somit zur Formung der politischen Struktur der entstehenden Schweizer Eidgenossenschaft bei.

Literatur

  • Werner von Resti. In: Sammlung bernischer Biographien, 1. Band. Bern, 1884. S. 235–238 (Digitalisat).
  • Werner von Resti. In: Adolf Mühlemann: Studien zur Geschichte der Landschaft Hasli. In: Archiv des Historischen Vereins des Kantons Bern, 14. Band, 3. Heft. Bern 1895. S. 278, 292, 304–305, 316, 319 und 321 (Digitalisat).
  • Werner von Resti. In: J. Theiler: Das Geschlecht der Resti von Meiringen. In: Der Bund vom 17. Oktober 1952. S. 7 (Digitalisat).
  • Werner von Resti. In: Aus dem Oberhasli. In: Geschäftsblatt für den obern Teil des Kantons Bern vom 13. Dezember 1963. S. 18 (Digitalisat).

Einzelnachweise

  1. Christian Müller (2): von Resti. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 31. August 2009, abgerufen am 5. Dezember 2025.
  2. Burgenwelt - Resti - Schweiz. Abgerufen am 5. Dezember 2025.
  3. Franziska Hälg-Steffen: von Kramburg. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 4. Dezember 2008, abgerufen am 5. Dezember 2025.
  4. Mülinen: Beiträge zur Heimathkunde des Kantons Bern deutschen Theils. B.F. Haller, 1881 (google.de [abgerufen am 5. Dezember 2025]).
  5. Das Franziskanerkloster. 1903, abgerufen am 5. Dezember 2025.
  6. Willi, Andreas Willi: Die Ritter und Edlen des Haslethales: ein weiterer Beitrag zur Kunde des engern Oberlandes. Buchdr. Aemmer & Balmer, 1881 (google.de [abgerufen am 5. Dezember 2025]).
  7. Franziska Hälg-Steffen: von Rudenz. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 5. Januar 2012, abgerufen am 5. Dezember 2025.
  8. Isen im Fiir. In: Geschäftsblatt für den obern Teil des Kantons Bern. 3. September 1934, abgerufen am 5. Dezember 2025.
  9. Abhandlungen des Historischen Vereins des Kantons Bern. Stämpfliche Verlagshandlung, 1893 (google.de [abgerufen am 5. Dezember 2025]).
  10. F. von Gunten: Unterseen und seine Umgebung in historischer Beziehung. Buchdruckerei Aemmer & Balmer, 1882 (google.de [abgerufen am 5. Dezember 2025]).
  11. Willi, Andreas Willi: Die Betheiligung der Oberhasler an der Schlacht bei Laupen 1339. Buchdr. Aemmer & Balmer, 1879 (google.de [abgerufen am 5. Dezember 2025]).