Weleda (Unternehmen)

Weleda AG

Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN CH0004960180
Gründung 1921[1]
Sitz Arlesheim (Kanton Basel-Landschaft), Schweiz
Leitung Thomas Jorberg (VR-Präsident und Executive Chair),
Tina Müller (CEO),
Mónica Mennet-von Eiff,
Christian Brüchle[2]
Mitarbeiterzahl 2214 (2024)[3]
Umsatz 456 Mio. EUR (2024)
Branche Naturkosmetik, Komplementärmedizin
Website weleda.com

Die Weleda AG ist eine 1921 gegründete Schweizer Unternehmensgruppe für Naturkosmetik und anthroposophische Arzneimittel mit Hauptsitz in Arlesheim bei Basel, Schweiz.

Geschichte

Gründung und Namensgebung (1920–1924)

Die heutige Weleda AG geht auf zwei Gründungen zurück, eine in Deutschland und eine in der Schweiz. In Stuttgart wurde die Firma Der kommende Tag – Aktiengesellschaft zur Förderung wirtschaftlicher und geistiger Werte am 13. März 1920 von Rudolf Steiner mitgegründet. Als Gründer zeichneten den Gesellschaftsvertrag Konradin Haußer, Emil Leinhas, Graf Otto von Lerchenfeld, Alfred Meebold, Emil Molt, José del Monte, Graf Ludwig von Polzer-Hoditz, Carl Unger und Rudolf Steiner. Letzterer war zugleich Vorsitzender des Aufsichtsrats. Fast alle Gründungsmitglieder waren bereits lange mit Rudolf Steiner und der Anthroposophie vertraut.[4] Für eine zukünftige Heilmittelproduktion kaufte Der kommende Tag am 12. März 1920 die «Colonial-Werke Paul Rumpus», einen Mühlbetrieb in Schwäbisch Gmünd. Im Februar 1921 erwarb Der kommende Tag in Stuttgart die Liegenschaft Wildermuth, Gänsheide 28. Dort wurde das Herstellungslaboratorium eingerichtet, in dem 20 Heilmittel produziert wurden. Unter Leitung des Hamburger Arztes Otto Palmer öffnete am 15. August 1921 das Stuttgarter Klinisch-Therapeutische Institut.[5]

Im selben Jahr, in dem die Der kommende Tag AG gegründet wurde, gründeten am 16. Juni 1920 Rudolf Steiner und Ita Wegman die schweizerische Futurum AG – Ökonomische Gesellschaft zur internationalen Förderung wirtschaftlicher und geistiger Werte in Dornach. Rudolf Steiner war auch hier Verwaltungsratspräsident. Im September 1920 erwarb Ita Wegman ein zur Futurum AG gehörendes Grundstück in Arlesheim und gründete dort das Klinisch-Therapeutische Institut (heute: Klinik Arlesheim), das erste anthroposophische Krankenhaus weltweit. Ab dem 1. Februar 1921, nachdem das «Laboratorium am Goetheanum» gekauft worden war, verfügte die Futurum AG über eine pharmazeutische Herstellung. Im Juli 1921 kaufte Ita Wegman in der Nähe der Klinik die Liegenschaft Hirsland Nr. 218. Dort wurden die Versuchs- und Fabrikationslaboratorien untergebracht. Bis 2005 war auf diesem Grundstück der Hauptsitz der Weleda AG.[6]

Die Futurum AG und die Der kommende Tag AG waren als sogenannte «Assoziationen» gegründet worden, um der Verbreitung der Dreigliederungs-Idee durch eine allmähliche Wirtschaftsreform einen neuen Auftrieb zu geben. Weiterhin sollten diese beiden Betriebe die finanziellen Mittel für das Fortführen der verschiedenen Initiativen innerhalb der anthroposophischen Bewegung – zum Beispiel den Aufbau des Goetheanums der «Freien Waldorfschule Stuttgart» – sichern. Daher betonte Rudolf Steiner, dass sowohl die Arzneimittel wie auch die Naturkosmetik Gewinn bringen müssten und sich nicht gegenseitig finanzieren dürften, da ansonsten das grosse Ziel gefährdet sei.[7]

Infolge einer Liquiditätskrise bei der Futurum AG im Jahr 1922 wurde die Firma in Internationale Laboratorien AG (ILAG) umbenannt, und es wurden neue Aktien ausgegeben. Da auch die deutsche Vorläuferfirma der Weleda Der kommende Tag AG im Jahr 1922 kurz vor dem Konkurs stand, bat Rudolf Steiner auf der Hauptversammlung die Aktionäre des Kommenden Tages, ihre Anteile an die ILAG zu verschenken, da er hoffte, dass durch diesen Schritt das Überleben beider Firmen gewährleistet sein würde. Nachdem die Mitglieder dem zugestimmt hatten, wurden die Einrichtungen in Deutschland Zweigniederlassungen der Schweizer Muttergesellschaft[8] und die neu fusionierte Firma firmierte ab dem 21. November 1922 unter dem Namen Internationale Laboratorien und Klinisch-Therapeutisches Institut Arlesheim A.G.[1]

Da dieser ursprüngliche Name sehr lang war und im internationalen Vertrieb Schwierigkeiten bereitete, einigte man sich am 7. September 1924 auf den Namen Weleda[9], der auf die germanische Seherin Veleda zurückgeht. Um eine Aussprache des V wie F zu vermeiden, wird Weleda mit W geschrieben.[10] Der Firmenname deutet an, dass die Quelle der Heilkunst gemäss anthroposophischem Verständnis im übersinnlichen Bereich liegt.[11] Der neue Name wurde am 20. September 1924 in Deutschland und am 25. September 1924 in der Schweiz markenrechtlich geschützt. Seither wird der Name sowohl für alle Tochterunternehmen als auch für die Erzeugnisse der Firma verwendet. Am 10. Dezember 1928 wurde vom Verwaltungsrat beschlossen, dass auch die ILAG den Namen Weleda AG bekommen sollte, und dementsprechend wurde dies dann in den Handelsregistern eingetragen.[12]

Das Firmenlogo leitet sich ab vom Äskulapstab, einem Symbol des ärztlichen und pharmazeutischen Standes.

Expansion und internationaler Ausbau (ab 1925)

Im Jahr 1925 umfasste die Produktpalette von Weleda rund 360 Einzelpräparate.[13] Besonders in den späten 1920er Jahren wurden verschiedene Kosmetika entwickelt: Toilettenmilch (später Irismilch), Coldcream, Massageöl, Rosmarinbad, Hautcrème, Seife, Rasierseife, Sonnenschutzcrème, Haarwaschpulver, Fichtennadelbad, Lavendelwasser und Arnikaessenz.

Im November 1924 hatte der Standort Schwäbisch Gmünd, an dem seit Oktober 1924 Wilhelm Pelikan die Direktion der Fabrikation übernommen hatte, zwölf Mitarbeiter. 1939 waren es 150 Mitarbeiter.[14]

Zwischen 1925 und 1928 verdoppelte sich der Gesamtumsatz von Weleda. Produziert wurde in Arlesheim und Schwäbisch Gmünd. Laboratorien befanden sich in Stuttgart, Schwäbisch Gmünd und Arlesheim. Der Geschäftsbericht von 1928 nennt auch ein Laboratorium im französischen Saint-Louis. In den 1920er Jahren wurden verschiedene Tochtergesellschaften gegründet: The British Weleda Co. Ltd. (1924), de Handelsonderneming Weleda (Niederlande, 1926), The American Arlesheim Laboratories (1926), Veleda-Ges.m.b.H. (Tschechien, 1926).[15]

Zeit des Nationalsozialismus

Weleda kooperierte mit der nationalsozialistischen Deutschen Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung (DVA), einer SS-eigenen GmbH.[16]

Franz Lippert, der bis 1939 Chefgärtner im Heilpflanzengarten der Weleda in Schwäbisch Gmünd war, arbeitete ab 1941 für die SS. Im Konzentrationslager Dachau wurde er in der für mindestens 800 Menschen todbringenden biologisch-dynamischen Plantage Dachau 1942 leitender Gärtner. Von KZ-Häftlingen in Zwangsarbeit aufgebaut und bewirtschaftet, wurden dort für Weleda Heilkräuter angebaut und von Lippert Kontakte zu Weleda gepflegt.[17] Die Historikerin Anne Sudrow stellt fest, dass der anthroposophische Historiker Uwe Werner in seiner Unternehmensgeschichte zu Weleda 2014 einen solch bedeutenden Mitarbeiter wie Lippert nur beiläufig auf einer Seite erwähnt und dies auch nur, um die «(Schutz-)Behauptung» des ehemaligen Weleda-Firmenleiters Fritz Götte von 1965, Lippert sei schon im Frühling 1940 als überzeugter NSDAP-Anhänger in Konflikt mit der Firmenleitung gestanden, zu übernehmen.[18] In der von Uwe Werner in seiner Firmengeschichte publizierten Liste der Mitarbeiter des Unternehmens Weleda wird Lippert mit keinem Wort erwähnt; ebenso wenig Lipperts Freund und Gärtnerkollege bei Weleda, Erich Werner, den Lippert 1942 zur DVA Dachau holte.[19] Das Interesse von Weleda an Lipperts umfangreichen Fachkenntnissen blieb auch nach dem Krieg ungebrochen, so dass das Unternehmen 1947 Lippert wieder als Berater für den eigenen Heilpflanzenanbau anstellte.[20]

Als Niederlassung einer Schweizer AG mit Kontakten zur SS profitierte die Weleda AG in Schwäbisch Gmünd, anders als andere anthroposophische Unternehmen, Verbände und Schulen, vom NS-Regime und von den Kriegsjahren.[21][22] Während der Zeit des Nationalsozialismus betrieb das in der Schweiz ansässige Unternehmen, neben Standorten im Ausland, offiziell nur zwei Werke im Deutschen Reich, eines in Stuttgart und eines in Schwäbisch Gmünd. Im Jahr 1940 wird die Zahl der Mitarbeiter der beiden Werke mit 140 angegeben. 1944 waren es 35 Mitarbeiter in Stuttgart und 102 in Schwäbisch Gmünd, wovon keine Zwangsarbeiter waren.[23] Durch Atteste einer Vielzahl von Ärzten gelang es Weleda, sieben Produkte als kriegsrelevant einstufen zu lassen und den Status als kriegsrelevanter Betrieb zu erhalten.

In den 1980er Jahren geriet das Unternehmen durch einen Bericht von Götz Aly in die Kritik, weil es dem KZ-Arzt und Himmler-Protégé Sigmund Rascher, einem ehemaligen Waldorfschüler,[24] eine «Frostschutzcrème» geliefert hatte.[21] Ende der 1990er Jahre entschuldigte sich das Unternehmen schriftlich bei der Aktion Kinder des Holocaust (AKdH) und sicherte dem Historischen Seminar der Universität Basel die Möglichkeit einer wissenschaftlichen Aufarbeitung durch eine Öffnung seiner Firmenarchive zu.[25]

In den folgenden Untersuchungen wurde belegt, dass Rascher für Menschenversuche, bei denen zahlreiche Menschen starben, bei Weleda 20 kg der am Markt erhältlichen «Frostschutzcrème» bestellte und diese an seine Privatadresse geliefert bekam. Sigmund Rascher unterzog Häftlinge des KZ Dachau Unterkühlungsversuchen, um Behandlungsmöglichkeiten für die Verletzungen von ins Meer abgestürzten Wehrmachtspiloten zu finden.[21][26] Aus der Bestellung Raschers und dem überlieferten Schriftwechsel ging der Zweck des Einsatzes nicht hervor. Weleda gab an, von der Verwendung der Crème aufgrund der Geheimhaltungsstufe der Versuche Raschers keine Kenntnis gehabt zu haben.[27] Aus den überlieferten Unterlagen geht hervor, dass Weleda wegen der Rohstoffverknappung einige Bestandteile zur Herstellung der bestellten «Frostschutzcrème» fehlten und das Unternehmen im Januar 1943 je 5 kg gelbe und weisse Vaseline über das «Ahnenerbe» der SS aus dem Hauptsanitätslager der Waffen-SS erhielt. Ende Januar bat Rascher den Geschäftsführer des SS-Ahnenerbes, den Brief von der Weleda AG nach Kenntnisnahme wegzuwerfen, so dass vermutlich Teile der Korrespondenz nicht mehr verfügbar sind.[28]

Ab 1945

1964 wurde das anthroposophische Krebspräparat Iscador von den Krankenkassen zugelassen. Seit 1976 wirken Mitarbeiter der Weleda AG in der Kommission D (später Homöopathische Arzneimittel-Kommission) mit und tragen zur Erstellung von Monografien im Homöopathischen Arzneibuch (HAB) bei.

1965 gründete der niederländische Pharmazeut und Medizinhistoriker Willem Frans Daems die Ärzteabteilung der Weleda AG.[29] Viele mineralische sowie wärme- und rhythmisch behandelte Arzneimittel gehen auf Weleda zurück. Das Sortiment umfasst über 120 Naturkosmetikprodukte und mehr als 1000 Fertigarzneimittel. Weltweit beschäftigt das Unternehmen rund 2500 Mitarbeiter (Stand 2023), davon 1000 in Schwäbisch Gmünd. Weleda ist nach EMAS und ISO 14001 zertifiziert.

2006 gliederte Weleda den Heilpflanzenanbau und die Pflanzenverarbeitung in die Tochterfirma Weleda Naturals GmbH aus, die 2014 wieder in die Weleda AG integriert wurde. Der firmeneigene Heilpflanzengarten in Schwäbisch Gmünd umfasst 23 Hektaren in biologisch-dynamischer Anbauweise und gilt als der grösste seiner Art in Europa; dort werden rund 260 Heilpflanzenarten kultiviert.

2008 führten Probleme bei einer IT-Umstellung zu Lieferengpässen und der Vernichtung nicht haltbarer Ware. Nach einem Verlust von zunächst drei und dann 8,6 Millionen Euro im Jahr 2011 wurden der Geschäftsleitung und dem Verwaltungsrat Inkompetenz attestiert und die komplette Absetzung anberaumt.[30][31] Ende 2011 stand die Weleda AG vor dem Ruin. Der Jahresverlust betrug 10 Millionen Franken. Daraufhin wurde die Unternehmensführung weitgehend ausgetauscht; der neue Geschäftsführer Ralph Heinisch leitete Sanierungsmassnahmen ein.[32] 2009 erhielten die Naturkosmetikprodukte das NATRUE-Label.[33] 2011 betrug der Marktanteil von Weleda im deutschen Naturkosmetikmarkt etwa 28 Prozent.[34]

Seit 2021 werden homöopathische Arzneimittel in Frankreich aufgrund fehlender Wirksamkeitsnachweise nicht mehr erstattet, was bei Weleda Frankreich zu einem Umsatzrückgang von etwa 70 Prozent im Arzneimittelbereich führte.[35] In der Folge wurde die Produktion am französischen Standort Huningue eingestellt und wurden Stellen abgebaut.

Produkte

Weleda stellt zertifizierte Naturkosmetik und anthroposophische Arzneimittel her. Das Sortiment enthält 120 Naturkosmetikprodukte und 1200 Arzneimittel[3]. Im Jahr 2024 erzielte das Unternehmen 80,7 Prozent seines Umsatzes mit Naturkosmetik und 19,3 Prozent mit Arzneimitteln. Der Jahresumsatz lag bei 456 Millionen Euro, davon entfielen 367,9 Millionen auf die Sparte der Naturkosmetik, 88,2 Millionen auf Arzneimittel.[36]

Die anthroposophischen Arzneimittel, die ursprünglich das Kerngeschäft ausmachten, werden auf Grundlage der anthroposophischen Medizin entwickelt und hergestellt. Zu den speziellen, von Weleda entwickelten Herstellungsverfahren gehören das «Rh-Verfahren», das durch rhythmische Bewegungen die Haltbarkeit erhöhen soll, und die sogenannte «Vegetabilisierung» von Metallen.

Organisation der Weleda-Gruppe

Die Weleda AG ist eine Aktiengesellschaft nach schweizerischem Recht mit Hauptsitz in Arlesheim bei Basel. Hauptaktionäre sind die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft und die Klinik Arlesheim AG, die zusammen 76,7 Prozent der Stimmrechte halten und 33,7 Prozent des Kapitals besitzen. Die restlichen Namensaktien und stimmrechtslosen Partizipationsscheine befinden sich in Streubesitz.[37]

Der Verwaltungsrat setzt sich zusammen aus Vertretern der wichtigsten Anteilseigner und Persönlichkeiten aus dem Wirtschaftsleben. Auf der Generalversammlung am 7. Juni 2024 wurde Harald Matthes wieder in den Verwaltungsrat gewählt und der Verwaltungsrat um Andrea Martina Meyer-Stroink, Léa Steinacker und Richard Wolfgang Gerstenberg ergänzt.[38]

Unternehmerisch geführt wird die Weleda-Gruppe von der Weleda-Geschäftsleitung. Sie ist verantwortlich für die Umsetzung der Unternehmensstrategie auf internationaler Ebene. Die Geschäftsleitung besteht aus: Tina Müller, CEO und gleichzeitig verantwortlich für den Geschäftsbereich Kosmetik, sowie Mónica Mennet-von Eiff, Chief Pharma Officer, verantwortlich für den Geschäftsbereich Pharma[39], und dem CFO Christian Brüchle[40].

Der grösste Teil des Arzneimittel- und Naturkosmetiksortiments wird am Hauptsitz in Arlesheim und in der deutschen Niederlassung in Schwäbisch Gmünd produziert. Die internationale Weleda-Gruppe umfasst 29 Gesellschaften in 22 Ländern. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen 2200 Menschen.[3]

Engagement

Gesellschaftliches Engagement

2014 war Weleda Projektpartner der baden-württembergischen Landesgartenschau in Schwäbisch Gmünd.[41] Seit Ende 2015 leistet Weleda mit dem Programm Vielfalt gewinnt! einen Beitrag dazu, Perspektiven für Menschen mit Fluchterfahrung zu schaffen. Im Ehrenamtsprojekt Gemeinsam gärtnern haben Mitarbeitende von Weleda und geflüchtete Menschen seit Anfang 2016 gemeinsam einen Garten geschaffen, der seitdem Raum für interkulturelle Begegnung und Miteinander ist.[42] Weleda betreibt ausserdem das Programm Beruf und Familie für die Vereinbarkeit von Berufs- und Familienleben, das unter anderem einen betriebseigenen Kindergarten bietet, und ein Generationen-Netzwerk, ein Programm zur Vernetzung der Mitarbeitenden und ehemaligen Mitarbeitenden im Ruhestand, die sich im Rahmen des Netzwerks seit 2004 zusammentun, um einander bei Gartenarbeit, Einkauf oder Kinderbetreuung auszuhelfen.[43] Auch Projekte der regionalen Vernetzung werden gefördert, beispielsweise bezieht Weleda seit 2013 den Kaffee für die Mitarbeitenden aus der Kaffeerösterei Laufenmühle (ehemals El Molinillo[44]), einer Werkstätte für Menschen mit Behinderung.[45]

Umweltschutz und Nachhaltigkeit

Weleda unterstützt zahlreiche Umweltschutz- und Nachhaltigkeitsprojekte. Das Unternehmen plant, ab 2022 jährlich 1 Prozent des weltweiten Umsatzes, aktuell mehr als 4 Millionen Euro,[46] in Klimaschutz und den Erhalt der Biodiversität zu investieren.[47] Im Jahr 2011[48] wurde das Unternehmen Mitglied der Union for Ethical Biotrade (UEBT).[49] Seit 2018 besitzt Weleda das UEBT-Zertifikat «Sourcing with respect». Das Zertifikat garantiert, dass bei Anbau, Ernte und Verarbeitung der Rohstoffe die Biodiversität erhalten wird und Ressourcen nachhaltig genutzt sowie Menschenrechte eingehalten werden und faire Arbeitsbedingungen bei allen Beteiligten herrschen.[50] 2013 hat sich Weleda zu einer vollständigen Rückverfolgung seiner Rohmaterialien mit EMAS verpflichtet.[51] Mit der Unterstützung von Weleda setzt sich die Nichtregierungsorganisation Borneo Orangutan Survival Deutschland (BOS) für die Aufforstung des Waldes und dessen Artenvielfalt ein und forstet ein Gebiet von 55 ha auf.[52][53][54] Zudem ist das Unternehmen Mitglied des Forums Nachhaltiges Palmöl, das den nachhaltigen Anbau von Palmöl und die Transparenz von Lieferketten fördert.[55] Weleda ist auch Partnerunternehmen[56] des Projekts HektarNektar, das sich für den Schutz von Wild- und Honigbienen einsetzt. Weleda bewirtschaftet weltweit sieben Heilpflanzengärten, in denen die Pflanzen für Arzneimittel und Kosmetikprodukte auf biologisch-dynamische Weise angebaut werden. Am Standort Schwäbisch Gmünd befindet sich mit 23 ha Fläche der grösste Heilpflanzengarten Europas, in dem über 2'000 Pflanzenarten wachsen.[57] Im Rahmen der UN-Dekade Biologische Vielfalt wurde der Garten 2017 ausgezeichnet.[58] Zusammen mit dem gemeinnützigen Unternehmen ProjectTogether führt Weleda unter dem Namen Living Soil Journey eine Informations- und Kommunikationskampagne für mehr Biodiversität und Bodenschutz durch.[59][60]

Anlässlich der Feier von 100 Jahren Weleda ging die Firma eine Partnerschaft mit der gemeinnützigen Organisation TreeSisters ein und unterstützt die weltweite Aufforstung. Ziel der Kooperation ist das Pflanzen von einer Million Bäumen.[61][62]

Auszeichnungen

  • 2005: Innovativpreis für zukunftsweisende familienorientierte Massnahmen[63][64]
  • 2010: «Demografie Exzellenz Award» für das Weleda Generationen-Netzwerk vom Bund Deutscher Unternehmensberater
  • 2016: Swiss Ethics Award des Swiss Excellence Forum für das Projekt «Ethische Beschaffung natürlicher Rohstoffe»
  • 2016: Auszeichnung als Nachhaltigste Marke Deutschlands 2016 des Deutschen Nachhaltigkeitspreises[65]
  • 2017: CSR-Preis der Bundesregierung für verantwortungsvolles Lieferkettenmanagement[66]
  • 2021: B-Corp-Zertifizierung[46]
  • 2024: B-Corp-Rezertifizierung[67]

Kritik

2012 wurde publik, dass Weleda ein dubioses Internet-Blog mitfinanzierte (Jahresvolumen 43'000 Euro), das «Kritiker ihrer Produkte anschwärzt – bei jedem herkömmlichen Pharmakonzern wäre dies ein Skandal», wie in den Medien berichtet wurde.[68] Dabei habe es sich um den Blogger Claus Fritzsche, einen Betreiber mehrerer Websites, gehandelt, der sich als Medizin- und Wissenschaftsjournalist bezeichnete und sich auf diesen der Diffamierung von Kritikern komplementärmedizinischer Praktiken widmete. Dabei verwendete Fritzsche verschiedene Server, die sich gegenseitig verlinkten, um so unter anderem die Google-Suchergebnisse zu manipulieren und die Kritik in den Vordergrund zu rücken. Ein Opfer dieser Praxis war der britische Forscher Edzard Ernst.[68][31] Weleda stellte im Juli 2012 die Finanzierung ein, nachdem Jens Lubbadeh in der Süddeutschen Zeitung diese Vorgehensweise kritisiert hatte.[69]

Veröffentlichungen

  • Rudolf Steiner Nachlassverwaltung (Hrsg.): Rudolf Steiner und die Gründung der Weleda (= Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe. Nr. 118/119, ZDB-ID 302064-2). Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1997.
  • Weleda AG (Hrsg.): Das Wissen der Weleda Gärtner. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2019, ISBN 978-3-8186-0900-9.

Literatur

  • Uwe Werner: Das Unternehmen Weleda 1921–1945. Entstehung und Pionierzeit eines menschengemäßen und nachhaltig ökologischen Unternehmens. Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-8305-3272-9.
  • Helmut Zander: Die Anthroposophie: Rudolf Steiners Ideen zwischen Esoterik, Weleda, Demeter und Waldorfpädagogik. Verlag Ferdinand Schöningh 2019, ISBN 978-3-506-79225-9.

Filme

  • Kosmetik aus der Natur – Weleda in Schwäbisch Gmünd. Dokumentarfilm, Deutschland, 2015, 29:47 Min., Buch und Regie: Thomas Eberding, Produktion: SWR, Reihe: made in Südwest. Erstsendung: 19. August 2015 bei SWR, Inhaltsangabe von ARD.
Commons: Bildarchiv Weleda – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. a b Rudolf Steiner Nachlassverwaltung (Hrsg.): Rudolf Steiner und die Gründung der Weleda (= Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe. Nr. 118/119, ZDB-ID 302064-2). Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1997, S. 34 (PDF; 36,6 MB).
  2. Impressum. Abgerufen am 2. Januar 2026.
  3. a b c Geschäfts- und Nachhaltigkeitsbericht 2024. (PDF; 8,9 MB) Weleda, April 2024, abgerufen am 19. Mai 2025.
  4. Uwe Werner: Das Unternehmen Weleda 1921–1945. Entstehung und Pionierzeit eines menschengemäßen und nachhaltig ökologischen Unternehmens. Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-8305-3272-9, S. 25, S. 35.
  5. Uwe Werner: Das Unternehmen Weleda 1921–1945. Entstehung und Pionierzeit eines menschengemäßen und nachhaltig ökologischen Unternehmens. Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-8305-3272-9, S. 36.
  6. Uwe Werner: Das Unternehmen Weleda 1921–1945. Entstehung und Pionierzeit eines menschengemäßen und nachhaltig ökologischen Unternehmens. Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-8305-3272-9, S. 35 f.
  7. Vgl. Rudolf Steiner Nachlassverwaltung (Hrsg.): Rudolf Steiner und die Gründung der Weleda (= Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe. Nr. 118/119, ZDB-ID 302064-2). Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1997, S. 181 ff.
  8. Uwe Werner: Das Unternehmen Weleda 1921–1945. Entstehung und Pionierzeit eines menschengemäßen und nachhaltig ökologischen Unternehmens. Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-8305-3272-9, S. 42.
  9. Uwe Werner: Das Unternehmen Weleda 1921–1945. Entstehung und Pionierzeit eines menschengemäßen und nachhaltig ökologischen Unternehmens. Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-8305-3272-9, Kapitel Namensgebung, S. 74–79.
  10. Uwe Werner: Das Unternehmen Weleda 1921–1945. Entstehung und Pionierzeit eines menschengemäßen und nachhaltig ökologischen Unternehmens. Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-8305-3272-9, S. 75.
  11. Barbara Burkhard: Anthroposophische Arzneimittel. Eine kritische Betrachtung. Govi-Verlag, Eschborn 2000, ISBN 3-7741-0810-2, S. 15. Vgl. auch Willem F. Daems: Die historische Weleda. Namensgeberin für die Weleda Heilmittelbetriebe. Verlag am Goetheanum, Dornach 1991, ISBN 978-3-7235-0589-2.
  12. Vgl. Rudolf Steiner Nachlassverwaltung (Hrsg.): Rudolf Steiner und die Gründung der Weleda (= Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe. Nr. 118/119, ZDB-ID 302064-2). Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1997, S. 35, 44, 47, 89.
  13. Uwe Werner: Das Unternehmen Weleda 1921–1945. Entstehung und Pionierzeit eines menschengemäßen und nachhaltig ökologischen Unternehmens. Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-8305-3272-9, S. 83.
  14. Uwe Werner: Das Unternehmen Weleda 1921–1945. Entstehung und Pionierzeit eines menschengemäßen und nachhaltig ökologischen Unternehmens. Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-8305-3272-9, S. 87.
  15. Uwe Werner: Das Unternehmen Weleda 1921–1945. Entstehung und Pionierzeit eines menschengemäßen und nachhaltig ökologischen Unternehmens. Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-8305-3272-9, S. 103.
  16. Peter Staudenmaier: Right-Wing Ecology in Germany: Assessing the Historical Legacy. In: epublications.marquette.edu. 2011, S. 122, abgerufen am 1. Juni 2020 (englisch).
  17. Alexandra Vettori: Heinrich Himmlers «Bio-Plantage». In: Süddeutsche Zeitung. 22. August 2023, abgerufen am 20. März 2024.
  18. Anne Sudrow: Heil Kräuter Kulturen. Die SS, die ökologische Landwirtschaft und die Naturheilkunde im KZ Dachau. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2025, ISBN 978-3-525-31169-1, S. 547 f.; Sudrow bezieht sich dabei auf Uwe Werners Firmengeschichte Das Unternehmen Weleda 1921–1949, S. 182.
  19. Anne Sudrow: Heil Kräuter Kulturen. Die SS, die ökologische Landwirtschaft und die Naturheilkunde im KZ Dachau. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2025, S. 548, 652; Sudrow (S. 548) bezieht sich auf Uwe Werners Firmengeschichte Das Unternehmen Weleda 1921–1949, S. 218–220.
  20. Anne Sudrow: Heil Kräuter Kulturen. Die SS, die ökologische Landwirtschaft und die Naturheilkunde im KZ Dachau. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2025, S. 652.
  21. a b c «Spiegel»: Weleda in NS-Zeit mit SS verstrickt. 6. September 2025, abgerufen am 9. September 2025.
  22. Miriam Gebhardt: Rudolf Steiner. Ein moderner Prophet. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2011, ISBN 978-3-421-04473-0, S. 335 f.
  23. Ulrich Müller: Ulrich Müller: Fremdarbeiter, Zwangsarbeiter und Displaced Persons in Schwäbisch Gmünd zwischen 1940 und 1950. Einhorn-Verlag, Schwäbisch Gmünd 2021, ISBN 978-3-95747-113-0.
  24. Weleda kommt mir nicht ins Haus. In: taz. 4. Dezember 2023, abgerufen am 12. Dezember 2023.
  25. Iso Ambühl: Crème für KZ: Weleda bedauert. In: SonntagsZeitung. Nr. 15, 12. April 1998, im Archiv der Aktion Kinder des Holocaust (AKdH). Abgerufen am 10. Januar 2016.
  26. Sigmund Rascher (1909–1945). 10. September 2019, abgerufen am 13. März 2024.
  27. Vgl. Uwe Werner: Anthroposophen in der Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945). Oldenbourg, München 1999, ISBN 3-486-56362-9, S. 361.
  28. Anne Sudrow: Heil Kräuter Kulturen. Die SS, die ökologische Landwirtschaft und die Naturheilkunde im KZ Dachau. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2025, S. 359 f.
  29. Gundolf Keil: Verzeichnis der Schriften von Willem Daems. Teil II. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 9, 1991, S. 439–448; hier S. 439.
  30. Weleda musste eigene Ware vernichten (Memento vom 8. Januar 2017 im Internet Archive). In: Gmünder Tagespost. 2. Februar 2009, abgerufen am 19. Mai 2020.
  31. a b Bettina Weiguny: Weleda hat Probleme – Kosmetik und Salben aus dem Waldorf-Garten. In: faz.net. 24. September 2014, abgerufen am 17. Dezember 2025 (Paywall).
  32. Matthias Oppliger: Wie Weleda den Ruin abgewendet hat, in acht Grafiken erklärt. In: TagesWoche. 19. Juli 2014, abgerufen am 19. Mai 2020.
  33. Unsere Mitglieder und Unser Sekretariat. NATRUE, archiviert vom Original am 21. März 2011; abgerufen am 5. Dezember 2025.
  34. Weleda wächst mit Naturkosmetik und Arzneimitteln. In: Pharmazeutische Zeitung. 3. Februar 2012, und in: Lebensmittel Zeitung. Nr. 27, 6. Juli 2012, S. 98.
  35. Thorsten Vaas: Weleda entlässt 129 Mitarbeiter in Frankreich. In: remszeitung.de. 5. Dezember 2022, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 7. Februar 2023; abgerufen am 6. Dezember 2022.
  36. Geschäfts- und Nachhaltigkeits-Bericht 2024. (PDF; 8,9 MB) Weleda, S. 68, abgerufen am 5. Januar 2026.
  37. Annual and Sustainability Report 2019. (PDF; 4,7 MB) In: weleda.co.uk. Abgerufen am 26. Dezember 2025 (englisch).
  38. Thomas Jorberg, Präsident des Verwaltungsrates: Beschlüsse der 101. Ordentlichen Generalversammlung der Weleda AG. Weleda AG, 7. Juni 2024, abgerufen am 28. Juni 2024.
  39. Weleda treibt Neuausrichtung der Arzneimittelsparte voran: Dr. Mónica Mennet-von Eiff wird Chief Pharma Officer. Pressemitteilung von Weleda. In: weleda.com. 2. Juli 2024, abgerufen am 23. September 2024.
  40. Weleda: Christian Brüchle wird neuer CFO. In: schweizeraktien.net. 15. September 2025, abgerufen am 2. Januar 2026.
  41. Weleda Partner der Landesgartenschau. Pressemitteilung des Amtes für Medien und Kommunikation der Stadtverwaltung Schwäbisch Gmünd. In: schwaebisch-gmuend.de. 16. Januar 2014, abgerufen am 8. Dezember 2025.
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