Wassermühle Scheeßel

BW

Die Wassermühle Scheeßel in der niedersächsischen Gemeinde Scheeßel, An der Wassermühle 3, wurde als Gebäude in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gebaut. Aktuell (2025) wird das Gebäude zur Stromversorgung, museal und für kulturelle Veranstaltungen durch den Förderverein genutzt.

Das Gebäude steht unter Denkmalschutz (siehe auch Liste der Baudenkmale in Scheeßel).[1]

Geschichte und Beschreibung

Scheeßel wurde 1205 als Archidiakonat genannt und gehört zum heutigen Landkreis Rotenburg (Wümme).

Sagenhaft überliefert hieß es, dass ein böser Müller, der mit dem Pastor der nahe der Mühle gelegenen St.-Lukas-Kirche im Streit lag, diesem Schaden zufügen wollte und so schloss er das Wehr, um mit dem Stauwasser die Kirche zu überschwemmen. Aber der Mühlendamm brach und das Wasser schwemmte seine Mühle fort. Tatsächlich hat die Wassermühle einst unweit der Scheeßeler Kirche an dem kleinen durch Scheeßel fließenden Bach Beeke gelegen, denn im 19. Jahrhundert wurden bei einer Verlegung des Bachbettes Überreste einer solchen gefunden.

Um 1507 wurde in Scheeßel eine neue Wassermühle am heutigen Standort an der Wümme gebaut. Im Dreißigjährigen Krieg wurde sie von kaiserlichen Truppen zerstört. Der Müller baute sie mit Hilfe seiner Mahlgäste auf eigene Kosten wieder auf. Zum Ende des Dreißigjährigen Krieges setzte der schwedische Fiskus seine Ansprüche an der Mühle durch. Diese war eine sogenannte Bannmühle, d. h. die Bauern der Umgegend waren gezwungen, ihr Korn auf der Mühle mahlen zu lassen. Der Müller, der nur Pächter war, durfte einen Naturallohn einbehalten, die sogenannte Matte, die auf dieser Mühle den 24. Teil des gemahlenen Getreides umfasste.

1829/30 wurde an dem Standort eine neue Kornmühle errichtet. 1835 kam auf der gegenüberliegenden Flussseite noch eine Öl- und Lohmühle hinzu. Es handelte sich um eingeschossige Bauten mit Krüppelwalmdächern. Die Wände bestanden auf den zwei Wasserseiten aus Backstein, auf den beiden Landseiten aus Eichenfachwerk, welches mit Backsteinen ausgemauert war. Zwischen den Bauten trieb der Wasserlauf drei unterschlächtige Wasserräder an. 1859 wurde die Mühle mitsamt der an ihr haftenden Rechte auf einer öffentlichen Auktion vom Königreich Hannover versteigert und für 13.000 Taler von dem damaligen Mühlenpächter Leopold Müller gekauft. 1869 wurde das Mühlengebäude erweitert und eine erste Handelsmühle eingerichtet, die sich so gut entwickelte, dass das Gebäude zwei Jahre später noch einmal zu einem zweigeschossigen Bau erweitert wurde.

In der Lohnmüllerei vermahlt der Müller das Korn der Bauern gegen Entgelt, in der Handelsmühle kauft der Müller das Getreide, verarbeitet es und verkauft anschließend das Mahlprodukt. 1884 wurden die beiden Wasserräder der Kornmühle demontiert und an deren Stelle entstand ein viergeschossiges Kornsilo mit Wasserturbine (Typ Henschel/Jonval). Die Turbine stammte von der Firma Briegleb und Hansen in Gotha. In dem Mühlengebäude selbst wurden durch die Firma Hermann Bauermeister, Ottensen, moderne Walzenstühle eingebaut. Die Scheeßeler Mühle war neben der Mühle in Deinste und in Eitze bei Verden zu dieser Zeit die einzige im Bereich der Stader Geest mit Walzenstuhlbetrieb.

Die Öl- und Lohmühle wurde 1891 ebenfalls zu einer Kornmühle mit Turbinenantrieb – ebenfalls eine Henschel/Jonval-Turbine der Firma Briegleb und Hansen – umgebaut und an das Gebäude auch noch eine Sägerei angeschlossen, die 1971 abgebrochen wurde. In den Jahren 1926 und 1929 wurden die beiden Mühlen noch einmal modernisiert und man spezialisierte sich im Wesentlichen auf die Produktion von Mischfutter. Auch die Turbinen wurden gegen moderne Francis-Turbinen ausgetauscht, die von der Firma Atorf & Propfe, Paderborn und der Firma K. und Th. Möller, Brackwede stammten. Beide Turbinen wurden in den Jahren 2002, 2009 und 2022 umfassend saniert und heute vor allem für die Produktion von elektrischen Strom eingesetzt, wobei sie aber nach wie vor in der Lage sind, bei Bedarf auch die Mühlenmaschinen anzutreiben. Bis 1999 waren die Mühlen noch im gewerblichen Betrieb.[2]

Das niedersächsische Landesdenkmalamt befand u. a.: „… orts-, wirtschafts- und technikgeschichtlicher, gebäudetypischer, orts- und anlagenbildprägender Zeugniswert ….“

Der Förderverein Scheeßeler Mühle übernahm 2003 das Gebäude, um es als technisches Denkmal interessierten Menschen zugänglich zu machen. Es gelang ihm, das Gebäude und die Maschinen zu sanieren, die Technik wieder gangbar zu machen und fehlende Maschinen zu ersetzen. Ein alter 90 PS starker Herfordmotor von 1936 hilft, Zeiten mit mangelndem Wasser zu überbrücken. Ziel des Vereins ist es, ein Mühlenmuseum zu betreiben. Kern der Anlage soll eine 4-Passagen-Roggen-Feinmehlmühle aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts sein.

Auf dem Areal des Mühlenhofs in Scheeßel befinden sich

  • die Wassermühle (s.o),
  • das Wehr mit Aalfang,
  • der differenzierte Mühlenteich mit mehreren Zu- und Abläufen aus der Wümme,[3]
  • ein kleiner Pavillon von 1861 auf der Insel im Mühlenpark in Fachwerk, mit Satteldach und mit späteren baulichen Veränderungen,[4]
  • das Wohn- und Kontorhaus Mühlenstraße 43 von um 1700 (gesonderter Artikel),
  • die zwei Scheunen in Backstein mit Verzierungen und mit ziegelgedecktem Krüppelwalmdach (1854, Inschrift) bzw. mit Satteldach (1874 (a) und
  • das Malzhaus Mühlenstraße 43 (gesonderter Artikel).

Seit einigen Jahren werden auf der Scheeßeler Mühle Salers-Rinder gehalten.[5]

Die Mühle ist die Nr. 62 in der Niedersächsischen Mühlenstraße im Landkreis Rotenburg im Bereich Nordostniedersachsen.

Einzelnachweise

  1. Beschreibung/Bilder im Denkmalatlas Niedersachsen
  2. Förderverein Scheeßeler Mühle: Die Geschichte.
  3. Beschreibung/Bilder im Denkmalatlas Niedersachsen
  4. Beschreibung/Bilder im Denkmalatlas Niedersachsen
  5. scheesseler-muehle.de.

Koordinaten: 53° 9′ 48,4″ N, 9° 28′ 2,8″ O