Was werden die Leute sagen
| Film | |
| Titel | Was werden die Leute sagen |
|---|---|
| Originaltitel | Hva vil folk si |
| Produktionsland | Norwegen, Schweden, Deutschland |
| Originalsprache | Norwegisch, Urdu |
| Erscheinungsjahr | 2017 |
| Länge | 107 Minuten |
| Altersfreigabe | |
| Stab | |
| Regie | Iram Haq |
| Drehbuch | Iram Haq |
| Produktion | Maria Ekerhovd |
| Musik | Lorenz Dangel, Martin Pedersen |
| Kamera | Nadim Carlsen |
| Schnitt | Janus Billeskov Jansen, Anne Østerud |
| Besetzung | |
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Was werden die Leute sagen (Originaltitel: Hva vil folk si) ist ein norwegisch-schwedisch-deutsches Filmdrama der Regisseurin Iram Haq, die auch das Drehbuch schrieb. Der Film wurde als norwegischer Vorschlag für den Oscar 2019 als bester fremdsprachiger Film nominiert.[3]
Handlung
Die sechzehnjährige Nisha führt in Oslo ein Doppelleben. Sie spielt Basketball mit ihren norwegischen Freunden, geht feiern, trinkt und hat einen norwegischen Freund namens Daniel. Zuhause verhält sie sich wie eine brave Tochter in ihrer traditionellen pakistanisch-muslimischen Familie.
Eines Nachts erwischt Nishas Vater Mirza sie mit Daniel in ihrem Zimmer und schlägt ihn. Nachbarn hören die Schreie und rufen die Polizei. Nisha wird in eine Jugendhilfeeinrichtung gebracht. Dort gibt sie sich die Schuld an dem Geschehenen, während eine Beraterin ihr versichert, dass sie nichts falsch gemacht hat. Mirza, der annimmt, die beiden hätten miteinander geschlafen, ist bereit, Nisha unter der Bedingung wieder aufzunehmen, dass sie Daniel heiratet. Nisha beteuert ihre Unschuld, doch Mirza glaubt ihr nicht. Freunde der Familie aus der pakistanischen Gemeinde drängen Mirza, etwas gegen Nisha zu unternehmen, und warnen ihn, dass sie weiter rebellieren und andere Kinder in der Gemeinde negativ beeinflussen werde.
Mirza, der um den Ruf seiner Familie fürchtet, nimmt Nisha gewaltsam mit nach Pakistan und lässt sie bei seiner Schwester zurück. Bevor er nach Norwegen zurückkehrt, versucht er vergeblich, sich mit Nisha zu versöhnen und beteuert eindringlich, dass er nur ihr Bestes wolle. Acht Monate später hat Nisha in der örtlichen Schule Kochen und Hausarbeiten gelernt. Einmal schleicht sie sich in ein Internetcafé und schickt ihrer Freundin in Norwegen eine Facebook-Nachricht um Hilfe, wird aber von ihrer Tante erwischt, geschlagen und eingesperrt. Ihr Onkel verbrennt ihren Pass, sodass ihr nichts anderes übrig bleibt, als sich an das Leben in Pakistan anzupassen.
Nisha und ihr Cousin Amir, der Sohn ihrer Tante, beginnen, Gefühle füreinander zu entwickeln. Je näher sie ihm kommt und je mehr Zeit sie mit ihren anderen Cousins verbringt, desto mehr Glück empfindet Nisha. Eines späten Abends gehen sie und Amir auf die Straße und werden von Polizisten beim Küssen in einer Gasse erwischt. Die Polizisten schlagen Amir, zwangen Nisha, sich auszuziehen, und nötigen sie und Amir zu sexuellen Handlungen, während sie sie verhöhnen und fotografieren. Anschließend bringen sie die beiden nach Hause und erpressen mit den kompromittierenden Fotos Geld von Nishas Tante und Onkel. Obwohl Nisha beteuert, dass sie und Amir sich nur geküsst hätten, ruft ihre Tante Mirza an und fordert ihn auf, Nisha sofort abzuholen.
Mirza reist nach Pakistan und bittet seine Schwester und seinen Schwager inständig, Nisha und Amir heiraten zu lassen, um dem Gerede in der Gemeinde ein Ende zu setzen. Sie weigern sich, und Mirza bringt Nisha zurück nach Norwegen. Unterwegs befiehlt er ihr, von einer Klippe zu springen, weil sie sein Leben ruiniert habe. Nisha weint und fleht ihren Vater um Vergebung an, woraufhin beide zusammenbrachen.
Zuhause angekommen, empfängt Nishas Mutter sie kühl. Sie und Mirza beginnen, Nisha genau zu beobachten, zwingen sie zum Schulwechsel und verbieten ihr den Kontakt zu ihren alten Freunden. Isoliert und deprimiert kehrt Nisha stillschweigend in ihr Leben in Norwegen zurück, verzweifelt bemüht, das Vertrauen und die Anerkennung ihrer Familie zurückzugewinnen. Das Jugendamt bestellt die Familie zu einem Gespräch ein; Nishas Mutter beschuldigt Nisha, das Jugendamt informiert zu haben, und droht ihr, über alles Geschehene zu lügen. Die Berater zeigen die Facebook-Nachricht, die Nisha Monate zuvor an ihre Freundin geschickt hatte und in der sie ihre Entführung detailliert schilderte, und fragen sie vorsichtig, ob sie der Wahrheit entspricht. Nisha beteuert, dass sie freiwillig nach Pakistan gegangen sei und die Nachricht in einem Wutanfall geschrieben habe.
Eines Tages kommt Nisha nach Hause, wo ihre Eltern pakistanische Freunde zum Abendessen eingeladen haben. Entsetzt erfährt sie, dass diese ihre Heirat mit dem in Kanada lebenden Sohn der Familie arrangiert haben. Mirza, der freudig verkündet hatte, dass Nisha ihr Studium fortsetzen und in Kanada Karriere machen würde, ist sichtlich bestürzt, schweigt aber, als die zukünftigen Schwiegereltern erwidern, dass sie sich für Nisha ein Leben als Hausfrau und Familiengründerin vorstellen. Zutiefst erschüttert klettert Nisha später in der Nacht aus ihrem Schlafzimmerfenster und flieht. Als sie sich umdreht, begegnet sie dem Blick ihres Vaters, der mit Tränen in den Augen aus dem Fenster auf sie herabschaut. Er unternimmt nichts, um sie aufzuhalten, und sieht ihr nur nach, wie sie flieht.
Hintergrund
Mit Was werden die Leute sagen erzählt die Regisseurin Iram Haq auch ihre eigene Geschichte. Sie wurde mit 14 Jahren von ihren Eltern nach Pakistan entführt, wo sie eineinhalb Jahre leben musste.[4]
Die Dreharbeiten fanden vom 28. November 2016 bis zum 17. Februar 2017 in Indien (Ajmer, Rajasthan), Norwegen (Oslo), Schweden (Göteborg) und Deutschland (Hamburg, Bergen und Celle) statt.[3] Die Uraufführung war am 7. September 2017 auf dem 42. Toronto International Film Festival.[3]
Gefördert wurde der Film von Nordmedia, der Filmförderungsanstalt, der Mitteldeutschen Medienförderung, dem Medienboard Berlin-Brandenburg und dem Deutschen Filmförderfonds.[3]
In Deutschland kam Was werden die Leute sagen am 10. Mai 2018 in die Kinos.[3] Von der FSK erhielt er eine Altersfreigabe ab 12 Jahren. In der Begründung heißt es: „Kinder ab 12 Jahren sind auf Grund ihres Entwicklungsstands in der Lage, die ernsten Themen und Konflikte zu verstehen und angemessen zu hinterfragen. Es gibt mehrere emotional intensive Szenen (z. B. die Flucht vor den gefühlskalten Eltern), aber auch diese können von Zuschauern ab 12 Jahren in den Kontext der Geschichte eingeordnet und verarbeitet werden.“[5]
Die österreichische Jugendmedienkommission entschied „mit knapper Mehrheit für eine Freigabeempfehlung ab 12 Jahren, da ab diesem Alter die realitätsnahen Inhalte verarbeitet werden können, ohne eine nachhaltige emotionale Verstörung auszulösen“, empfiehlt aber „den Film in Begleitung von Erwachsenen bzw. im schulischen Kontext mit der anschließenden Möglichkeit zur Diskussion und Reflexion zu sichten“.[2]
Rezeption
Kritik
Dietmar Kanthak von Epd Film lobt die Hauptdarstellerin Maria Mozhdah, die „den Film über 106 Minuten [trägt]“ und „die darstellerische Tour de Force scheinbar mühelos [bewältigt], als hätte sie nie etwas anderes getan als zu schauspielern“ ebenso wie Adil Hussain in der Rolle des Vaters, der „die Zerrissenheit des Mannes, die eruptive Gewalt und die nicht zu unterdrückende Empathie“ beglaubige.[4]
Das Lexikon des internationalen Films urteilt: „Ergreifend und schockierend zugleich zeichnet das intensive Drama ein fatalistisches Szenario aus Familienehre, Wertkonservatismus und dem Selbstbestimmungswillen junger Menschen.“[6]
Auszeichnungen
- Preis der Jugendjury
Nordische Filmtage Lübeck 2017
- Publikumspreis
AFI Fest, Los Angeles
- Publikumspreis 2017 in der Sektion „New Auteurs“
Les Arcs European Film Festival 2017
- Publikumspreis
Internationales Filmwochenende Würzburg 2018
- Bester Spielfilm
Göteborg International Film Festival 2018
- Publikumspreis in der Kategorie Dragon Award Best Nordic Film
- Lobende Erwähnung in der Kategorie Dragon Award Best Nordic Film
Internationales Filmfestival Freiburg 2018
- Publikumspreis 2018
Bari International Film Festival (Bif&st) 2108
- Preis für die beste Schauspielerin für Maria Mozhadah
Internationales norwegisches Filmfestival 2018
- Amanda in der Kategorie Bester Norwegischer Film
- Amanda in der Kategorie Beste Regie für Iram Haq
- Amanda in der Kategorie Bester Hauptdarsteller für Adil Hussain
- Amanda in der Kategorie Bestes Drehbuch an Iram Haq
- Nominierung in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin für Maria Mozhadah
Weblinks
- Offizielle Filmwebsite
- Was werden die Leute sagen bei IMDb
- Was werden die Leute sagen bei Rotten Tomatoes (englisch)
Einzelnachweise
- ↑ Freigabebescheinigung für Was werden die Leute sagen. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF).
- ↑ a b Alterskennzeichnung für Was werden die Leute sagen. Jugendmedienkommission.
- ↑ a b c d e Produktionsspiegel. Was werden die Leute sagen (Reiter „Fakten“). Nordmedia, abgerufen am 22. November 2025.
- ↑ a b Dietmar Kanthak: Kritik zu Was werden die Leute sagen. In: Epd Film. 27. April 2018, abgerufen am 22. November 2025.
- ↑ Was werden die Leute sagen – Freigabebegründung. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, abgerufen am 22. November 2025.
- ↑ Was werden die Leute sagen. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 22. November 2025.