Warschauer Aufstand (1794)

Der Warschauer Aufstand fand 1794 während des Kościuszko-Aufstands statt. Die Insurrektion endete mit einem polnischen Sieg, da die Russen aus Warschau abzogen.

Vorgeschichte

Die Polnische Kronarmee und die Milizen aus Stadtbürgern griffen am 17. April 1794 die in Warschau stationierten russischen Truppen von ca. 8000 Mann an, nachdem sie von dem Sieg Tadeusz Kościuszkos in der Schlacht bei Racławice am 4. April 1794 erfahren hatten.

Verlauf

Ignacy Józef Działyński und Tomasz Maruszewski bereiteten bereits seit 1793 eine Erhebung in Warschau vor. Die Kämpfe begannen in der Nähe der Warschauer Altstadt und griffen bald auf das ganze Stadtgebiet über. Die Führung der Aufständischen Kronarmee übernahm General Stanisław Mokronowski. Die Milizen unter Jan Kiliński verschafften sich Waffen aus dem Arsenal, das gestürmt wurde. Die russischen Truppen zogen sich nach schweren Verlusten unter General Otto Heinrich von Igelström nach Powązki zurück. Die in der Stadt verbliebenen russischen Soldaten mussten am 19. April 1794 kapitulieren. Insgesamt hatten die russische Seite über 4000 Gefallene und Verwundete sowie knapp 2000 Gefangene zu beklagten. Die Kronarmee verlor knapp 1000 Mann und die Milizen beklagten um die 700 Gefallene. Den Aufständischen gelang es in großem Umfang Kriegsgerät zu erbeuten.

Folgen

Der Warschauer Aufstand gilt als größter polnischer Erfolg des Kościuszko-Aufstands. Die Miliz wuchs auf ca. 20.000 Mann an. In der russischen Botschaft wurden Unterlagen zu Geldnehmern des russischen Botschafters gefunden, was zu zahlreichen Verhaftungen führte. Auch die in Warschau verbliebenen Mitglieder der Konföderation von Targowica wurden gefangen genommen und vor das Höchste Kriminalgericht gestellt, das unter anderem Stanisław Szczęsny Potocki, Franciszek Ksawery Branicki, Seweryn Rzewuski, Jerzy Wincenty Wielhorski, Antoni Polikarp Złotnicki, Adam Moszczeński, Jan Zagórski und Jan Suchorzewski wegen Hochverrats zum Tode verurteilte. Józef Ankwicz, Józef Kossakowski, Piotr Ożarowski und Józef Zabiełło wurden am 9. Mai 1794 vor dem Rathaus auf dem Altstädter Ring durch den Strang hingerichtet. Am 28. Juni 1794 drang der Mob in das Gefängnis ein und lynchte Ignacy Jakub Massalski, Antoni Stanisław Czetwertyński-Światopełk, Karol Boscamp-Lasopolski und viele andere. Der Aufstand schwappte innerhalb von einer Woche nach Litauen über, wo es am 22. April 1794 zur Erhebung in Vilnius kam.

Literatur

  • Jerzy Jan Lerski: Historical dictionary of Poland, 966–1945. Westport 1996
  • Jacob Burckhardt: Geschichte des Revolutionszeitalters. (Kritische Gesamtausgabe Bd. 28) München 2009
  • M. Kukiel: Kościuszko and the third Partition. In: William Fiddian Reddaway (Ed.): The Cambridge history of Poland. Vol. 2 Cambridge 1971