Weildorf (Salem)

Weildorf
Gemeinde Salem
Koordinaten: 47° 47′ N, 9° 18′ O
Höhe: 456 m ü. NHN
Fläche: 5,51 km²
Einwohner: 839 (31. Dez. 2024)[1]
Bevölkerungsdichte: 152 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. April 1972
Postleitzahl: 88682
Vorwahl: 07553

Weildorf ist ein Ortsteil der Gemeinde Salem im Bodenseekreis in Baden-Württemberg.

Geographie

Lage

Weildorf liegt am Ostrand des Salemertals.[2] Gegen Nordwesten erhebt sich der steile Anstieg zur Heiligenberger Hochfläche. Südwestlich in der Talsohle liegt das Salemer Ried, das sich über mehrere Gemarkungen erstreckt. Der Hangenbach durchfließt Weildorf und mündet in den Kleinen Riedgraben.

Gliederung

Zu Weildorf gehören das Dorf Weildorf, die Ansiedlung Im Kogenwinkel und das Gehöft Schapbuch.[3]

Schutzgebiet

Im Salemer Ried liegt das Naturschutzgebiet Schwarzer Graben. Ursprünglich wurde die nordöstliche Seite des Salemertals durch den sogenannten „Schwarzen Graben“ entwässert. Im 20. Jahrhundert wurde der Graben nach Norden verlängert und dort südlich von Frickingen eine Verbindung zur Salemer Aach angelegt. Seitdem fungiert der ehemalige Graben als Kanal, der das überschüssige Wasser der Aach weiträumig um die Klosteranlage in Salem herumführt.[4]

Geschichte

Weildorf ist eines der ältesten Dörfer im Linzgau und wurde 849 zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt, mit der ein Salomon seinen Besitz in „Wildorf“ dem Kloster St. Gallen übertrug. 1163 gelangte Weildorf in den Besitz der Grafen von Heiligenberg.

Die Urteile des Landgerichtes, das 1431 von „Scatenbuch“ (später Schattbuch, heute: Schapbuch) nach Beuren verlegt wurde, wurden bis 1776 an der damaligen Richtstätte („Galgen“) vollstreckt. Die „Galgenstraße“ und das Ortswappen erinnern daran.

Aus einer Urkunde aus dem Jahre 1208 kann man schließen, dass zu einer eigenständigen Pfarrei neben Weildorf auch die Ortschaften Altenbeuren, Beuren, Leustetten, Stefansfeld, Bächen mit einem Frauenkloster, die Höfe Lampbach, Finkenhausen, Steinberg und Schattbuch sowie Gehöfte und Anwesen gehörten, die erst 1839/40 den Pfarreien Beuren, Betenbrunn und Röhrenbach zugeteilt wurden. In den Jahren zwischen 1254 und 1291 gelangte Weildorf immer mehr in die Hand des Klosters Salem.

Bis 1803 (Säkularisation) ist die wirtschaftliche und politische Geschichte Weildorfs eng mit der des Klosters Salem verbunden. Während die Landwirtschaft auf den neun nach Tieren benannten Lehenhöfen durch die Salemer Erbhöfe erfolgreich betrieben wurde, verlor Weildorf in den Jahren 1573 bis 1648 durch Hunger, Pest und den Dreißigjährigen Krieg fast 75 Prozent seiner Einwohner.

1806 wurde die damals noch eigenständige Gemeinde Weildorf aufgrund der Bildung des Großherzogtums Baden in einen ‚standesherrlichen Amtsbezirk‘ mit Sitz in Salem eingegliedert. Dieser wurde allerdings 1857 aufgelöst, und der Bereich Überlingen übernahm die Ortschaft.

Weildorf wurde am 1. April 1972 nach Salem eingemeindet.

Seit 2008 wurde das Dorf weiträumig saniert. So wurde mit der Sanierung der historischen Kegelbahn und des Hangenbaches ein neuer Dorfplatz geschaffen. Zudem wurden auch Teile der Straßen erneuert und zwischen Beuren und Weildorf ein Rückhaltebecken für den Hochwasserschutz der Gemeinde Salem errichtet. Aufgrund dieser Arbeit ist Weildorf innerhalb der Gemeinde zu einem beliebten Übernachtungsziel in Form von Ferienwohnungen geworden.[5]

Einwohnerentwicklung

Weildorf hat derzeit 839 Einwohner (Stand 31. Dezember 2024[1]).

Jahr Einwohnerzahlen
2007 800
2010 812
2011 810
2012 807
2014 791

Politik

Die Ortsreferentin ist Martina Obser.

Wappen

Blasonierung: „In Blau ein aufrechtes goldenes Schwert, die Klinge überlegt mit einer goldenen Waage“. Das Wappenbild will die Erinnerung an die Gerichtsstätte Schapbuch aufrechterhalten. Das Schwert wurde lange Zeit als Richtschwert eingesetzt. Die Waage steht seit alters her als Symbol für Recht und Gerechtigkeit.[6]

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

  • In der Weildorfer Pfarrkirche St. Peter und Paul befinden sich ein geschnitzter Kreuzweg von Josef Anton Feuchtmayer und eine historische Orgel der Orgelbauer Hieber & Schuhmacher aus dem Jahr 1855.[7]
  • Die denkmalgeschützte Historische Holzkegelbahn am nördlichen Ortsausgang Richtung Heiligenberg am Hangenbach stammt in ihrem Kernbau, der Trinkhalle mit integrierter Kegelbahn, aus dem Jahr 1901 und wurde um 1905 mit einem schmaleren und niedrigeren Anbau um 10 Meter auf eine Gesamtlänge von etwa 25 Meter erweitert. Sie befindet sich seit 2009 im Besitz der Gemeinde Salem.[8] Die Kegelbahn wurde im Laufe der Arbeiten um einen Dorfplatz saniert. Nachdem die Trinkhalle 2012 durch einen Sturm zerstört war, wurde sie wiederaufgebaut und zusätzlich mit Eisenstangen verstärkt. So konnte sie sich bei dem Tag des offenen Denkmals im gleichen Jahr präsentieren.[9]
  • Eiskeller der ehemaligen Brauerei Adler
  • Das ehemalige Bahnhofsgebäude wird heute als Wohnhaus genutzt.

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Jährlich findet das Gassenfest statt.
  • Zur Fasnachtszeit finden Umzüge statt.

Sport

Der FC Beuren-Weildorf ist einer von drei Fußballvereine in der Gemeinde Salem. In der Gemeinde Salem liegt zwischen den beiden Teilorten ein zweiter Fußballplatz mit Vereinsheim.[10] Zum 30. Juni 2020 fusionierte er mit dem FC Rot-Weiß Salem, sodass seit der Fußballsaison 2020/21 nur noch ein Fußballverein in Salem unter dem Namen FC Rot-Weiß Salem existiert, der in der Bezirksliga Bodensee spielt.[11][12]

Vereine

Neben dem Sportclub FC Beuren-Weildorf sind folgende Vereine in Weildorf aktiv:

  • Der Musikverein Weildorf e. V., gegründet 1927, begleitet zahlreiche öffentliche Veranstaltungen mit seiner Musikkapelle und ist in der Jugendarbeit tätig. Er ist aktives Mitglied in der Schlossseegemeinschaft, einem Zusammenschluss der vier Salemer Musikkapellen.
  • Der Narrenverein Weildorf e. V. ist seit 1977 im Vereinsregister eingetragen. Er besitzt mit den „Riedgeistern“ eine eigene Narrenhäsgruppe, eine Zimmermannsgruppe, sowie eine Tanzgilde und verschiedene kleinere Gruppen wie die „Wecker“ und „Funkengilde“.
  • Der Sportverein SV Weildorf e. V., gegründet 1992, bietet in verschiedenen Gymnastik- und Tanzgruppen sportlichen Ausgleich an.
  • Der Freundeskreis Historische Kegelbahn Weildorf, gegründet 2011, ist in der Denkmalpflege tätig, insbesondere der Pflege und dem Erhalt der gemeindeeigenen Historischen Holzkegelbahn in Weildorf.

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft

Weildorf verfügt über viele Familienbetriebe, darunter einen Fahrradhandel und einen Bäcker. Obst- und Getreideanbau prägen den Ort.[5]

Öffentliche Einrichtungen

  • Kindergarten (seit 1946)
  • Das ehemalige Schulgebäude wird öffentlich genutzt, unter anderem von der Musikschule Salem.
  • Dorfgemeinschaftshaus neben dem ehemaligen Schulgebäude
  • Mädchenheim, eine Außenstelle des Linzgau Kinder- und Jugendheims
  • kleiner Fußballplatz im Ortsinneren sowie Sport- und Trainingsplatz für den Fußballverein außerhalb

Verkehr

Durch die Gemeinde Salem ist Weildorf am Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbund (bodo) angeschlossen. Durch die Landesstraße 201 ist es auch mit Mimmenhausen verbunden, wodurch man Anschluss am dortigen Bahnhof hat. Die ehemalige Bahnstrecke Mimmenhausen-Neufrach–Frickingen hielt am Weildorfer Bahnhof.

Sonstiges

Am Ende Weildorfs in Richtung Leustetten existiert ein Umspannwerk der EnBW.

Persönlichkeiten die vor Ort gewirkt haben

  • 1855: Stephan Schuhmacher baute gemeinsam mit Eduard Hieber die Orgel für die Katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul.

Literatur

  • Staiger, F. X. Conrad: Weildorf, in: Salem oder Salmansweiler … Constanz 1863 (ND 2008). Seite 267ff
  • Kuratorium Heimat und Arbeit (Hrsg.) (1972): Die Gemeinden im oberen und unteren Linzgau, Weildorf, S. 344, in: Der Kreis Überlingen / Überlingen und der Linzgau am Bodensee.
  • Gemeinde Salem: Findbuch Gemeindearchiv. Daten zur Geschichte der Altgemeinde Weildorf 2009

Hugo Gommeringer: Weildorf, in: Salemer Wappen. 2000 S. 75–77

  • Hugo Gommerimger: Kirchen und Kapellen in der Seelsorgeeinheit Salem. Schnell Kunstführer 2548, 2004, ISBN 3-7954-6483-8
  • Wachter, Gerhard: Der Luftschiffkonstrukteur Gebhard Weißenrieder, in: Linzgau Mosaik, Band 4 ((2024)
  • Regierungspräsidium Tübingen Referat 26 Denkmalpflege Verzeichnis der unbeweglichen Bau- und Kunstdenkmale in Baden-Württemberg: Bodenseekreis – Salem - Weildorf
Commons: Weildorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Einwohnerzahl und Fläche Gemeinde Salem. Abgerufen am 22. Oktober 2025.
  2. Weildorf auf Landeskunde entdecken online – leobw
  3. Salem k) Weildorf in: Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4. S. 596
  4. [Rudolf Koch: Salemer Aach und Stefansfelder Kanal, in: Mimmenhausen …]
  5. a b Weildorf - Geschichtliches & Aus der jüngeren Vergangenheit Website der Gemeinde Salem; abgerufen am 5. Juni 2017
  6. Hugo Gommeringer: Weildorf, S. 75–77, in: Salemer Wappen. 2000
  7. Salem / Weildorf – St. Peter und Paul – Orgel Verzeichnis – Orgelarchiv Schmidt. Abgerufen am 9. Februar 2022 (deutsch).
  8. Martina Goerlich: Ortstermin: Alle Neune! Die Rettung der Holzkegelbahn in Salem-Weildorf (Bodenseekreis). In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg. Nachrichtenblatt der Landesdenkmalpflege. 40. Jg., 3/2011 (Memento vom 31. März 2012 im Internet Archive) (PDF; 5,1 MB), S. 172–173
  9. Geschichte der Holzkegelbahn Weildorf. Freundeskreis Historische Kegelbahn Weildorf, abgerufen am 5. Juni 2017.
  10. Verein. FC Beuren-Weildorf e. V., abgerufen am 5. Juni 2017.
  11. Peter Schober: Bodenseekreis: Künftig kicken sie gemeinsam: FC Rot-Weiß Salem und FC Beuren-Weildorf fusionieren. In: suedkurier.de. 23. April 2019, abgerufen am 5. Februar 2020.
  12. Peter Schober: Vereine erarbeiten zusammen Jugendkonzept für den neuen FC Rot-Weiß Salem. In: suedkurier.de. 8. Juni 2020, abgerufen am 5. Februar 2020.