Werner Friedrich Heinrich Klemm
Werner Friedrich Heinrich Klemm (* 24. Juli 1909 in Straßburg am Mieresch (Siebenbürgen), Österreich-Ungarn; † 19. Dezember 1990 in Marktoberdorf[1][2]) war ein siebenbürgisch-sächsischer Schulpädagoge und Ornithologe.
Leben
Klemm war der Sohn des Holzhändlers Max Klemm und der Selma geb. Bechthold. Er absolvierte das Samuel-von-Brukenthal-Gymnasium in Hermannstadt, wo er nachhaltige Anregungen von seinem Biologie-Lehrer Alfred L. Kamner bekam. Er studierte Naturkunde und Theologie an den Universitäten Friedrich-Schiller-Universität in Jena 1928/1929, Babeș-Bolyai-Universität in Klausenburg 1929–1931 und 1933–1935 und an der Friedrich-Wilhelm-Universität in Berlin 1936–1937. Klemm war aktives Mitglied im Südostdeutschen Wandervogel. Er unterrichtete Biologie bis zu seiner Zwangsdeportation in die Sowjetunion 1945 an mehreren deutschen Gymnasien in Siebenbürgen, darunter dem Deutschen Evangelischen Knabengymnasium in Bistritz, das Johannes-Honterus-Gymnasium in Kronstadt und das Samuel-von-Brukenthal-Gymnasium in Hermannstadt. Nach seiner Rückkehr 1949 war er bis zu seiner Pensionierung 1969 Biologielehrer an der Deutschen Gemischten Pädagogischen Schule in Hermannstadt, die er von 1952 bis 1954 auch leitete. 1987 siedelte er in die Bundesrepublik Deutschland aus. Klemm war mit Helga Klemm (geb. Keintzel) verheiratet. Gemeinsam hatten sie vier Kinder.
Klemm war seit 1958 Mitglied der CMN (Comisia pentru Ocrotirea Monumentelor Naturii) der Rumänischen Akademie. 1966 wurde Werner Klemm vom Staatsrat Rumäniens der Titel „Profesor Emerit“ („Verdienter Professor“) verliehen. Seit dem Jahre 1969 war er Mitglied der DOG.
Naturschutz und Öffentlichkeitsarbeit
Klemm engagierte sich für den Schutz bedrohter Arten, insbesondere des Steinadlers, und setzte sich für die Einrichtung und Erhaltung von Naturreservaten ein. Er hielt Vorträge an der Volksuniversität in Hermannstadt, veröffentlichte Artikel in Tageszeitungen und Fachzeitschriften, nahm an inländischen und ausländischen Tagungen teil und mobilisierte freiwillige Helfer für ornithologische Projekte. Er war eine bekannte Persönlichkeit in der rumänischen Ornithologenszene und förderte die Zusammenarbeit zwischen deutschsprachigen, rumänischen und ungarischsprachigen Fachkollegen. 1990 erlebte er noch die Gründung der Rumänischen Ornithologischen Gesellschaft (SOR). Außerdem pflegte er internationale Kontakte über intensive rege Korrespondenzen mit namhaften Ornithologen wie Dr. Richard Heyder, Zdenek Vulterin, Ernst Schüz und war Mitarbeiter an Stanley Cramps Birds of the Western Palearctic.
Von 1963 bis 1987 leitete er die von ihm organisierten Zählungen zum Schutz der Weißstörche in Rumänien. 1974 beringte er während der Storchenzählung in Großau und Scorei auch Jungstörche. Zwischen 1984 und 1987 beteiligte er sich an Synchronzählungen für Wasservögel an den Fischteichen von Mândra.
Schriften (Auswahl)
- mit Heinz Heltmann, Ernst Schüz und Hans Salmen: Die Ornis Siebenbürgens. Band I (= Studia transylvanica. Band 8/I). Böhlau Verlag, Köln / Wien 1980, ISBN 3-412-06881-7.
- mit Heinz Heltmann, Ernst Schüz und Hans Salmen: Die Ornis Siebenbürgens. Band II (= Studia transylvanica. Band 8/II). Böhlau Verlag, Köln / Wien 1982, ISBN 3-412-01482-6.
- mit Stefan Kohl, Siegfried Eck, Heinz Heltmann und Ernst Schüz: Die Ornis Siebenbürgens. Band III (= Studia transylvanica. Band 8/III). Böhlau Verlag, Köln / Wien 1988, ISBN 3-412-01687-X.
- Naturschutzprobleme im Donaudelta. In: Der Falke. Band 5, 1958, S. 86–87.
- Die Ohrenlerche – Brutvogel in den Karpaten? In: Der Falke. Band 12, 1965, S. 208–209.
- Rettet den Steinadler. In: Neuer Weg. 18, 15. September 1966.
- Der Weißstorchbestand im Gebiet Sibiu. In: Vogelwarte. Band 25, 1969, S. 25–26.
- Der Mornellregenpfeifer, Eudromias morinellus, in Siebenbürgen. In: Journal für Ornithologie. Band 111, 1970, S. 68–77, doi:10.1007/BF01668183.
- Rumäniens Naturschutzgebiete. In: Komm mit. Band 2, 1971, S. 124–134.
- Situaţia avifaunei periclitate în R.S. România [Zur Lage der bedrohten Vogelwelt in der Soz. Rep. Rumänien]. In: Stud. com. 21 1977, S. 395–397.
Literatur
- Aurelian Pițu: Prof. Werner Klemm la 70 de ani. In: Ocrotirea Naturii. 24, 1980.
- Klaus Niedermaier: Sein Wissen setzte er in den Dienst des Handelns. In: Siebenbürgische Zeitung. 1991.
- Marga Grau: Ein Förderer junger Naturschützer. In: Naturwissenschaftliche Forschungen in Siebenbürgen. VII, 2003.
- Eugeniusz Nowak: Werner Klemm (1909–1990). In: Wissenschaftler in turbulenten Zeiten. Stock & Stein Verlag, Schwerin 2005, ISBN 3-937447-16-4, S. 122–129.
Weblinks
- Stefan Kohl: Werner Friedrich Heinrich Klemm. (PDF) In: Blätter aus dem Naumann-Museum 2. 1990, S. 77–83.
- Heinrich Lauer: Er hörte das Gras wachsen. (PDF) In: Siebenbürgische Zeitung. 1989.
Einzelnachweise
- ↑ Joseph Trausch, Friedrich Schuller, Hermann Adolf Hienz: Schriftsteller-Lexikon der Siebenbürger Deutschen. Band 8: K–L. Böhlau Verlag, 1983, S. 193–197.
- ↑ Heinz Heltmann Heltmann: Werner Klemm: Schulmann, Naturschützer und Ornithologe. In: Siebenbürgische Zeitung. 24. August 2009, abgerufen am 29. Dezember 2025.