Wasserfahrrad (Sportgerät)

Das Wasserfahrrad ist ein Sportgerät, mit welchem Aquacycling durchgeführt wird. Für Fahrräder, die auf dem Wasser fahren, siehe Tretboot und Amphibienfahrrad.

Beschreibung

Das Wasserfahrrad kann auf die Körpergröße des Teilnehmers eingestellt werden. Um die optimale ergonomische Sitzposition zu finden, muss das Bike an Sattel und Lenker horizontal und vertikal anpassbar sein. Um bei Knie- und Hüfteinschränkungen diese Winkel verändern zu können, bietet ein medizinisch geprüfter Ergometer in der Regel die Möglichkeit verschiedene Radien an der Pedalkurbel einzustellen. Dadurch verändert sich die Flex- und/oder Extension der Gelenke nach Indikation des Teilnehmers als Standardanwendung bei therapeutisch eingesetzten Ergometern in der Rehabilitation. Zusätzlich bieten technisch ausgereifte Bikes die Möglichkeit, unterschiedliche Körpergrößen an vorhandene Wassertiefen durch verstellbare Fußteile vorzunehmen.[1][2]

Anwendung

Das Training findet im Nichtschwimmerbereich von konditionierten Wasserflächen bei einer Wassertiefe 135 cm und einer Wassertemperatur von etwa 30 °C statt, was sowohl im Hallenbad als auch im Freibad möglich ist.[3]

Dabei sitzt der Teilnehmer bis zwischen Bauchnabel und Brusthöhe eingetaucht, sodass der Oberkörper größtenteils außerhalb des Wassers bleibt. Je nach Trittgeschwindigkeit lässt sich die Trainingsintensität von niedriger bis hoher Intensität anpassen.[4]

Die Wassertiefe ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg. Sitzt der Teilnehmer zu flach im Wasser, ist ein runder Tritt nicht mehr möglich, da der Oberschenkel bei der runden Bewegung in der obersten Stellung aus dem Wasser ragt und so der Widerstand unterbrochen wird. Sitzt der Teilnehmer zu tief eingetaucht im Wasser, hat er so viel Auftrieb, dass das Gewicht nicht mehr auf dem Sattel bleiben kann und eine runde und harmonische Tretbewegung unmöglich wird.

Technische Entwicklung

Die technische Entwicklung von Aquabikes konzentriert sich auf die Verbesserung von Widerstandssystemen, Materialien und Benutzerfreundlichkeit. Bei der Entwicklung wurde so zum Beispiel bereits das Hydrauliksystem überarbeitet, welches den Widerstand nach Bedarf des Benutzers frei einstellbar macht. Ein weiterer Fortschritt ist das Aquapalm-System mit vier Lamellen, das die Produktivität maximiert. Neuere Pedale wie Aquaspeed 2 ermöglichen ein komfortables Treten unter Wasser, auch barfuß, dank ihres autonomischen Dauerbands und weicher Schaumstoffoberfläche.[5]

Bauarten

Stationäre Aquabikes für Schwimmbäder

Diese Bauart wird fest im Beckenboden verankert und ist besonders in kommerziellen Einrichtungen wie Hotels, Thermen oder Fitnessstudios verbreitet. Sie bieten hohe Stabilität und Sicherheit, da sie nicht verrutschen können. Die Geräte sind meist aus rostfreien Materialien gefertigt und wetterfest beschichtet.[6]

Schwimmende (freibewegliche) Aquabikes

Diese Modelle sind nicht fixiert und schwimmen frei auf dem Wasser. Sie können im Pool, See oder Meer genutzt werden und bieten mehr Bewegungsfreiheit. Sie sind ideal für den privaten Gebrauch und einfach zu transportieren. Nachteil: Geringere Stabilität als stationäre Modelle, daher eher für geübte Nutzer geeignet.[7]

Faltbare und transportable Aquabikes

Eine neuere Entwicklung sind faltbare oder modular aufgebaute Aquabikes, die sich leicht transportieren und lagern lassen. Diese eignen sich besonders für Privatnutzer mit begrenztem Platz oder für Reisende, die auch im Urlaub trainieren möchten.[8]

Doppel-Aquabikes für Paare

Einige Hersteller bieten Modelle mit zwei Sitzpositionen an, die es Paaren ermöglichen, gemeinsam zu trainieren. Diese sind meist schwimmend konstruiert und bieten eine breitere Plattform für mehr Komfort und Stabilität.

Bremssysteme

Zum Verstellen des Widerstands existieren unterschiedliche Bremssysteme in Europa. Alle bekannten Systeme funktionieren mechanisch, da die elektronischen Bremsen der Land-Ergometer im Wasser nicht einsetzbar sind. Neben den Bremssystemen sind die bewegten Körperteile der Teilnehmer von entscheidendem Einfluss auf die zu erbringende Leistung.[9]

Es sind folgende Bremssysteme im Einsatz:

Wasserbremse

Hier wird die Fläche sowie der Cw-Wert des Widerstandkörpers, die Winkelgeschwindigkeit, mit der die Bremsfläche um die Welle gedreht wird, und der Hebelarm benutzt. Durch die 800-mal höhere Dichte des Wassers im Vergleich zur Luft bietet das Wasserbremssystem eine besondere Bedingung. Der Widerstand verachtfacht sich bei Verdoppelung der Trittfrequenz, vgl. Luft: Hier findet eine Quadrierung des Widerstandes bei Verdoppelung statt.[3]

Reibschlüssige Bremse

Hier wird ein Bremskörper mit einer einstellbaren Kraft auf eine rotierende Welle gedrückt. Je nach Anpressdruck auf die Welle erhöht sich der Reibungswiderstand und somit die zu erbringende Leistung für den Teilnehmer. Diese Art von Bremse ist isoliert betrachtet geschwindigkeitsunabhängig – das heißt die Trittfrequenz hat erst mal keine Bedeutung für den Widerstand. Da der Teilnehmer aber immer auch die unteren Extremitäten als Widerstand mitbewegen muss, ist diese Bremse nicht reproduzierbar einzustellen und somit eingeschränkt im Bereich der allgemeinen Wasserfitness einsetzbar.[10]

Ohne Bremse

Hier wirken ausschließlich die bewegten unteren Extremitäten im Wasser als Bremse. Diese sind flächen- und oberflächenabhängig. Hier gilt, wie schon bei der reibschlüssigen Bremse, dass der Widerstand nicht reproduzierbar ist und somit ein Training nicht zielgerichtet durchgeführt werden kann.[11]

Verbreitung

Sowohl im privaten als auch im öffentlichen und therapeutischen Kontext stieg die Beliebtheit von Aquabikes in den vergangenen Jahren kontinuierlich an. Die Sportart kombiniert die Vorteile von Ausdauertraining mit den gelenkschonenden Eigenschaften des Wassers und ist daher für eine breite Zielgruppe attraktiv.[12][13]

Vorteile

Das Training mit dem Aquabike gilt als besonders gelenkschonend, da im Wasser nur etwa ein Zehntel des Körpergewichts auf Gelenke, Bänder und Muskeln lastet. Dies macht es ideal für Menschen mit Gelenkproblemen, Kniebeschwerden und Übergewicht. Zudem fördert das Training im Wasser die Durchblutung und ermöglicht durch eine hohe Kalorien- und Fettverbrennung. Es wird auch als effektiv für die Bekämpfung von Cellulitis angesehen, da das Zusammenspiel von Bewegung, Wasserwiderstand, Wasserdruck und Auftrieb die Haut strafft.[14] Zudem ist es aufgrund der individuellen Trainingsintensität für alle Altersgruppen und Fitnesslevel geeignet.[12]

Wichtige Hersteller

Bekannte Hersteller, die professionelle Geräte produzieren, sind unter anderem Waterflex, Hydrorider und AquaKinetics.[15]

Einzelnachweise

  1. Aquabike für den Pool. Lovee Aquabike Poolfahrrad, abgerufen am 29. Dezember 2025.
  2. Aqua-Bikes für Privat & öffentliche Bäder. Fairplay Sporthandel, abgerufen am 29. Dezember 2025.
  3. a b Alena Müller: Aquabike: Test, Vergleich und Kaufratgeber. In: heyhobby24.de. 22. September 2022, abgerufen am 29. Dezember 2025.
  4. ZDB-Katalog - Suchergebnisseite: iss="1440-2440". Abgerufen am 29. Dezember 2025.
  5. Oleg: Vacuactivus Aquashape Aquabike 4 – Innovatives Aqua-Aerobic-Trainingsgerät. In: vacuactivus.com. 1. Mai 2020, abgerufen am 29. Dezember 2025.
  6. Vélo piscine WR3. In: distripool.fr. Abgerufen am 29. Dezember 2025.
  7. Aquabike Optima Pro. Merlot Sports et Médical Dijon, abgerufen am 29. Dezember 2025.
  8. Aqua Cycling Übungen im Test. In: youtube.com. SAT.1 Frühstücksfernsehen, 27. Juli 2014, abgerufen am 29. Dezember 2025.
  9. Wissenswertes über Aquacycling. On-Aqua-Line, abgerufen am 29. Dezember 2025.
  10. Lucie: Die besten Aquabikes? (Test & Vergleich 2025). BeyondSurfing, 20. Januar 2023, abgerufen am 29. Dezember 2025.
  11. Aquabike. In: myhexagone.com. Abgerufen am 29. Dezember 2025.
  12. a b Aqua Bikes: Powertraining im eigenen Pool. In: sopra.dec. Abgerufen am 29. Dezember 2025.
  13. Shop28. In: shop28.de. Abgerufen am 29. Dezember 2025.
  14. Aquabike Training Plans. Aquabike.World, abgerufen am 29. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
  15. Aquabike gebraucht und neu kaufen und verkaufen. In: fitnessmarkt.de. 2025, abgerufen am 29. November 2025.