Walter Gramatté

Walter Eduard Gramatté (* 8. Januar 1897 in Berlin-Wedding[1]; † 9. Februar 1929 in Hamburg) war ein deutscher Maler, Zeichner und Grafiker des magischen Realismus. Seine Ölgemälde sind vor allem Ausdruck christlicher Erlösungssehnsucht und einer mystischen Sicht der Natur. Weiterhin schuf Gramatté Porträts. Geprägt wurden seine Arbeiten durch seine Erfahrungen im Ersten Weltkrieg und seine Krankheit.

Leben und Werk

Walter Gramatté war ein Sohn des Hausverwalters Otto Gramatté und seiner Ehefrau Katharina, geb. Block. Am 28. Dezember 1918 heiratete er in Berlin-Wilmersdorf „Hetta“ (Henriette Margarete) Lindhorst (1897–1972), die in Australien geborene Tochter eines deutschen Arztes.[2] Am 22. Januar 1919 widmete er ihr mit den Worten „Meiner lieben Frau“ das von ihm anlässlich der Heirat geschaffene Werk Zwei Menschen.[3] Die Ehe dauerte nur wenige Monate und wurde Ende Juli 1919 geschieden.[2]

Gramatté tauschte sich mit Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff aus, war aufs engste mit Hermann Kasack befreundet und Vorbild für die Figur des Malers Catell in Kasacks 1947 erschienenem Roman Die Stadt hinter dem Strom. Seine Aufenthaltsorte waren Berlin, Hamburg und Hiddensee.

Von seiner zweiten Frau Sonia Gramatté, mit der er seit dem 31. Dezember 1920 verheiratet war,[4] malte er Porträts bei verschiedenen Arbeitsverrichtungen, während seine Selbstporträts immer seinen Kopf vor allgemeinem Hintergrund zeigen. Seine Zeichnungen von Kriegsszenen stellen das Schreckliche dar. Die Landschaften zeigen Blumen, Bäume und Gewitter.

Walter Gramatté starb an den Folgen einer Darmtuberkulose. Die Nationalsozialisten betrachteten seine Werke als „entartet“, und 1937 wurden im Rahmen der deutschlandweiten konzertierten Aktion „Entartete Kunst“ Druckgrafiken und Gemälde aus dem Lindenau-Museum Altenburg, dem Kupferstichkabinett Berlin, dem Städtischen Kunsthaus Bielefeld, der Kunsthalle Bremen, der Städtischen Kunstsammlung Chemnitz, dem Museum für Kunst und Heimatgeschichte Erfurt, dem Museum Folkwang Essen, dem Städelschen Kunstinstitut und Städtische Galerie Frankfurt/Main, den Kunstsammlungen der Universität Göttingen, der Hansischen Hochschule für Bildende Künste Hamburg, den Kunstsammlungen der Stadt Königsberg, dem Museum der bildenden Künste Leipzig, dem Museum Behnhaus Lübeck, der Städtischen Kunsthalle Mannheim und der Städtischen Bildergalerie Wuppertal-Elberfeld beschlagnahmt. Die meisten Werke wurden vernichtet.[5][6]

Würdigung

Gramattés Witwe Sonia heiratete im Februar 1934 den Journalisten und Kunsthistoriker Ferdinand Eckhardt, hieß dann Sophie-Carmen Eckhardt-Gramatté und lebte seit 1953 in Winnipeg/Manitoba als bekannte Musikerin. Zur Erinnerung an sie und Walter Gramatté wurde dort die Stiftung „The Eckhardt-Gramatté-Foundation“ gegründet.

Der schriftliche Nachlass liegt im Deutschen Kunstarchiv im Germanischen Nationalmuseum.

Die Sonderausstellung Wiederentdeckt: Walter Gramatté 1897–1929 im Ernst Barlach-Haus in Hamburg (Jenischpark) fand vom 26. Oktober 2008 bis 1. Februar 2009 statt. Diese Ausstellung wurde gemeinsam vom Kirchner Museum in Davos und dem Ernst-Barlach-Haus in Hamburg zusammengestellt.

2010 stellte das Frankfurter Kunstkabinett Teile des grafischen Werks von Walter Gramatté aus.

Die Hamburger Kunsthalle zeigte 2021 eine Ausstellung über ihn mit dem Titel Walter Gramatté und Hamburg.[7][8]

Walter Gramatté und Sophie-Carmen Eckhardt-Gramatté wurden auf dem Berliner Friedhof Rahnsdorf-Wilhelmshagen in einem von Karl Schmidt-Rottluff entworfenen Ehrengrab der Stadt Berlin beigesetzt.[9]

„Erst zweiunddreißigjährig ist Walter Gramatté 1929 gestorben. Wenig ist sein Name zu seinen Lebzeiten über einen engeren Freundeskreis hinaus bekannt geworden. […] Mit unentrinnbarer Eindringlichkeit spiegeln sich in seinen zahlreichen Selbstbildnissen, die mit den Bildnissen seiner Gattin, der Komponistin Sonia Gramatté, im Mittelpunkt seines Werkes stehen, die eigene Lebensnot, Schmerz und Sorge, Trennung, Sehnsucht nach Heimat. […] Selten vermag das Werk eines Künstlers unmittelbar so viel über sein Leben auszusagen, wie es bei Walter Gramatté der Fall ist.“

Lilli Martius: Rezension einer Gedächtnisausstellung 1932 in Hamburg sowie anderen deutschen Städten[10]

Werke (Auswahl)

  • Der Kranke mit den Blumen, 1918, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München, Pinakothek der Moderne[11]
  • Der Rebell (Blatt III. Szene Im Cafe Mit Den Knüppeln), 1918
  • Müdes Blumenmädchen I (Privatbesitz)
  • Robert Im Theater, 1918
  • Porträt Rosa Schapire, 1920, Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie[11]
  • Selbst unter Bäumen, 1921
  • Morgen am Meer (Hiddensee), 1921, Privatbesitz[11]
  • Selbst mit aufgerissenen Augen, 1922

Buchillustrationen (Auswahl)

  • Nikolai Gogol: Der Mantel. (DER GRAPHISCHEN BÜCHER 3. Band mit 12 Original-Lithographien), Gustav Kiepenheuer Verlag, Leipzig und Weimar 1919.[12]

Literatur

  • Ferdinand Eckhardt: Das graphische Werk von Walter Gramatté. Zürich u. a. 1932
  • Ferdinand Eckhardt: Gramatté, Walter. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 6. Duncker & Humblot, Berlin 1964, ISBN 3-428-00187-7, S. 737 (deutsche-biographie.de).
  • Ferdinand Eckhardt: Walter Gramatté. Werkverzeichnis in 3 Bänden. (1. Band: Bilder und Aquarelle; 2. Band: Handzeichnungen; 3. Band: Holzschnitte, Lithographien, Radierungen). Winnipeg 1981
  • Ferdinand Eckhardt: Walter Gramatté 1897-1929. Eine Auswahl seiner Briefe (= Brücke-Archiv. Heft 12). Brücke-Museum, Berlin 1982
  • Claus Pese (Hrsg.); Ruth Negendanck (Bearb.): Walter Gramatté. Eine Dokumentation in Bildern und Texten. Stuttgart und Zürich 1990
  • Walter Gramatté. Gemälde, Aquarelle, Druckgraphiken. Katalog. Galerie Remmert und Barth, Düsseldorf 1992
  • Claus Pese: Mehr als nur Kunst. Das Archiv für Bildende Kunst im Germanischen Nationalmuseum. (= Kulturgeschichtliche Spaziergänge im Germanischen Nationalmuseum; Bd. 2). Ostfildern-Ruit 1998, S. 74–77.
  • Karin Schick, Björn Egging (Hrsg.): Wiederentdeckt: Walter Gramatté 1897–1929. Katalog zur Ausstellung im Kirchner Museum Davos und im Ernst-Barlach-Haus Hamburg 2009–2009. DuMont, Köln 2008, ISBN 978-3-8321-9131-3.
  • Mirko Nottscheid: Gramatté, Walter Eduard. In: Franklin Kopitzsch, Dirk Brietzke (Hrsg.): Hamburgische Biografie. Band 8. Wallstein, Göttingen 2023, ISBN 978-3-8353-5443-2, S. 173–175.
  • Marcel P. Oettrich: Gramatté, Walter. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 60, Saur, München u. a. 2008, ISBN 978-3-598-22800-1, S. 196 f.
  • Rainer Zimmermann: Expressiver Realismus: Malerei der verschollenen Generation. Hirmer, Berlin 1994, ISBN 3-7774-6420-1, S. 379
Commons: Walter Gramatté – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Standesamt Berlin XI, Geburtsurkunde Nr. 165 vom 13. Januar 1897
  2. a b Standesamt Berlin, Heiratsregister-Eintrag Nr. 921 vom 28. Dezember 1918 mit Randvermerk vom 16. August 1919; eingesehen auf ancestry.de am 22. September 2025.
  3. Walter Gramatté. "Zwei Menschen", 1919. In: online-sammlung.hamburger-kunsthalle.de. Hamburger Kunsthalle, abgerufen am 22. September 2025 (mit Abbildung des Werkes).
  4. Standesamt Charlottenburg II, Heiratsregister-Eintrag Nr. 1273 vom 31. Dezember 1920; eingesehen auf ancestry.de am 22. September 2025.
  5. Datenbank zum Beschlagnahmeinventar der Aktion "Entartete Kunst", Forschungsstelle "Entartete Kunst", FU Berlin
  6. Stale Session. Abgerufen am 7. Oktober 2025.
  7. Wolfgang Krischke: Polyglotter Außenseiter. In: FAZ.net. 21. Juni 2021, abgerufen am 12. Juli 2022.
  8. Walter Gramatté und Hamburg, hamburger-kunsthalle.de, abgerufen am 12. Juli 2022.
  9. Lebenslauf von Sophie Carmen Eckhardt-Gramatté bei www.klassika.info
  10. Lilli MartiusGedächtnisausstellung Walter Gramatté. In: Belvedere. Monatsschrift für Sammler und Kunstfreunde, Jahrgang 1932, S. 151 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/bel
  11. a b c Quelle: Wiederentdeckt: Walter Gramatté 1897–1929. Sonderausstellung im Ernst Barlach Haus in Hamburg (Jenischpark) vom 26. Oktober 2008 bis 1. Februar 2009 (Faltblatt)
  12. Fotomechanischer Nachdruck 1978 im Gustav Kiepenheuer Verlag Leipzig und Weimar