Wassermühle Wittorf

Die Wassermühle Wittorf, die Grapenmühle, am Wittorfer Bach in der niedersächsischen Kleinstadt Visselhövede, Ortsteil Wittorf, Grapenmühlen 16 an der B 440, wurde als Gebäude in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gebaut.

Das Gebäude steht unter Denkmalschutz (siehe auch Liste der Baudenkmale in Visselhövede).[1]

Geschichte und Beschreibung

Im Bereich von Wittorf bestand bereits vom 8. bis ins frühe 9. Jahrhundert ein Dorf.[2]

Es soll bereits um 1540 hier eine Wassermühle gegeben haben; bauliche Zeugnisse sind nicht mehr vorhanden. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Wassermühle im 17. Jahrhundert. Mindestens einmal wurde sie danach neu errichtet.

Das eingeschossige zur Straße giebelständige Mühlengebäude in Fachwerk mit Steinausfachungen und Satteldach sowie Ladeluken wurde 1781 (Inschrift) durch das Müllerehepaar Christian Petersen und seine Frau Cathrin Ilse gebaut. Die Mühle wurde durch ein oberschlächtiges Wasserrad aus Holz (inzwischen abgebaut) angetrieben und ab 1906 auch (je nach Wasserstand) und ab 1949 nur durch eine elektrische Turbine. Die Mühle besaß einen Walzenstuhl, der Weizen und Roggen zu Feinmehl verarbeitete. Zwei Schrotgänge mahlten Futtergetreide und ein sogenannter „Franzosengang“ zerkleinerte (Ausmahlen) die Abfälle des Walzenstuhls zu Kleie.[3]

Der Müller Rudolf Euhus betrieb zuletzt die Mühle bis 1965. Dann erfolgte aus wirtschaftlichen Gründen die Stilllegung und ein Verfall der Gebäude. Das Anwesen befindet sich aktuell (2025) in privatem Eigentum und ist verpachtet. Der Pächter ist um eine Fortsetzung der 1985 begonnenen Sanierung der Gebäude und deren Finanzierung bemüht.[4] Der den rund drei Hektar große Mühlenteich und die Mühle versorgende Wittorfer Bach (Viehbach) entspringt in Nindorf und mündet wenige Kilometer weiter in den Visselbach.

Der Name Grapenmühle leitet sich wahrscheinlich von dem Wort „Grapen“ ab, was für Kessel, Graben oder Vertiefung stand. Durch eine alte Bockwindmühle auf einem Hügel oberhalb der Wassermühle kam es im Volksmund zum Namen Grapenmühlen. Diese Mühle von um 1823/1838 brannte 1888 ab.[5]

Der ebenfalls denkmalgeschützte zweigeschossige giebelständige Speicher in Fachwerk und in Geschossbauweise mit Backsteinausfachungen und mit ziegelgedecktem Satteldach wurde für die Mühle am Ende des 18. Jahrhunderts gebaut. Sein Obergeschoss ist holzverschalt.[6]

Das niedersächsische Landesdenkmalamt befand u. a.: „… An der Erhaltung der Mühlenanlage besteht aus geschichtlichen und städtebaulichen Gründen wegen des orts-, wirtschafts- und technikgeschichtlichen, gebäudetypischen, anlagen- und landschaftsbildprägenden Zeugniswerts ein öffentliches Interesse ….“

Die Mühle ist nicht in der Niedersächsischen Mühlenstraße im Landkreis Rotenburg im Bereich Nordostniedersachsen enthalten.

Das Gebäude ist seit Mai 2021 als Location für Kreativschaffende anmietbar. Durch die Einnahmen wird eine behutsame Sanierung der Mühle umgesetzt. So konnten 2024/25 die Fenster im Erdgeschoss wieder original getreu hergestellt werden.

Einzelnachweise

  1. Beschreibung/Bilder im Denkmalatlas Niedersachsen
  2. Stefan Hesse, Kerstin P. Hofmann: Der mehrperiodige Fundplatz Wittorf, StadtVisselhövede. Vorbericht, in: Stefan Hesse (Hrsg.): Archäologie im Herzen des Elbe-Weser-Dreiecks, Kommissionsverlag Isensee Verlag, Oldenburg 2006, S. 91–108, hier: S. 102–104.
  3. Beschreibung/Bilder im Denkmalatlas Niedersachsen
  4. Judith Tausendfreund: Auf Entdeckungstour in der Grapenmühle. In: Kreiszeitung.de
  5. Kleiekotzer: Wassermühle Grapenmühlen
  6. Beschreibung/Bilder im Denkmalatlas Niedersachsen

Koordinaten: 53° 0′ 1,3″ N, 9° 32′ 9,1″ O