Werner Kraus (Beamter)

Werner Kraus (* 4. Februar 1818 in Flensburg; † 18. August 1900 in Kiel) war ein schleswig-holsteinischer Beamter, Rechtsanwalt und Politiker.

Leben

Werner Kraus besuchte in Flensburg und in Schleswig das Gymnasium. Seit Ostern 1836 studierte er Rechtswissenschaft –, zunächst an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, dann an der Humboldt-Universität zu Berlin sowie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit 1839 studierte er wieder in Kiel, wo er 1841 sein Staatsexamen ablegte. Danach arbeitete er in verschiedenen schleswig-holsteinischen Städten. 1845 wurde Kraus als Beamter in der Schleswig-Holstein-Lauenburgischen Kanzlei in Kopenhagen angestellt. Infolge der Schleswig-Holsteinischen Erhebung war Kraus seit 1848 für die Provisorische Regierung tätig.[1]

Im Jahr 1852 schied Kraus aus dem Staatsdienst aus und wurde Rechtsanwalt in Kiel. 1864 wurde er Amtmann in Flensburg und 1865 als Regierungsrat Sektionschef bei der schleswig-holsteinischen Landesverwaltung[1] in Kiel. Nach der Annexion Schleswig-Holsteins durch das Königreich Preußen wurde er 1866 aus dem Amt entlassen.

Von 1867 bis 1871 war Werner Kraus ein Abgeordneter des Wahlkreises Schleswig-Holstein 2 (Apenrade, Flensburg) im Reichstag des Norddeutschen Bundes. Hierdurch war er auch Mitglied des Zollparlaments. Er gehörte zunächst der Fraktion der Bundesstaatlich-Konstitutionellen Vereinigung an und wechselte später zur Fraktion der Freien Vereinigung.[2]

Von 1870 bis 1894 war Kraus als unbesoldeter Stadtrat in Kiel tätig und befasste sich vor allem mit dem Schulwesen. Denn das beständige Ansteigen der Einwohnerzahl der Stadt Kiel machte den Bau neuer Schulen erforderlich.[1] Im Rahmen seiner Tätigkeit war Kraus Vorsitzender der Schulkommission und der Baukommission.

Kraus war am 10. Dezember 1875 ein Gründungsmitglied der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte und wurde zu deren Vorsitzenden gewählt. Das Amt hatte er bis 1890 inne.

Nach Kraus wurde im Kieler Stinkviertel die Krausstraße benannt.[3] Vom Westring zweigt die Straße, die zugleich den Baukomplex aus der Gründerzeit nach Norden begrenzt, in westlicher Richtung ab.

Werner Kraus wurde in einem Ehrengrab auf dem Kieler Südfriedhof beigesetzt (S 146).[4]

Ehrung

Literatur

  • Bernd Haunfelder, Klaus Erich Pollmann: Reichstag des Norddeutschen Bundes 1867–1870. Historische Photographien und biographisches Handbuch (= Photodokumente zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 2). Droste, Düsseldorf 1989, ISBN 3-7700-5151-3.

Einzelnachweise

  1. a b c d Stadt Kiel: Biografie Werner Kraus. Abgerufen am 10. Dezember 2025.
  2. Fritz Specht, Paul Schwabe: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Auflage. Verlag Carl Heymann, Berlin 1904, S. 107.
  3. Bernd Haunfelder, Klaus Erich Pollmann: Reichstag des Norddeutschen Bundes 1867–1870. Historische Photographien und biographisches Handbuch (= Photodokumente zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 2). Droste, Düsseldorf 1989, ISBN 3-7700-5151-3, Foto S. 200, Kurzbiographie S. 428.
  4. Walter Arnold, Bettina Fischer: Der Kieler Südfriedhof. Bestattungskultur und Gartenkunst seit 1869. (= Sonderveröffentlichungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 90). Verlagsgruppe Husum, Husum 2019, ISBN 978-3-89876-963-1, S. 148.