Weiss (Patrizierfamilie)

Die Familie Weiss (auch Albi, Wyss, Wyssen, Wissen, von Weiss) war ein seit dem 14. Jahrhundert im Goms nachweisbares Geschlecht. Samuel Weiss (1571–1638) erlangte um 1600 das Burgerrecht der Stadt Bern. Die Familie gehörte in Bern der Gesellschaft zu Pfistern an und erlosch 1989 im Mannesstamm.

Geschichte

Träger des Namens Albi (auch Wyssen, Wissen, Wizzo) sind in Münster (Goms) seit 1329 nachzuweisen.[1] Die einzelnen, in schriftlichen Quellen erscheinenden Namensträger sind im 15. Jahrhundert nur vereinzelt in einen genealogischen Zusammenhang zu bringen. Nach der Familienüberlieferung soll Bartholomäus Albi I. (ca. 1515–1581) 1589 das Burgerrecht der Stadt Bern erhalten haben.[2] Dagegen sprechen die Tatsachen, dass Bartholomäus am 27. Juni 1581 verstarb und das Berner Ratsmanual über ein Burgerrecht nichts festhält.[2] Bartholomäus hatte vier Söhne, von denen Anton, Bartholomäus und Samuel überzeugte Anhänger der Reformation waren.[2] Der Mediziner Anton Wyss verheiratete sich 1586 in Bern mit Veronika Tillier, Witwe des Heinrich Sinner.[3] Samuel Wyss studierte in Bern, Zürich, Genf, Strassburg, Basel und Leipzig.[4] Samuel blieb Burger von Sitten, war jedoch ab 1599 in Bern wohnhaft, dürfte um 1600 das Burgerrecht von Bern erlangt haben und begründete die Berner Linie des Geschlechts.[5] Die Albi / Wyss in Sitten starben um 1705 aus.[6] Die Berner Linie nannte sich ab 1790 von Weiss.

Personen

  • Thomas Wissen (ca. 1340–ca. 1400), Pfarrer in Simplon, Notar[7]
  • Simon Albi († 1419), Grundbesitzer, fiel in der Schlacht bei Ulrichen[7]
  • Rudolf Albi († 1437), Geistlicher, Schismatiker[7]
  • Johannes Albi (I.) († ca. 1457), Meier des Zenden Goms, Landrat[8]
  • Johannes Albi (II.) (ca. 1400–ca. 1468), Geistlicher, Notar, Grosskastlan von Siders, Burger von Sitten[9]
  • Johannes Albi (III.) († vor 1533), Kämmerer des Bischofs, Grosskastlan von Sitten[10]
  • Johannes Albi (IV.) († vor 1533), Domherr zu Sitten, Notar, Burgermeister von Sitten, Grosskastlan von Sitten[10]
  • Bartholomäus Albi (I.) (ca. 1515–1581), Weibel zu Sitten, Gerichtsherr zu Salins, Grosskastlan von Sitten[11]
  • Johannes Wyss († vor 1576), Burgermeister zu Sitten, Hauptmann in französischen Diensten[12]
  • Anton Wyss (I.) († vor 1576–1597), Doktor der Medizin, Burgermeister zu Sitten, Grosskastlan von Sitten, Gesandter nach Bern (1589)[12][13]
  • Anton Wyss (II.) († ca. 1638), Sindicus zu Sitten[3]
  • Bartholomäus Albi (II.) († 1625), Grosskastlan von Sitten, Landesstatthalter[14]

Berner Linie

  • Samuel Wyss (1571–1638)[15], Mitglied des Grossen Rats der Stadt Bern, Generalkommissär der Waadt, in schwedischen Diensten, Präsident des schwedischen Kriegsrats[5]
  • Gabriel Wyss (1613–1684), Herr zu Mollens[16], Offizier in schwedischen Diensten, Mitglied des Grossen Rats der Stadt Bern, Mitglied des Kleinen Rats der Stadt Bern, Landvogt nach Saanen, Landvogt nach Lausanne, Oberst in Venedig[17]
  • Georg Albrecht Wyss (1668–1690), Bibliothekar, Hauptmann in piemontesischen Diensten, vermachte seine Bibliothek der burgerlichen Bibliothek in Bern
  • Albrecht Wyss (1701–1773), Offizier in Frankreich, Hauptmann in der holländischen Garde, Generalmajor
  • Franz Rudolf von Weiss (1732–1803), Offizier in holländischen Diensten, Böspfenniger, Obervogt nach Lenzburg
  • François Rodolphe de Weiss (1751–1818), Mitglied des Grossen Rats der Stadt Bern, Landvogt nach Moudon, General, Schriftsteller
  • Béat de Weiss (1804–1844), Jurist, stellvertretender Generalstaatsanwalt des Kantons Waadt, Waadtländer Grossrat (1841 Präsident), Tagsatzungsgesandter, Staatsrat
  • François-Rodolphe de Weiss (1885–1960), Jurist, Generalkonsul in Köln
  • Roger Franz Rudolf Heinrich von Weiss (1946–1989), ultimus

Quellen

Literatur

  • Hans Braun: Weiss. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Hermann Hagen: Ein Stammbuch aus dem Ende des 16. Jahrhunderts. In: Berner Taschenbuch. Band 19, 1870, S. 283–302, doi:10.5169/seals-122793.
  • Paul Maillefer: Un soldat et homme d’état du XVIIe siècle. Gabriel de Weiss de Schalen, seigneur de Mollens 1665–1674. In: Revue historique vaudoise. Band 15, Nr. 1, 1907, doi:10.5169/seals-15293.
  • L. von Ougspurger: Gabriel von Weiss. Selbstbiographie eines bernischen Staatsmannes. In: Berner Taschenbuch. Band 24–25, 1876, S. 1–82, doi:10.5169/seals-124068.
  • Hans Anton von Roten: Eine Walliser Familie in Bern und in der Waadt. Die v. Weiss, Herren von Mollens und Daillens. Ein Beitrag zur Geschichte der Beziehungen zwischen Bern und Wallis. In: Blätter aus der Walliser Geschichte. Band 17, Nr. 1, 1978, S. 135–170 (rero.ch [PDF; abgerufen am 25. Oktober 2025]).

Einzelnachweise

  1. Hans Anton von Roten: Eine Walliser Familie in Bern und in der Waadt. 1978, S. 139.
  2. a b c Hans Anton von Roten: Eine Walliser Familie in Bern und in der Waadt. 1978, S. 149.
  3. a b Hans Anton von Roten: Eine Walliser Familie in Bern und in der Waadt. 1978, S. 151.
  4. Hans Anton von Roten: Eine Walliser Familie in Bern und in der Waadt. 1978, S. 155.
  5. a b Hans Anton von Roten: Eine Walliser Familie in Bern und in der Waadt. 1978, S. 156.
  6. Hans Anton von Roten: Eine Walliser Familie in Bern und in der Waadt. 1978, S. 158.
  7. a b c Hans Anton von Roten: Eine Walliser Familie in Bern und in der Waadt. 1978, S. 140.
  8. Hans Anton von Roten: Eine Walliser Familie in Bern und in der Waadt. 1978, S. 141.
  9. Hans Anton von Roten: Eine Walliser Familie in Bern und in der Waadt. 1978, S. 142.
  10. a b Hans Anton von Roten: Eine Walliser Familie in Bern und in der Waadt. 1978, S. 146.
  11. Hans Anton von Roten: Eine Walliser Familie in Bern und in der Waadt. 1978, S. 147.
  12. a b Hans Anton von Roten: Eine Walliser Familie in Bern und in der Waadt. 1978, S. 150.
  13. Anton Wyss heiratete in Bern am 20. Juni 1586 Veronika Tillier, Witwe des Heinrich Sinner.
  14. Hans Anton von Roten: Eine Walliser Familie in Bern und in der Waadt. 1978, S. 154.
  15. Verheiratet mit Maria Pellisary, seit 1610 mit Maria von Luternau, Hans Anton von Roten, S. 158.
  16. Durch Heirat mit Johanna Steiger.
  17. Hans Anton von Roten: Eine Walliser Familie in Bern und in der Waadt, 1978, S. 158–164.
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