Wassermühle Negenborn
| Wassermühle Negenborn
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Wassermühle Negenborn | ||
| Lage und Geschichte | ||
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| Koordinaten | 52° 33′ 8″ N, 9° 38′ 6″ O
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| Standort | Deutschland | |
| Gewässer | Negenborner Mühlengraben | |
| Erbaut | 1779 | |
| Stillgelegt | 1966 | |
| Zustand | Wohnhaus, denkmalgeschützt | |
| Technik | ||
| Nutzung | Getreidemühle
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| Mahlwerk | 2 Mahlgänge | |
| Antrieb | Wasserrad | |
| Wasserrad | 1, oberschlächtig[1] | |
Die Wassermühle Negenborn, auch Rodenbostelsche Mühle oder Martens-Mühle,[2] ist eine denkmalgeschützte ehemalige Wassermühle in Negenborn, einem Ortsteil von Wedemark in der Region Hannover in Niedersachsen.
Geschichte
Die Existenz einer Mühle in Negenborn ist seit dem Jahr 1381 kontinuierlich belegt.[3] Spätestens seit 1438 war Negenborn der einzige Ort der Wedemark in dem zugleich zwei Wassermühlen betrieben wurden. Deren Lage und Besitzer sind jedoch nicht überliefert.[2] Im feuchten Abbenser Bruch und dem sumpfigen Waldgebiet Spring gibt es zahlreiche Quellen. Das Wasser mehrerer Quellen fließt in dem in Negenborns Dorfmitte gelegenen Mühlteich zusammen.[4] In dem von Gustav Völker entworfenen Wappen des Ortes deuten neun blaue Pfeile im Rad auf die neun Quellen nach denen Negenborn benannt ist.[5] Seit dem Jahr 1644 bewirtschaftete dort Harbort Rodenbostel einen Hof mit der zugehörigen in der Ortsmitte gelegenen Mühle. Der Mühlenstandort blieb über 240 Jahre in Familienbesitz. Die Mühle war jedoch mehrmals an auswärtige Müller verpachtet.[4] Das heutige Gebäude wurde laut seiner Bauinschrift im Jahr 1779 errichtet.[3] 1884 erwarb der aus Brelingen stammende Hermann Martens die Mühle. Er erneuerte in den folgenden Jahren die Mühlentechnik.[6] Neben der Mühle wurde 1903 ein zweigeschossiges Wohnhaus in Ziegelbauweise errichtet.[3]
Beschreibung
Das 1779 im historischen Ortskern errichtete Gebäude[7] ist ein nur giebelseitig vorkragend abgezimmerter Nutzbau. Das idyllisch in einer Senke vor dem lang gezogenen Mühlteich gelegene Bauwerk zeigt als nur giebelseitig vorkragend abgezimmerter Geschossbau mit Oberrahmgefüge und eingehälsten Ankerbalken eine in der Gegend selten zu findende K-Verstrebung. Das Wasserrad ist im unausgefachten Ständerwerk an der Gebäuderückseite unter Dach angebracht.[3]
Die Mühle hatte eine Leistung von etwa 4 PS. Bei einem nutzbaren Höhenunterschied der Staustufe von etwa drei Metern floss das Wasser des Mühlteichs durch einen gemauerten Trog und durch eine hölzerne Rinne über den Scheitelpunkt des Mühlrads. Dieses wurde vorschlächtig, in Fließrichtung, gedreht.[6]
Die Säcke mit Getreide wurde ebenerdig an der Ostseite der ersten Etage der am Hang gelegenen Mühle angeliefert. Mehl und Schrot wurden abgesackt und konnten an der Südseite des drei Meter tiefer gelegenen Untergeschosses ebenfalls ebenerdig abgefahren werden. Im Jahr 1838 wurde die Kapazität der Mühle mit 2800 Himpten Getreide, dies sind etwa 56 t, angegeben. Das wären etwa 170 kg pro Arbeitstag gewesen.[6]
Im Mühlteich wurde das Wasser aus mehreren Quellen in Negenborn, dem Abbenser Bruch und dem Turnbusch im Nordwesten des Ortes gesammelt. Außer bei heftigen Regen reichte die Wassermenge nicht für einen kontinuierlichen Mahlbetrieb. Es wurde etwa vier Stunden angestaut, um danach vier Stunden mahlen zu können. Je nach Auftragslage auch rund um die Uhr. Das Wasser floss ab zum Jürsenbach. Wegen der schwankenden Abflussmenge gab es wiederholt Ärger mit den Müllern der bachabwärts gelegenen Mühlen.[6]
Nach ihrem Erwerb durch Martens erhielt die Mühle im Jahr 1885 ein neues Mühlrad.[3] Bei der anschließenden Erneuerung der Mühlentechnik wurde 1887 ein zweiter Mahlgang eingebaut. Die Mühle hatte nun einen Schrotgang und einen Mahlgang mit nachgeschalteten Sechskantsichter.[6]
Das Mühlrad war 1907 erneut erneuerungsbedürftig. Zur Steigerung der Effizienz wurde der Bau eines zusätzlichen Windmotors erwogen. Stattdessen erhielt die Mühle ein neues Wasserrad aus Eichenholz mit gebogenen Schaufeln aus Eisenblech. Der wasserzuführende Holztrog wurde gekürzt, so dass das Mühlrad nun rückschlächtig lief und die umgearbeiteten Mühlsteine in die andere Richtung drehte. Die Änderungen steigerten die Kapazität der Mühle auf 200 t Getreide jährlich oder etwa 600 kg täglich. Die Getreidemenge war zu etwa 95 % Roggen und 5 % Gerste.[6]
1940 wurde ein zusätzlicher Elektromotor installiert. Da im Krieg den Bauern die Nutzung eigener kleiner Mühlen verboten worden war, diente die Wassermühle vorübergehend als eine Art Zwangsmühle.[6] Nachdem Eisgang das Mühlrad zerstört hatte,[6] wurde seit 1947 wurde nur noch mit elektrischem Antrieb gemahlen. Das Wasserrecht der Mühle wurde 1965 wegen jahrelanger Nichtnutzung für erloschen erklärt. 1966 wurde der unwirtschaftlich gewordene Mahlbetrieb eingestellt. Der in einer 1927 auf dem Anwesen errichteten Scheune betriebene Landhandel wurde in den 1980er Jahren geschlossen.[6] Gebäude und Reste des Mühlrads waren in den 1980er Jahren noch erhalten.[5] Das Mühlengebäude wurde seit 1970 vermietet und zu Wohnzwecken umgebaut. Im Jahr 2001 wurde ein neues Wasserrad angebracht. Die Bauarbeiten wurden nach einer Anzeige durch eine Eilentscheidung des Amts für Denkmalschutz unterbrochen, bis dieses zu einer Einschätzung gekommen war.[6] Das oberschlächtige Rad hat einen Durchmesser von über drei Metern. Seine Schaufeln sind 80 cm breit.[6]
Denkmalschutz
„[…] nach dem Umbau zum Wohnhaus nur noch Reste des Mahlwerks vorhanden. In der Ausprägung ihrer Bauform dennoch beispielhaft, besteht an der Erhaltung der Negenborner Wassermühle aufgrund der geschichtlichen Bedeutung für die Orts-, Siedlungs- und Technikgeschichte sowie wegen ihres prägenden Einflusses auf das Ortsbild ein öffentliches Interesse.“
Siehe auch
Weblinks
- Andreas Krasselt: Das Klein-Venedig der Wedemark. In: www.haz.de. 16. August 2022., u. a. mit Fotos des Mühlrads.
Einzelnachweise
- ↑ Wassermühle Negenborn. Mühlendatenbank für Niedersachsen und Bremen, abgerufen am 17. Oktober 2025.
- ↑ a b Die beiden Wassermühlen in Negenborn in: Eckhard Martens: Die Mühlen der Wedemark. (PDF; 17,3 MB) Juli 2021, S. 41, abgerufen am 29. September 2022.
- ↑ a b c d e Rodenbostelsche Mühle in: Carolin Krumm [Hrsg.]: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 13,2): Region Hannover: nördlicher und östlicher Teil; mit den Städten Burgdorf, Wedemark, Langenhagen, Lehrte, Neustadt a. Rbge., Sehnde, Wunstorf und den Gemeinden Burgwedel, Isernhagen, Wedemark und Wedemark — Hameln, 2005. S. 517/518 online
- ↑ a b Die Mühlen von Negenborn in: Götz Kreikemeier: Negenborner Geschichtsbuch 1381–1910. (PDF; 145 MB) 1992, S. 74–87, abgerufen am 11. Oktober 2025.
- ↑ a b Mühlensymbole auf Wappen und Siegeln in: Heinz Koberg: Mühlen rund um Hannover. Müller, Mühlenplätze, Mühlentechnik. Geschichten und Geschichte. Schlütersche Verlagsgesellschaft, Hannover 1987, ISBN 3-87706-218-0, S. 25–26.
- ↑ a b c d e f g h i j k Die Mühle am Klosterende in Negenborn (am Negenborner Mühlengraben) in: Eckhard Martens: Die Mühlen der Wedemark. (PDF; 17,3 MB) Juli 2021, S. 45–55, abgerufen am 29. September 2022.
- ↑ a b Wassermühle Negenborn. Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, abgerufen am 11. Oktober 2025.