Wappen des Papsttums

Das Wappen des Papsttums war das Wappen, mit dem vom Spätmittelalter und bis ins 19. Jahrhundert das Papsttum als Institution heraldisch repräsentiert wurde. Seit Gründung des Vatikanstaats 1929 wird es nicht mehr gebraucht. In historischen Kontexten tritt das Wappen oft zusammen mit dem Wappen der römischen Kirche auf, mit dem es oft verwechselt wird, oder zusammen mit individuellen Papstwappen. Die übliche Darstellung des Wappens waren zwei silberne oder goldene, meist gekreuzte Schlüssel in einem roten Feld.

Geschichte

Die Schlüssel Petri waren ein altes Attribut des Apostel Petrus und ein Zeichen für die Vollmachten des Papstes als seinem Nachfolger.

Seit dem 11. Jahrhundert scheinen die Banner, die die Päpste in militärischen Kontexten und bei Belehnungen verwendeten, neben dem Kreuz auch die Schlüssel gezeigt zu haben (siehe Wappen der römischen Kirche). Seit dem Pontifikat Innozenzens III. wurden sie als Symbol für den Papst und das Papsttum genutzt und häufig dargestellt. In den Schriftquellen werden seit Bonifatius VIII. das Wappen der Kirche (arma ecclesiae) einerseits und das des Papsttums andererseits unterschieden; in Darstellungen werden beide oft nebeneinander gesetzt, und beide werden mit individuellen Papstwappen kombiniert. Eine verwandte heraldische Nutzung der Schlüssel war ihre Verwendung als Prunkstücke von oder Gemeine Figur in Papstwappen. Päpstliche Wappenbesserungen für italienische Kommunen des 14. Jahrhunderts erlaubten die Aufnahme der Schlüssel in die jeweiligen Stadtwappen.

Interpretation

Die Forschung ist sich in der Beurteilung der Wappen, die die weltlichen und geistlichen Funktionen des Papsttums repräsentieren, uneins.

Nach Carl Erdmann wurde das Wappen der Kirche von Bonifatius VIII. eingeführt, um die beiden unterschiedlichen Funktionen des Papstes als Oberhaupt des Kirchenstaates einerseits und der gesamten römischen Kirche andererseits symbolisch zu markieren.[1] Sowohl die Darstellung als auch die Bezeichnung der Banner und später des Wappens der Kirche und des Papsttums schwanken aber im 11.–13. Jahrhundert so stark, dass Donald L. Galbreath bezweifelte, ob das Abzeichen der Kirche und des Papstes in dieser Zeit tatsächlich unterschieden wurden.[2] Michel Pastoureau nimmt an, dass das Wappen des Papsttums erst im 14. Jahrhundert aufgekommen, dann aber klar von anderen Wappen unterschieden worden sei; erst in der Neuzeit sei es zu Verwechselungen gekommen[3] Édouard Bouyé vermutet eine absichtliche Vermischung beider Wappen bereits im Mittelalter.[4]

Literatur

Einzelnachweise

  1. Carl Erdmann: Das Wappen und die Fahne der römischen Kirche. In: QFIAB 22, 1930/31, S. 227–255.
  2. Donald Lindsay Galbreath: A Treatise on Ecclesiastical Heraldry. Part I. Papal Heraldry. Heffer & Sons, Cambridge 1930; von G. Briggs überarbeitete Ausgabe u.d.T. Papal Heraldry. Heraldry Today, London 1972, hier S. 5.
  3. Michel Pastoureau: Keys. In: Philippe Levillain (Hrsg.): The Papacy: An Encyclopedia. Band 2. Routledge, New York 2002, ISBN 978-0-415-92228-9, S. 891.
  4. Édouard Bouyé: Les armoiries pontificales à la fin du XIIIe siècle : Construction d'une campagne de communication. In: Médiévales. Band 44, 2003, S. 173–198. doi:10.4000/medievales.938