Walter-Hauser-Denkmal

Das Walter-Hauser-Denkmal steht in Wädenswil im Schweizer Kanton Zürich und erinnert an den Bundesrat Walter Hauser (1837–1902). Es wurde 1904 eingeweiht und 1969 in reduzierter Form an seinen heutigen Standort versetzt.

Geschichte

Walter Hauser war aus Wädenswil gebürtig und verbrachte hier einen Grossteil seines Lebens. 1870–1881 sass er im Kantonsrat, 1881–1888 im Regierungsrat des Kantons Zürich. Parallel dazu amtete er 1869–1875 als Nationalrat und 1879–1888 als Ständerat. 1888 wurde er als Nachfolger von Wilhelm Hertenstein in den Bundesrat gewählt. Er starb am 22. Oktober 1902, mit 75 Jahren, in Bern während der Arbeit.

Bereits im November 1902 konstituierte sich im Restaurant «Schiffli» in Wädenswil ein Komitee zur Errichtung eines Denkmals für Hauser.[1][2] Auf eine öffentliche Ausschreibung hin entschied sich eine Jury, bestehend aus Schweizer Künstlern, im November 1903 einstimmig für das Modell des Bildhauers Adolf Meyer-Graf (1867–1940), das einen «Granitblock mit Marmorbüste» vorsah.[3][4] Den architektonischen Teil entwarf Jakob Haller (1879–1943).[5]

Das Denkmal kostete rund 17'000 Franken, die hauptsächlich mit Spenden gedeckt wurden. Etwa die Hälfte davon entfiel auf den Aufkauf des Platzierungsgrundstücks,[5] des Gartens der alten Gerberei an der Gerbestrasse 7 (zur Zugerstrasse hin), die einst Hauser, der einer Gerberfamilie entstammte, gehört hatte. Das Komitee erwarb die Parzelle vom Kaufmann Heinrich Brunner-Theiler[6] und übereignete sie der Gemeinde, die sie in öffentlichen Grund umwandelte.[7] Am 10. April 1904 bewilligte die Gemeindeversammlung von Wädenswil einstimmig einen Beitrag von 3000 Franken an die Denkmalkosten.[7] Im Juni 1904 verfügte das Komitee über rund 13'000 Franken.[8]

Die Einweihungsfeier fand am 10. Juli 1904 im Rahmen eines Turnfests zum 25-jährigen Jubiläum des Seeturnverbands (Hauser war selbst passionierter Turner gewesen) statt und dauerte etwa anderthalb Stunden. Bis auf Hausers noch lebende, 93-jährige Mutter waren alle näheren Angehörigen zugegen. Nachdem der Männerchor «Eintracht» An mein Vaterland vorgetragen hatte, hielt der Präsident des Denkmalkomitees, Hauptmann Paul Schnyder, die Begrüssungsansprache, während der das Denkmal enthüllt wurde. Im Namen der Gemeinde Wädenswil nahm es deren Präsident Fritz Weber-Lehnert dankend in Empfang. Sodann sprachen Hausers Nachfolger im Bundesrat und langjähriger Freund Ludwig Forrer und der Präsident des Zürcher Regierungsrats Jakob Lutz. Zum Abschluss sang der Chor den Schweizerpsalm.[5][9]

Anlässlich der Feier zur Wahl von Robert Haab, dem zweiten Bundesrat aus Wädenswil, zum Bundespräsidenten 1921 begab sich die Festgemeinde zum Walter-Hauser-Denkmal.[10] An Hausers 100. Geburtstag, dem 1. Mai 1937, legte der Gemeinderat einen Kranz vor dem Denkmal nieder.[11]

1969 wurde das Denkmal abgebrochen und sein Mittelteil etwa 200 Meter südöstlich in den Rosenmattpark verlegt, wo seit 1940 auch das Denkmal für Robert Haab steht.[2]

Beschreibung

Das Denkmal steht heute im Rosenmattpark und besteht nur noch aus einem Teil des Postaments und der Büste, welche die «ernsten und doch so freundlichen Züge Walter Hausers» «in vollkommener Treue» wiedergibt.[9] Ursprünglich war der Sockel in eine breite, mit einem Mosaikfries geschmückte Brüstung integriert und das Denkmal von Bäumen umstanden, die Hauser einst selbst gepflanzt haben soll.[9] Die in Jugendstil-Lettern ausgeführte Sockelinschrift lautete im Oberfeld des Sockels: «Walter Hauser von Wädenswil 1837–1902» und im Mittelfeld: «Bundesrat 1888–1902». Auf der Brüstung waren links Hausers kantonale Ämter («Kantonsrat 1870–1881» und «Regierungsrat 1881–1888») und rechts seine nationalen Ämter («Nationalrat 1869–1875» und «Ständerat 1879–1888») aufgeführt.

Rezeption

Die Zürcher Wochen-Chronik sprach bei der Einweihung von einem «bescheidenen Denkmal».[9] Der Gemeindepräsident Weber-Lehnert sagte in seiner Enthüllungsrede: «Wohl ward kein glanzvolles Denkmal geschaffen, in den Herzen aller aber hat sich Hauser ein unvergängliches Andenken gesichert.»[5]

Literatur

  • Turnfest und Denkmalweihe in Wädenswil. In: Neue Zürcher Zeitung. Beilage zu Nr. 192, 12. Juli 1904, S. 1 (online).
  • Aus dem Beamtenstand. In: Zürcher Wochen-Chronik. Nr. 30, 23. Juli 1904, S. 1 f. (online).
Commons: Walter-Hauser-Denkmal – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Zürich. In: Neue Zürcher Zeitung. Zweites Abendblatt. Nr. 320, 18. November 1902, S. 2 (online).
  2. a b Peter Ziegler: 150 Jahre Männerturnverein Wädenswil. In: Jahrbuch der Stadt Wädenswil. 2010 (online).
  3. Kleine Mitteilungen. In: Neue Zürcher Zeitung. Erstes Abendblatt. Nr. 322, 20. November 1903, S. 2 (online).
  4. Kleine Mitteilungen. In: Neue Zürcher Zeitung. Abendblatt. Nr. 323, 21. November 1903, S. 2 (online).
  5. a b c d Turnfest und Denkmalweihe in Wädenswil. In: Neue Zürcher Zeitung. Beilage zu Nr. 192, 12. Juli 1904, S. 1 (online).
  6. Peter Ziegler: Von der Färberei zum Café Homberger. In: Jahrbuch der Stadt Wädenswil. 2012 (online).
  7. a b Zürich. In: Neue Zürcher Zeitung. Erstes Abendblatt. Nr. 102, 12. April 1904, S. 1 (online).
  8. Hauserdenkmal. In: Neue Zürcher Zeitung. Erstes Abendblatt. Nr. 160, 10. Juni 1904, S. 1 (online).
  9. a b c d Aus dem Beamtenstand. In: Zürcher Wochen-Chronik. Nr. 30, 23. Juli 1904, S. 1 f. (online).
  10. Bundespräsident Haab. In: Thurgauer Zeitung. Zweites Blatt. Nr. 297, 19. Dezember 1921, S. 1 (online).
  11. Der 100. Geburtstag von Bundesrat Hauser. In: Neue Zürcher Zeitung. Zweite Sonntagsausgabe. Nr. 785, 2. Mai 1937, S. 2 (online).

Koordinaten: 47° 13′ 41,2″ N, 8° 40′ 26,4″ O; CH1903: 693555 / 231534