Walter Grünfeld
Walter Grünfeld (geboren 2. Oktober 1908 in Kattowitz, Deutsches Reich; gestorben 1988) war ein deutsch-polnischer Bauunternehmer und Geschäftsführer eines südafrikanischen Metallhandelsunternehmens.
Leben
Walter Hans Ignatz Grünfeld war ein Sohn des Kattowitzer Ziegeleibesitzers, Baumeisters, Kommunalpolitikers (Stadtverordnetenvorsteher, Fraktionsführer, bis 1933) und Abgeordneten des Schlesischen Provinziallandtags[1] Hugo Grünfeld[2] (1869–1939), Vizepräsident des Deutschen Volksbundes für Polnisch-Schlesien und der Margarete Oettinger, er hatte zwei Schwestern. Eines der neun Geschwister des Vaters war der Gründer der Gesellschaft für Elektrometallurgie Paul Grünfeld (1879–1937). Grünfelds Geburtsstadt fiel der Staatsgründung Polens 1918 folgend trotz des Ergebnisses der Volksabstimmung in Oberschlesien 1921 an Polen, Grünfelds Familie gehörte nun zur deutschen Minderheit in Polen und war jüdischen Glaubens.
Er besuchte das Humanistische Gymnasium in Kattowitz und machte 1926 an dem nunmehr polnisch-deutschen Gymnasium das Abitur in der deutschen Klasse. Er studierte, den Erwartungen des Vaters folgend, zunächst Architektur an der TH Berlin, sattelte aber im vierten Studiensemester um auf Wirtschaftswissenschaften.
Grünfeld engagierte sich in dem der DDP nahestehenden Demokratischen Studentenbund Berlin und war unter anderem 1929/30 im Reichsvorstand des Deutschen Studentenverbandes (DStV) und in der Zentralstelle für studentische Völkerbundsarbeit aktiv. Im Juli 1931 machte er die Prüfung zum Diplomkaufmann an der Technischen Hochschule München. Da er in der beginnenden Weltwirtschaftskrise keine Arbeit fand, ging er an die Universität Breslau und arbeitete an einer Dissertation zur polnischen Auslandsverschuldung bei Albert Hesse, der auch am Osteuropainstitut forschte. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 wurde ihm mitgeteilt, dass Dissertationen von Juden nicht mehr angenommen würden. Grünfeld gelang es, sich an der Universität Basel zu immatrikulieren, und wurde dort noch im Dezember 1933 bei Edgar Salin und Hans Ritschl promoviert.
Grünfeld arbeitete dann im Familienbetrieb in Kattowitz und übernahm dessen Leitung. Er schrieb nebenher Artikel für die "Wirtschaftskorrespondenz in Polen", bis die Zeitung 1937 nach Auslaufen des Minderheitenschutzes in Oberschlesien ihre Erscheinungsweise einschränkte. Beim deutschen Überfall auf Polen 1939 floh er nach Warschau und erlebte dort die deutsche Eroberung der Stadt. Seine Mutter floh nach Lemberg und starb in der Sowjetunion. Ihm gelang die Flucht in das noch neutrale Italien, von dort Anfang 1940 in die Türkei und im Januar 1941 nach Palästina. Aus der großen Berliner Verwandtschaft, soweit ihnen nicht die rechtzeitige Flucht gelungen war, überlebte einzig Hans Hirschel, der von Maria Gräfin von Maltzan versteckt worden war, so wurde auch die Cousine Ellen Epstein in Riga ermordet. Grünfelds Schwester Marianne war zwar die Flucht nach England gelungen, sie wurde aber 1942 von der besetzten Insel Guernsey in das KZ Auschwitz deportiert.
Von Palästina aus wurde Grünfeld mit einer polnischen Gruppe nach Nordrhodesien evakuiert und arbeitete als Angestellter im Copperbelt in Mufulira. 1947 zog er nach Südafrika und gründete eine Erzhandelsfirma in Johannesburg, die mit Derby & Co., Philipp Brothers und mit dem nach England geflohenen Familienzweig der Grünfelds kooperierte.
Schriften (Auswahl)
- Die Auslandsverschuldung Polens. Katowice: Vita, 1936, Diss. Basel 1935
- Rückblicke. Selbstverlag, 1990 ISBN 1-4068-1015-0 epub, bei Gutenberg
Literatur
- Konrad Fuchs: Rückblicke. Rezension, in: Oberschlesisches Jahrbuch. Band 7 (1991), S. 289–291, ISSN 0930-6978
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Verzeichnis der Mitglieder des 52. Provinziallandtages der Provinz Schlesien. März 1914
- ↑ Hugo Grünfeld in der polnischen Wikipedia